Honigernte

Unnas Imker trotzen dem Landestrend: Honigernte stimmt zufrieden

Unnas Imker sind zufrieden: Zwar war das Frühjahr zu kalt und die Ausbeute gering, aber der Sommer entschädigte. Vor allem Lindenblütenhonig gab es viel, weil Linden viel Wasser brauchen.
Anhand eines Modells erklärt Alexander Lukaczyk, wie die Bienen aus Blütennektar Honig macht. © Stephanie Tatenhorst

Die Honigernte in NRW sei enttäuschend, vermeldet die Landwirtschaftskammer NRW. Unnas Imker können das nicht so unterschreiben. „Unna war schon immer für Imker so etwas wie das gelobte Land“, sagt Paul Dircks, Vorsitzender des Unnaer Imkervereins. Denn die Honigernte sei regional sehr unterschiedlich – und in Unna gebe es meist die doppelte Menge des deutschen Durchschnitts.

Er selbst besitzt eine Honigwaage und kann ganz genau sehen, wie fleißig seine Bienen sind. Er sieht, was sie einlagern, aber auch selbst wieder verzehren. „Das Frühjahr war da schlecht“, beurteilt er. Sein Vorstandskollege Alexander Lukaczyk bezeichnet es sogar als „Vollkatastrophe“. Denn es war lange zu kalt: Für die Bienen, um weite Strecken zu fliegen – und für die Blüten, um Nektar zu produzieren.

Keine Ernte im zeitigen Frühjahr

Klassisch beginnt die jährliche Tracht mit der Weide, dann geht es über Obstblüte und Raps weiter. „Ende April kann man dann in der Regel das erste Mal schleudern“, erklärt Dircks. In diesem Jahr allerdings nicht. Erst mit der Restblüte des Rapses konnten die Imker Honig ernten, aber das lief dann gut. „Da haben wir dann ein Drittel der sonstigen Erträge eingeholt“, sagt Dircks. Immerhin.

Paul Dircks am Lehrbienenstand im Kurpark: Auf dieses Jahr blicken die Imker zwar mit gemischten Gefühlen, aber am Ende doch zufrieden. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Dann ging es für die Imker aber bergauf. Und eine ganz besondere Tatsache tröstete die Unnaer Imker über den Frühjahrsverlust hinweg: Es war ein sehr gutes Jahr für Lindenblütenhonig. „Linden brauchen viel Wasser“, weiß Dircks – und den gab es dieses Jahr reichlich. Somit auch Nektar, den die Bienen einholten und zu Honig verarbeiteten.

Problematisches Jahr für die Haltung von Bienen

Problematisch war das Wetter in diesem Jahr aber nicht nur für die Honigernte, sondern auch für die Völker. Es gab unzählige Schwärme, die abgingen und wieder eingefangen werden mussten. „Das Telefon stand nicht mehr still“, berichtet Dircks. Der Grund dafür liegt in der hier vorherrschenden Bienenrasse Carnica. Diese ist sehr früh in der Entwicklung, und dementsprechend zeitig kommt es bei dann plötzlicher Wärme innerhalb des Volks zu Machtkämpfen, in deren Folge ein Teil der Bienen von dannen zieht.

Um das zu verhindern, muss der Imker eingreifen. „Aber da muss man den genau richtigen Moment erwischen“, sagt Dircks. Wann der ist, zeigt die Erfahrung. „Das Wissen darum alleine reicht nicht, man muss sein Volk auch ansehen und den Sachstand erkennen können“, erklärt Dircks. Deshalb hat der Unnaer Imkerverein auch einen Lehrbienenstand im Kurpark. Dort sind Lehrvölker untergebracht, an denen erfahrene Imker den Jungimkern ihr Wissen weitergeben und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und an Nachwuchs mangelt es den Imkern derzeit nicht.

Mitgliederzahl verdoppelt, Familien gewonnen

„Ich bin seit 2012 Vorsitzender, und in der Zeit hat sich die Mitgliederzahl in etwa verdoppelt“, freut sich Dircks. Und nicht nur das: „Wir sind auch jünger und weiblicher geworden. Immer mehr Frauen entdecken das als Hobby für sich.“ Inzwischen habe man auch die erste Frau im Vorstand. „Wir haben jetzt fast zehn Frauen in unseren Reihen und auch viele junge Männer.“

Auch Ehepaare hätten die Leidenschaft fürs Imkern entdeckt, so dass es inzwischen oft ein Familienhobby ist. Genug zu tun gibt es dabei auch für alle. Denn die Imkerei besteht nicht nur aus der Honigernte mit Schleudern und Abfüllen, das Volk will auch gehegt und gepflegt werden, Altwaben müssen eingeschmolzen und neue Mittelwände gesetzt werden. „Aus dem Restwachs kann man dann auch noch Kerzen machen“, sagt Dircks, oder das Wachs verkaufen. Dass das durchaus lukrativ sein kann, weiß Alexander Lukaczyk. „Ein Kilo Reinwachs ist doppelt so teuer wie ein Kilogramm Honig.“

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