Einen Zuschuss der Bürgerstiftung für zusätzliche Sportangebote nehmen Unnas Grundschulen liebend gerne wahr. Den Kindern der Stadt scheint es an Bewegung zu fehlen, wie auch Ärzte bestätigen.

06.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bevor die Schullaufbahn beginnt, stellt der Kreis einen ganzen Jahrgang auf den Prüfstand. In der Schuleingangsuntersuchung 2018 schnitten die Kinder aus Unna bedenklich ab: Jedes fünfte von ihnen wies eine auffällige oder gar gestörte Motorik auf. Der Nachwuchs der „Sportstadt“ Unna landet kreisweit auf dem letzten Tabellenplatz.

Es ist ein Befund, der durchaus überrascht. Denn Bewegung hat in Unna durchaus einen Stellenwert. In der Gesamtbevölkerung ist jeder vierte Unnaer Mitglied eines Sportvereins. Und was Eltern- und Großeltern durchaus vorleben, scheint von Kindern begierig aufgegriffen zu werden. Erst im März legte Unnas für Sport zuständige Beigeordnete Kerstin Heidler eine Statistik vor, nach der sich Kinder und Jugendliche zunehmend in Vereinen betätigen. Die Zahl der in Vereinen angemeldeten Kinder im Alter bis zu sechs Jahren stieg von 2016 auf 2017 um rund zwölf Prozent. Im Alter von sieben bis zwölf Jahren war immer noch ein Anstieg um vier Prozent zu verzeichnen.

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Dass es nun gerade die Altersgruppe der Vorschulkinder ist, die in Unna Förderungsbedarf erkennen lässt, bleibt anhand der Zahlen unerklärbar. Dass es den Handlungsbedarf gibt, bestätigten indes auch die Grundschulen.

Als Werner Overwaul von der Bürgerstiftung nun die Leiterkonferenz der Grundschulen besuchte, hatte er einen Spendenscheck dabei, den er über die Maximalsumme ausstellen durfte: 2000 Euro hatte die Bürgerstiftung den Grundschulen für zusätzliche Bewegungsangebote am Nachmittag in Aussicht gestellt. Und alle elf Schulen griffen zu.

Der Zuschuss gibt den Schulen ein Budget für Honorare und Sachmittel, um in Arbeitsgemeinschaften und der Nachmittagsbetreuung fundierte Sportangebote einbauen zu können. Zunächst handelt es sich um einen Modellversuch für dieses Schuljahr, doch Stiftungsvorstand Overwaul erklärt offen, dass er die Idee gerne „verstetigen“ möchte.

Unnas Kinder müssen lernen ihren Körper zu benutzen

Werner Overwaul (M.) bei der Schulleiterkonferenz der Grundschulen: Ausnahmslos nehmen sie ein Förderangebot von je 2000 Euro für zusätzliche Sportangebote wahr. © UDO HENNES

Schon bei ihrer Entwicklung übrigens war pädagogischer Sachverstand gegeben: Einer der drei Ansprechpartner, die die Bürgerstiftung für die Anträge in diesem Förderprogramm benannt hatte, war Matthias Landsberg, der Leiter der Schillerschule. Sie gilt als sportlichste unter den Unnaer Grundschulen, stellt sogar beim Silvesterlauf – also in den Ferien – seit vielen Jahren eine große Mannschaft.

Overwauls Besuch in der Schulleiterrunde diente jedoch nicht nur der symbolischen Scheckübergabe. Es war auch ein Informationsbesuch, bei dem der Gründer der Bürgerstiftung von Lehrern erfuhr, wie nötig Angebote dieser Art sind. Zugleich wurden Overwaul allerdings auch Grenzen aufgezeigt: Handlungsbedarf sehen Unnas Schulleiter auch beim Thema „Schwimmen“. Dass Kinder es überhaupt schon können, wenn sie in die Grundschulen kommen, sei keineswegs selbstverständlich. Die Schulen selbst würden sich durchaus gerne stärker engagieren. Doch ein Problem, das sich in Unna auch mit Zuschüssen für zusätzliche Kurse nicht lösen lässt, sei das der knappen Wasserflächen. Zwei Lehrschwimmbecken und das Hallenbad am Bergenkamp reichen demnach für eine flächendeckende Versorgung nicht aus: Während Schüler aus Lünern und Niedermassen noch zu Fuß zur Schwimmstunde gehen könnten, müssten andere mit dem Bus zum Bad. Das kostet Geld und Zeit.

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