Die Sanierung der Stadthalle ist mit Verzögerungen und steigenden Kosten verbunden. Jetzt schlägt die Stadt ein neues Kapitel auf. Sie will die Rechnung eines beauftragten Unternehmens nicht voll begleichen.

Unna

, 21.12.2018, 16:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Sanierung der Stadthalle wird zum Fall für die Juristen - das zeichnet sich ab, nachdem die LimCom Systems GmbH, die die Lüftungsanlage modernisiert hat, auf einem Teil ihrer Rechnung sitzen bleibt. Die Stadt Unna will nicht zahlen, Stadtsprecher Oliver Böer verweist auf „unterschiedliche Rechtsauffassungen über die Auftragserfüllung“. Das Unternehmen aus Castrop-Rauxel lässt sich bereits rechtlich beraten.

Kein Weihnachtsgeld gezahlt

„So etwas haben wir noch nie erlebt“ beklagt LimCom-Geschäftsführer Thorsten Lyttek. Was er meint, sind ausstehende Zahlungen durch die Stadt Unna. Lyttek spricht von 150.000 Euro, mit denen das Unternehmen nach der Auftragsvergabe kalkuliert habe. Dass Unna nicht zahlt, spüren in erster Linie die 30 Mitarbeiter des Unternehmens. Sie haben kein Weihnachtsgeld erhalten. „Das macht einen natürlich alles andere als glücklich“, sagt Projektleiter Frederik Wins. Nur weil die Mitarbeiter dem familiär geführten Unternehmen vertrauen, gab es keine heftigen Proteste. „Die wissen, dass wir das Weihnachtsgeld nachzahlen, sobald das Geld aus Unna kommt“, sagt Thorsten Lyttek.

Darauf aber muss die Firma, die zu 98 Prozent Aufträge für öffentliche Verwaltungen umsetzt, möglicherweise vergeblich warten. Hintergrund sind die Verzögerungen, die bei der Sanierung auftraten auch durch Asbest-Funde. Ende Mai wurde der Auftrag für die neue Lüftungsanlage der Stadthalle an die LimCom GmbH vergeben. Große Teile der aus dem Jahre 1970 stammenden Anlage sollten im Zuge der Brandschutz-Ertüchtigung ersetzt werden. Die Ausschreibung erfolgte laut dem Unternehmen ohne eine Klärung letzter Details mit dem Fachplaner. Dabei ging es um die Frage, ob die neue Anlage die „ERP2018“-Richtlinie erfülle.

Unternehmen soll Mietanlage bezahlen

LimCom bestellte dennoch die erforderlichen Teile für das Forum. Zu den üblichen zwölf Wochen Lieferzeit kam wegen des aktuellen Baubooms eine weitere Verzögerung. Am 22. September sollte die Anlage eintreffen. Weil die Stadt Unna und der Fachplaner die offenen Fragen aber nicht geklärt hätten, sei die Bestellung storniert worden, sagt Thorsten Lyttek. Eine gemietete Übergangsanlage sollte weitere Verzögerungen verhindern. Die LimCom sieht die Stadt in der Verantwortung, für die Verwaltung hatte Pressesprecher Christoph Ueberfeld dagegen schon Ende August erklärt, die Stadt sei „sehr zuversichtlich“, dass die beauftragte Firma das Geld dafür zurückzahle.

Thorsten Lyttek beklagt die Kommunikation mit der Stadt. Anfangs seien die Teilrechnungen noch mit zuvor vereinbarten 80-Prozent-Abschlägen bezahlt worden, doch dann wurden plötzlich nur noch 50 Prozent gezahlt. Die LimCom erstellte eine Rechnung über Verzugszinsen - damit war das Vertrauen zwischen der Stadt und dem Unternehmen offenbar nachhaltig gestört. In der Folge floss nicht nur kein Geld mehr, auch E-Mails der Firma wurden durch die Stadtverwaltung laut Thorsten Lyttek geblockt. „Sie kamen nicht mehr an“, sagt er. Um einen Gesprächstermin mit der Stadt zu bekommen, wurde schließlich sogar ein Schreiben per Boten ins Rathaus geliefert - eine Vereinbarung gibt es aber noch nicht.

Arbeiten am Freitag beendet

Am Freitag hat die LimCom ihre letzten Arbeiten an der Lüftungsanlage der Stadthalle beendet, auf 150.000 Euro wartet sie aber noch. Ähnliches hat es in dem 2010 gegründeten Unternehmen bislang nie gegeben, sagt Thorsten Lyttek. Neben den fast 22.000 Euro für die Miete der Übergangsanlage verrechnet die Stadt auch etwas mehr als 24.000 Euro für zusätzlich erforderlich werdende Elektroarbeiten. Und schließlich müsse die LimCom für 100.000 Euro aufkommen, die ein zusätzliches Aufstellen eines Raumgerüstes im nächsten Jahr mit sich bringe. Das Unternehmen sieht sich weder in der Verursacherrolle, noch hält es ein Gerüst für nötig. Eigene Nacharbeiten in der Festhalle habe sie selbst auch mit einem Hubsteiger erledigen können.

Kein Risiko für die Stadt

Gerrit Lyttek, ebenfalls Geschäftsführer bei LimCom, verweist zudem auf die Vertragserfüllungsbürgschaft, die der Stadt Unna vorliege. Sie sei zugleich eine Mängelbeseitigungsbürgschaft, für die Stadt bestehe demnach gar kein Risiko. Der Weg zu einer Klage gegen die Stadt scheint kurz. Unabhängig davon will die Firma LimCom aber auch andere Unternehmen vor Problemen mit der Stadt Unna warnen. „Wir fürchten nicht um unser Image, wir haben hier gute Arbeit geleistet“, sagt Thorsten Lyttek und verweist auf Stadthallen-Schichten auch in Nächten und an Feiertagen.

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