Unnas Wirtschaftsbetriebe geraten zunehmend unter Druck

dzWBU

Die Finanznöte Unnas beschränken sich keinesfalls nur auf den Kernhaushalt der Stadt. Auch die WBU gerät unter Druck - und greift nun zu kreativen Bilanztechniken.

Unna

, 12.12.2018, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Völlig unabhängig sind Stadt und Wirtschaftsbetriebe Unna auch finanziell nicht. Gewinnausschüttungen der städtischen Konzerngesellschaft galten zuletzt als planbarer Beitrag zum öffentlichen Haushalt. In Zukunft aber werden die WBU Probleme bekommen, wie gewohnt zu „liefern“. Mitglieder der Gesellschafterversammlung befürchten sogar, die WBU müssten Kredite aufnehmen, um weiterhin zur Haushaltssicherung der Stadt beitragen zu.

WBU besteht großteils aus Zuschussgeschäften

Unter dem Dach der WBU bündelt die Stadt wirtschaftliche Unternehmungen und Vermögenswerte. Einige davon gelten allerdings eher als unwirtschaftlich. Überschüsse bei der WBU stammen im Wesentlichen aus den Gewinnausschüttungen der Stadtwerke Unna, an denen die WBU 76 Prozent der Anteile hält. Ansonsten finden sich in der WBU eher Zuschussgeschäfte: Sie bewirtschaftet die Tiefgaragen am Busbahnhof und am Neumarkt sowie das Parkhaus an der Massener Straße, betreibt die Schwimmsporthalle am Bergenkamp und muss nach aktueller Beschlusslage eine ehemalige Eishalle abwickeln.

Reparaturstau in den Großgaragen

Die Eishalle erweist sich nun nicht als einziger Vermögenswert mit einem gewissen Reparaturstau. Auch die Großgaragen haben teils substanzielle Bedarfe, die nach baldigem Handeln verlangen. Die WBU will sich diesen Aufgaben stellen, muss dafür aber Geld ausgeben. Bei der Mutter der Gesellschaft – also der Stadt Unna – schafft dies Probleme.

Kämmerer Achim Thomae erwartet für die kommenden Jahre ein nachhaltiges Absinken der Gewinne bei der WBU. Nach Berechnungen der Kämmerei dürften die Gewinne um netto 500.000 Euro im Jahr sinken. Im Durchschnitt seien dann nur noch 700.000 Euro im Jahr zu erwarten sein.

Aber: In den nächsten beiden Jahren kommt es noch schlimmer. 2019 und 2020 könnten die Gewinne fast vollständig von den Investitionen in die Großgaragen aufgezehrt werden. In Summe nimmt die Kämmerei Mindereinnahmen von fast zwei Millionen Euro an. Es geht hier um Geld, das Unna dringend benötigt, um die Vorgabe eines Haushaltsausgleichs ab 2020 erfüllen zu können.

„Altgewinne“ müssen verflüssigt werden

Kämmerer Achim Thomae beschreibt einen „Rückgriff auf Altgewinne“ als Lösung. Problem dabei: Nicht ausgezahlte Gewinne der WBU aus der Vergangenheit sind zunächst einmal eine bilanzielle Kennzahl. Das Geld ist nicht unbedingt aufs Sparbuch gebracht worden, sondern investiert worden. Um es wieder liquide zu machen, müsste die WBU vermutlich Kredite aufnehmen, die mit den Werten aus der Bilanz besichert werden können.

In politischen Kreisen sorgt dies für Bedenken. Ein Mitglied des Stadtrates spricht von einem „bilanziellen Kunstgriff“: Die WBU nehme Kredite auf, um den Haushalt der Mutter zu stützen. Ungewöhnlich ist das auch vor dem Hintergrund, dass der Weg des Geldes zuletzt auch in entgegengesetzte Richtung führte: Der Doppelhaushalt 2015/16 ermächtigte die Stadt dazu, zehn Millionen Euro als Kredit aufzunehmen und sie dann der WBU zur Entschuldung bei externen Kreditgebern auszuleihen. Das Modell erschien unterm Strich sinnvoll. Denn weil sie sich Stadt über Steuererhöhungen direkt durch ihre Bürger finanzieren kann, genießt sie bei Kreditgebern eine höhere Bonität. Sie könnte sich das Geld billiger leihen als ihre Tochter. Nur darf sie es ab 2020 nur noch eingeschränkt, ist dann doch der Stichtag für die „schwarze Null“ erreicht.

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