Hunderte pilgern von Keramik zu Lichtkunst, von Urban Art zur Kunstschmiede. Das Kunstort-Wochenende hat die Menschen in Bewegung gebracht und auf unterschiedliche Art begeistert. Die dritte Auflage 2021 ist Pflicht.

von Thomas Raulf, Sebastian Pähler

Unna

, 15.09.2019, 17:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Sonntagnachmittag stand für Lina Frubrich fest: Zwei Neuerungen für die diesjährige, die zweite Auflage von „Kunstort Unna“ waren sehr gute Ideen – viel Information und mehr Zeit. Eine übersichtliche Broschüre wurde von vielen Besuchern genutzt. Immer wieder waren am Wochenende Menschen anzutreffen, die durch das kleine Heft blätterten, um sich zu informieren und ihre Route zu planen. Und dadurch, dass in diesem Jahr ein ganzes Wochenende Zeit war, die Kunstorte zu besuchen, nahmen sich einige Besucher auch mehr Zeit, wie an einigen Stationen zu erfahren war. Dass Gefühl, schnell weiter zu müssen, ehe die anderen Ausstellungsorte schließen, hatten weniger Besucher, so Frubrichs Beobachtung.

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Bildergalerie Kunstort Unna

Mehr als zwei Dutzend Kunstorte: Ateliers und Künstlerhäuser öffneten am Wochenende ihre Türen, es gab Konzerte und Mitmachaktionen. Wir zeigen die Bilder vom Freitag, Samstag und Sonntag.
14.09.2019
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Vielleicht ein Bild, das viel sagt über "Kunstort Unna" 2019: Julia Bergfort und Agnes Pester sind mit ihrer Wandmalerei nicht fertig geworden. Sie hatten zu viel Besuch in Lünern.© Raulf
Das Interesse war schon groß an der Eröffnung im KunstOrt Nr. 1, der Stadtkirche.© Marcel Drawe
Als Hauherrin von KunstOrt Nr. 1 begrüßte Pfarrerin Barbara Dietrich die Besucher.© Sebastian Pähler
Voller Lob für das Projekt "KunstOrt Unna" zeigte sich Bürgermeister Werner Kolter.© Sebastian Pähler
Die Künstler in der Provinz haben es schwer, erläuterte Thomas Hengstenberg bei seiner Eröffnungsrede in der Stadtkirche. Dass sie dennoch nicht Künstler zweiter Klasse seien, könne man bei der Aktion KunstOrt Unna sehen.© Sebastian Pähler
Über das große Interesse freute sich auch Projektleiterin Lina Frubrich.© Sebastian Pähler
Einen Vorgeschmack auf alle 27 Kunstkorte konnten die Besucher der Stadtkirche bekommen. Das hinter vielen Orten aber mehr als nur ein Künstler steht, konnte Besucher bei Instalationen wie der Säule der Künstlergruppe "Die schwarze Olive" feststellen.© Sebastian Pähler
Aus dem Kunstraum Unna der Künstlergruppe „Die Kunstforderer“ kamen mehrere Beiträge in die Stadtkirche, etwa dieses Gemälde von Yannick Leniger.© Sebastian Pähler
Auch die Stadtlichter von Wolfgang Flammersfeld warfen in der Stadtkirche ihre Schatten vorraus.© Sebastian Pähler
Auch Objekte wie die Instalation aus dem "arthaus:nowodworski" durften in der Stadtkirche nicht fehlen und sorgten für Aufsehen.© Sebastian Pähler
Nicht zum Sitzen geeignet aber anregend für die Gedanken. "Besetzt" von Leo G. Pira.© Sebastian Pähler
Für Aufsehen sorgten auch die Werke des Künstlerduos "HYÄNE". Eine Kostprobe war in der Stadtkirche zu sehen.© Sebastian Pähler
"The earth is watching" von Frauke Nowodworski. Das Thema Expedition war mal mehr mal weniger deutlich in den Ausstellungsstücken in der Stadtkirche zu merken.© Sebastian Pähler
Kundenstopper und Werbung in verschiedenen Formen mit dem "Kunstort"-Logo halfen den "Expeditionsteilnehmern", die Ziele im Stadtgebiet zu finden.© Raulf
Das eigene kreative Potential der Unnaer Bürger entfesselte Nikola Dicke mit ihrer Kunstaktion auf dem Markt.© Sebastian Pähler
Eine leere Hausfläche gestalten zu dürfen entfesselte bei vielen Besuchern die Fantasie.© Sebastian Pähler
Immerwieder entstanden neue Bilder auf den Häusern bei der KunstOrt-Aktion auf dem alten Markt.© Sebastian Pähler
Die offensichtlichen und versteckten Schätze im Buhre Haus zeigte Wolfgang Patzkowsky seinen Gästen am Freitagabend.© Sebastian Pähler
Im Buhre Haus konnten Kunsthungrige gesellig zusammenkommen.© Sebastian Pähler
Ihre eigene Expedition führte Birgit Okulla vom Edelmetall zur Keramik. Die ergebnisse ihrer persönlichen Reise als Künstlerin zeigte sie in ihrer Schmuck-Manufaktur.© Sebastian Pähler
Als Künstler-Duo HYÄNE übten sich M!O und Happy Guy in Gesellschaftskritik. Im Tortuga konnten die Besucher der KunstOrte ihr Schaffen in Augenschein nehmen.© Sebastian Pähler
Immer im Wandel war die Ausstellung im Tortuga, denn M!O und Happy Guy hatten jede Menge Bilder im Gepäck.© Sebastian Pähler
Im SpontUN zeigten Nicole Noä und Frederike Mühlbauer ihre Kunst. Dafür hatten die beiden Künstlerinnen mit Drucktechnicken experimentiert.© Sebastian Pähler
Ein letztes Mal verwandeln die Stadtlichter den Westfriedhof in eine Fabelwelt aus Licht und Stimmungen. Auch das durfte beim KunstOrt Unna nicht fehlen.© Sebastian Pähler
In andere Welten eintauchen konnten die Besucher der Stadtlichter auf dem Westfriedhof.© Sebastian Pähler
Akrobatik am Seil faszinierte die Besucher der Stadtlichter auf dem Westfriedhof.© Sebastian Pähler
Einen alten Atlas hat Andrea Agner in Kunst verwandelt. Damit schickt sie die Besucher in ihrem Atelier auf Expedition.© Sebastian Pähler
Viele nutzten das schöne Wetter für eine Kunstort-Radtour. Familie Roy aus Hemmerde traf unser Fotograf in Lünern.© Raulf
Lünern sollte schöner werden, mit einer Graffiti-Aktion von Julia Bergfort und Agnes Pester.© Sebastian Pähler
Anne Katrin Budde lud die Besucher des Cafés zur Alten Post ein, Rost und Abstrakte Muster in der Umgebung zu entdecken.© Sebastian Pähler
Eine wirkliche Entdeckung konnten Besucher ganz in der Nähe des Arthaus: Nowodworski machen. Mitten in der Stadt versteckte sich nähmlich ihr "Secret Garden".© Sebastian Pähler
InsPIRAtion ist das Motto von Schmied Leo G. Pira. wie vielseitig die Kunst in Unna ist, zeigte er in seiner Schmiede an der Hammer Straße.© Sebastian Pähler
Julia Weber-Seysen lud an der JKS Kinder ein, die Perspektive von Insekten in der Insektenwiese im Kurpark einzunehmen und sich dann künstlerisch auszutoben.© Sebastian Pähler
Der alte Handwerkerschuppen der Stadtvilla am Nordring wurde mit den Werken von Sabine Hannah Johr und Jutta Hellweg zum Gesamtkunstwerk.© Sebastian Pähler
Im Katharinen-Hospital lut Gisela Löser die Besucher mit ihren Bildern zu einer "Gedankenreise" ein.© Sebastian Pähler
Vergänglichkeit und die Faszination des Wassers standen in der Ausstellung von Conny und Tomasz Kornfeld gegenüber.© Sebastian Pähler
Mit der Kunst-Apotheke war sogar ein weiterer, ungelisteter KunstOrt an der Aktion beteiligt.© Sebastian Pähler
Ganz unbekannte Seiten von Wilhelm Buschulte bekamen die Besucher in FOrm von Karikaturen, Kritzeleien und humorvollen Zeichnungen des Glaskünstlers zu sehen.© Sebastian Pähler
auch in der ersten Etage der Stadtvilla haben Jutta Hellweg und Sabine Hannah Johr die Räume mit Kunst belebt.© Sebastian Pähler
Nicht nur bildende Kunst spielte beim KunstOrt Unna eine Rolle. So etwa im zib, wo Jörg Budde die Ausstellung "Palaiseau in Unna" mit Jazz bereicherte.© Sebastian Pähler
Die Letzten Tage der Ausstellung "Habitat" konnten besucher des Arthaus:Nowodworski beim KunstOrt Unna erleben.© Sebastian Pähler
Das Interesse am Kunstraum Unna und den Kunstforderern war sehr groß.© Sebastian Pähler
Beim Kunstverein gab es unter anderem eine Installation von Nikola Dicke aus Licht, Wasser und Geräuschen zu entdecken.© Sebastian Pähler
Auch den Vergleich seiner ausgewählten Künstler aus Palaiseau mit den ganz großen Namen der Kunstgeschichte scheute Kurator Pierre Gilles bei einer Führung durch die Ausstellung im ZIB nicht.© Sebastian Pähler
Das Seitenprojekt der KunstForderer im ehemaligen Tanzlokal "Remember" beschwohr Erinnerungen an ein Unna, wie es einmal war, herauf.© Sebastian Pähler
Sie hatten überraschend viel Besuch in Massen: Gisela Lücke (r.) mit ihren Gastausstellern Magdalena Warnsing und Josef Jansen.© Raulf

Außerhalb weniger Besucher - aber überraschend viele

Tatsächlich ließen viele Kunst und Ort in Ruhe auf sich wirken. „Das ist eine tolle Umgebung, um Kunst zu präsentieren“, lobte Paul Rybarsch, während er durch den Garten von Gisela Lücke spazierte. Die Massener Keramikkünstlerin hatte zwei weitere Künstler zu Gast; Magdalena Warnsing stellte in ihrem Räumen Malerei aus, Josef Jansen Zeichnungen und Malerei. Und das Interesse war groß. Schon am Freitagabend hätten Besucher vor der Tür gestanden, als sie von der Vernissage kam, berichtete Gisela Lücke. Der Samstag sei gut besucht gewesen, der Sonntag ebenso. „Ich bin überrascht und zufrieden“, sagt die Massenerin auch mit Blick auf ihren Standort. Es war der einzige in Massen, westlich der A1 gelegen, da mussten die Kunstfreunde erst einmal hinfinden. Sie fanden.

Unnas vielfältige Kunstorte bringen die Menschen in Bewegung, nicht nur in die Innenstadt

Überraschend viel Besuch gab es auch in Massen. Magdalena Warnsing, Josef Jansen und Gisela Lücke stellten gemeinsam aus. © Raulf

Mit dem Rad von Ort zu Ort

Viele nutzten auch die Gelegenheit für eine Fahrradtour – im Unnaer Westen ebenso wie im Osten. So kam es, dass ein Stück Kunstort in Lünern gar nicht fertig wurde. Sie hätten sich im Vorfeld überlegt, was sie ein ganzes Wochenende lang tun würden, wenn wenig Besucher kommen, berichtete Agnes Pester, gemeinsam mit Julia Bergfort verantwortlich für Kunstort Nummer 27. Die beiden Künstlerinnen hatten mit „zehn oder 20 Leuten“ gerechnet, die sich ihre Zeichnungen, Malereien und Linoldrucke anschauen würden. Und für die langen Pausen hatten sie eine Wandmalerei-Performance konzipiert. Doch alleine am Samstag waren 70 Besucher da, sagte Pester erfreut. Für die Wandmalerei blieb kaum Zeit. An dem floralen Motiv muss jetzt im Nachhinein weitergesprüht werden.

Unnas vielfältige Kunstorte bringen die Menschen in Bewegung, nicht nur in die Innenstadt

Sie erkundeten von Hemmerde aus Kunstorte mit dem Fahrrad: Ariane und Thorsten Roy mit ihren Jungs Linus (l.) und Felix. © Raulf

Frage für 2021: Hilft ein Shuttle?

400 Besucher allein am Samstag wurden bei Nowodworskis gezählt. Mit so vielen Menschen wie an diesem zentral gelegenen Ort hatten es die entlegeneren Kunstorte nicht zu tun. Umso mehr freute es die Initiatorin Lina Frubrich, dass dort teils mit besonderen Aktionen Besucher angesprochen wurden, so wie mit der Fotoaktion von Anne Katrin Budde im Café zur alten Post in Königsborn oder mit einer Musikmatinee bei Lücke in Massen. Und vielleicht gibt es für die nächste Auflage von „Kunstort Unna“ ja auch einen Shuttle-Service. Die Idee, dass ein Bus die Besucher auf einer Rundtour auch zu den Orten außerhalb des Innenstadtkerns bringt, sei schon diskutiert worden. Da „Kunstort Unna“ ehrenamtlich organisiert wird, sei das aber auch eine Geldfrage, so Frubrich.

Zufrieden auch mit Interesse von außerhalb

Insgesamt zeigte sich die Organisatorin sehr zufrieden. Ihr schönster Moment sei die Vernissage mit schon rund 200 Gästen gewesen. Direkt danach ging es mit einer spannenden Aktion in der Dunkelheit weiter. Nikola Dicke, die beim Kunstverein ausstellte, hatte für Freitag- und Samstagabend eine Licht-Zeichen-Aktion auf dem Markt organisiert.

Video
Kunstort Unna: Licht-Zeichnungen am Alten Markt

Das Angebot, nach Herzenslust zu schreiben oder zu malen, um die Ergebnisse dann riesig auf den Fassaden der historischen Marktgebäude zu sehen, wurde gut angenommen. Die Licht-Wandmalerei schuf eine besondere Atmosphäre und machte auch Passanten auf „Kunstort Unna“ aufmerksam, so Frubrich. Und dass neben vielen Unnaern am Kunstort-Wochenende auch viele Interessierte aus Menden, Soest oder Dortmund in Unna unterwegs waren, dürfen die Mitwirkenden auch als Erfolg verbuchen.

Kunstort bedeutet Vielfalt

Begeistert vom Projekt zeigten sich Organisatoren, Mitwirkende und Besucher bereits bei der Eröffnung am Freitagabend in der Stadtkirche. Dabei war es vor allem die Vielfalt, die die Teilnehmer zum Staunen brachte. Augenscheinlich, so Thomas Hengstenberg in seiner Eröffnungsrede, hätten die rund 50 beteiligten Künstler nichts gemeinsam, doch „sie sind alle Kinder des 20. und 21. Jahrhunderts“, einer Zeit mit vielen Umbrüchen. Und sie alle seien Künstler, die in unserer Nachbarschaft leben und arbeiten.

Unnas vielfältige Kunstorte bringen die Menschen in Bewegung, nicht nur in die Innenstadt

Für Aufsehen sorgten auch die Werke des Künstlerduos „Hyäne“. Eine Kostprobe war in der Stadtkirche zu sehen. © Sebastian Pähler

Natürlich dürfen beim „Kunstort“ die großen Kulturstätten nicht fehlen. So gehört das ZIB, mit einer Ausstellung von Künstlern aus Palaiseau, ebenso dazu wie das Lichtkunstzentrum, der Westfriedhof oder das Haus Opherdicke. Doch daneben gab es unendlich viel mehr zu entdecken. Und zwar nicht nur die 27 ausgewiesenen Orte. Beispielsweise erweckten die Kunstforderer neben ihrem Kunstraum auch das alte Tanzlokal Remember wieder zum Leben.

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