Unnas Politik hat noch Beratungsbedarf in Sachen Klimanotstand

dzFridays for Future

Mit eindringlichen Worten hat die Umweltaktivistin Eva-Lotta Vogt für das Ausrufen des Klimanotstandes in Unna geworben. Auf den Applaus während ihrer Rede folgte die Ernüchterung.

Unna

, 10.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Klimanotstand – dieses Wort geistert seit Monaten durch die Gazetten. Auch in NRW haben schon mehrere Kommunen beschlossen, ihre Entscheidungen auch mit Blick auf das Klima zu fällen – zuletzt am 2. Juli der Kreis Unna.

In Unna bot sich am Dienstagabend die Gelegenheit, auch ein solches Zeichen zu setzen. Eva-Lotta Vogt von der „Fridays for Future“-Bewegung hatte die Gelegenheit, vor den Lokalpolitikern zu sprechen.

Rede von Applaus unterbrochen

Ihre Rede wurde immer wieder von Applaus unterbrochen – vor allem von mehreren jungen Leuten, die die Sitzung wegen genau dieses Themas verfolgten. Für Unnaer Verhältnisse war das ungewöhnlich.

Mit eindringlichen Worten warnte Eva-Lotta Vogt wie schon im Kreistag davor, den Klimawandel zu unterschätzen. Die 16-jährige Schülerin des Ernst-Barlach-Gymnasiums zeigte kein Verständnis dafür, dass einige Kreispolitiker noch keinen Notstand sehen.

Klimanotstand für Unna gefordert

„Die Fakten lassen uns schaudern. Es kann doch nicht sein, dass wir uns im kleinen Unna verstecken müssen im Vergleich mit großen Städten“, erklärte Vogt. Zum Abschluss ihrer Rede, in der sie die Ausrufung des Klimanotstandes forderte, richtete sie einen Appell an die Politik: „Bitte enttäuschen Sie uns nicht!“

Genau das aber geschah: Als der Ausschussvorsitzende Björn Merkord (Bündnis 90/Grüne) den Klimanotstand als Tagesordnungspunkt aufrief, meldete Ralph Bürger Beratungsbedarf für seine SPD-Fraktion an. Für die CDU schloss sich Erich Nikolaus Kreß an.

Damit war das Thema vom Tisch. Ralph Bürger erklärte, dass er das so eng nicht sehe und man über das Thema ja sprechen könne. Merkord aber hielt sich an die Regularien und beendete das Thema. Die jungen Besucher – auch Eva-Lotta Vogt – schlichen enttäuscht von dannen.

Merkord: „Keine Hinhaltetaktik“

Merkord wies später darauf hin, dass das Anmelden von Beratungsbedarf „eine einmalige Sache“ bleiben müsse und nicht als „Hinhaltetaktik“ genutzt werden dürfe, um ein Thema zu schieben. Bedingt durch die Sommerpause, wird das Thema nun erst wieder am 8. Oktober auf der Tagesordnung stehen.

Ralph Bürger hatte gleich nach Vogts Rede erklärt, die Kommunikation zwischen Politik und Schulen sei bisher unzureichend gewesen. „Wir haben den Schülerinnen und Schülern, aber auch den Lehrern kein Angebot gemacht.“ Nun müssten endlich Gespräche beginnen. Jetzt aber sind erstmal Ferien.

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