Mit Jacke im Klassenraum: Stoßlüften behindert laut Schülern und Lehrern den Unterricht

dzSchulen

Maskenpflicht und Stoßlüften sind derzeit die Vorgaben, um den Präsenzunterricht trotz steigender Infektionszahlen zu gewährleisten: Das sei trotz aller Notwendigkeit „unbequem“, wie Unnas Schulleitungen und Schüler berichten.

Unna

, 26.10.2020, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist keine einfache Zeit, die Schüler und Lehrer der weiterführenden Schulen in Unna nun erwartet: Masken am Sitzplatz, Kälte im Schulgebäude und Jacken im Klassenraum gehören nun zum Unterricht dazu. Denn zu der wiedereingeführten Maskenpflicht im Unterricht für Schüler ab Jahrgangsstufe 5 gilt nun auch die dringende Empfehlung zum Stoßlüften. Alle 20 Minuten sollen für etwa fünf Minuten die Fenster weit geöffnet werden - also mindestens einmal pro Unterrichtsstunde.

„Von 45 Minuten Unterricht bleiben dann Netto nur noch 35 Minuten übrig. Das ist natürlich weniger effektiv als vor Corona-Zeiten.“
Ludger Kloer, Schulleitung Werner-von-SIemens-Gesamtschule, zum Stoßlüften

Was laut Schulleiter Ulrich Schmitz vom Ernst-Barlach-Gymnasium ein notwendiges Übel sei, um überhaupt Präsenzunterricht gewährleisten zu können, geht nichtsdestotrotz auch mit einigen Nachteilen einher. Etwa sorge das häufige Stoß- und Querlüften durchaus für eine Unterbrechung des Unterrichts: „Diese Regel macht es für uns nicht leichter und den Unterricht nicht effizienter“, sagt Schmitz. Dennoch müsse man auch diese Einschränkung hinnehmen.

Stoßlüften sorgt für Unterbrechungen und Unruhe

Er selbst habe etwa schon vor den Ferien in seinem Unterricht Wert darauf gelegt, Fenster als auch Türen geöffnet zu halten - und weiß, dass diese Maßnahme zum Störfaktor werden kann: „Wenn es draußen im Flur unruhig war, habe ich die Tür dann doch geschlossen“, so Schmitz.

Auch Ludger Kloer, kommissarische Schulleitung der Werner-von-Siemens-Gesamtschule, weiß um etwaige Unterbrechungen des Unterrichts, die das Stoß- und Querlüften mit sich bringt: „Das ist der Preis, den wir für den Infektionsschutz zahlen müssen“, sagt er. „Von 45 Minuten Unterricht bleiben dann Netto nur noch 35 Minuten übrig. Das ist natürlich weniger effektiv als vor Corona-Zeiten.“ Dennoch sieht der Schulleiter den Präsenzunterricht mit erschwerenden Auflagen als bessere Alternative zum Distanzunterricht an.

„Ich glaube, dass die Konzentration woanders liegt, wenn man dick eingepackt im Klassenzimmer sitzt. Ich fühle mich dann unwohl.“
Schülerin Nina Kettmann, Jahrgangsstufe 10

Schüler wählen wärmere Kleidung aus

Dieser Meinung ist auch Sabine Terwort, Schulleiterin der Hellweg-Realschule in Massen: „Wir führen alles aus, was die Regeln vorschreiben, lüften im 20-Minuten-Takt sowie in den großen Pausen - auch, wenn es unbequem ist.“

Als „unbequem“ beschriebt auch Nina Kettmann, Schülerin der zehnten Klasse an der Hellweg-Realschule die aktuellen Vorgaben: „Man überlegt sich mittlerweile, was man morgens anzieht, weil es kalt werden könnte im Klassenraum. Einige Schüler sitzen auch mit ihren Jacken dort“, beschreibt sie. Das wirke sich laut Nina Kettmann auch auf den Unterricht aus: „Ich glaube, dass die Konzentration woanders liegt, wenn man dick eingepackt im Klassenzimmer sitzt. Ich fühle mich dann unwohl.“

Unterbrechungen durch verschiedene Lernphasen sinnvoll in den Unterricht einbauen

Und dennoch: Schüler als auch Lehrer der Unnaer Schulen nehmen dies in Kauf, um weiterhin den Unterricht besuchen zu können: „Es gibt nur diese Alternativen: Entweder Präsenzunterricht mit Lüften und Maske, oder Distanzunterricht“, sagt Luger Kloer. Demnach müsse man versuchen, das Stoßlüften bestmöglich in den Unterricht zu integrieren und die Unterbrechung sinnvoll einzubauen, etwa, indem man 20 Minuten im Plenum unterrichtet und nach dem Lüften die Einzelarbeit einleitet, so sein Vorschlag.

Solche Maßnahmen seien ebenso gut umsetzbar wie das Lüften an sich. Dass sich letzteres mit kälteren Temperaturen schnell ändern könnte, weiß Kloer jedoch auch: „Was wir dann im Winter machen werden, weiß ich auch noch nicht.“

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