Unnas Grundschüler brauchen dringend mehr Platz – vor allem für die Betreuung im Rahmen einer Ganztagsschule. Das ist das Zwischenfazit der aktuellen Schulentwicklungsplanung.

Unna

, 08.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwanzig Prozent. Noch bis 2014 war diese Zahl entscheidend: Ein prognostizierter Schülerrückgang von 20 Prozent bestimmte die Schulentwicklungsplanung. Jetzt, vier Jahre später, haben sich die Vorzeichen in Unna geradezu umgekehrt. In einem Zwischenbericht stellte Schulberaterin Ulrike Lexis Zahlen vor, die großen Handlungsbedarf offenbaren.

Im Kern heißt das: Die Zahl der Kinder, die in Unna eingeschult werden, steigt in den nächsten Jahren kontinuierlich an. Nach dem aktuellen Geburtenstand würden in Unna im Jahr 2023 535 Kinder eingeschult – so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Viele Schüler brauchen viele Räume – und die sind längst nicht überall in Unna vorhanden, wie die Bestandsaufnahme von Lexis und ihrem Team zeigt.

Kein Neubauprogramm

„Wir haben in den Bestandsgebäuden geprüft, ob Mindeststandards eingehalten werden. Das ist kein Neubauprogramm“, betonte die Schulberaterin, bevor sie im Schulausschuss ihre Zwischenergebnisse vorstellte. Diese Mindeststandards sehen beispielsweise mindestens zwei Quadratmeter Platz pro Schüler vor sowie einen mindestens 15 Quadratmeter großen Inklusionsraum pro Jahrgang.

Bei der Ortsbegehung durch die Schulberater wurden die Raumgrößen in den Unnaer Schulen zusammengerechnet – unabhängig von deren Nutzung. „Daher ist dieser Flächensaldo, den wir aufgestellt haben, zwar ein Indiz dafür, wo etwas klemmt. Aber für konkrete Ansatzpunkte muss man bei jeder Schule individuell schauen, was fehlt“, erklärte Lexis das Verfahren.

Raumanalyse der Grundschulen

Die Ergebnisse im Zwischenbericht

Die von den Schulberatern Dr. Grabe & Lexis ermittelten Raumbedarfe der Unnaer Grundschulen sind ein Flächensaldo, der durch das Addieren der vorhandenen Raumgrößen entstanden ist. Ob der jeweilige Raum als Klassen-, Lehrer- oder Inklusionsraum genutzt wird, spielte dabei keine Rolle. Die Ergebnisse der einzelnen Schulen:
  • Grundschule am Friedrichsborn: 59 Quadratmeter zu wenig (bei drei Zügen)
  • Falkschule: 14 Quadratmeter Überhang
  • Grilloschule: 106 Quadratmeter Überhang
  • Grundschule Hemmerde: 61 Quadratmeter zu wenig
  • Liedbachschule: 128 Quadratmeter zu wenig
  • Grundschule Lünern: 36 Quadratmeter zu wenig
  • Nicolaischule: 10 Quadratmeter zu wenig
  • Osterfeldschule: 186 Quadratmeter zu wenig
  • Schillerschule: 29 Quadratmeter zu wenig (bei zwei Zügen)
  • Sonnenschule: 11 Quadratmeter zu wenig
  • Katharinenschule: 195 Quadratmeter zu wenig

Den größten Raumbedarf bei den Grundschulen weisen nach dieser Untersuchung die Katharinenschule, die Liedbachschule und die Osterfeldschule auf. Minus 128 Quadratmeter haben die Schulberater bei der Liedbachschule in Billmerich ermittelt; in der Osterfeldschule in Mühlhausen-Uelzen sind es sogar 186 Quadratmeter zu wenig. Und der Katharinenschule fehlen rein rechnerisch drei Klassenräume, da 195 Quadratmeter Fläche fehlen, um den Mindeststandard zu erfüllen.

Dass diese Zahlen die Stadtverwaltung nicht überraschen, betonte in der Schulausschuss-Sitzung die Beigeordnete Kerstin Heidler: „Die großen Defizite haben wir ja auf dem Schirm“, sagte sie und verwies auf den Einsatz von Raummodulen unter anderem an der Katharinenschule.

Unnas Grundschüler brauchen dringend mehr Platz

Im Oktober 2017 erhielt die Katharinenschule mehrere Raummodule. Die aktuelle Schulentwicklungsplanung identifiziert ein Raumdefizit von fast 200 Quadratmetern. © Marcel Drawe

„Wenn man eine Schule neu bauen würde, würde man, wenn man klug ist, großzügiger bauen. Das wären zum Beispiel Klassenräume von 90 bis 100 Quadratmetern, die man abteilen kann“, so die Empfehlung der Schulberaterin Ulrike Lexis. Ihr Team sieht in Unna vor allem im Bereich des pädagogischen Ganztages dringendenden Handlungsbedarf. „Es braucht ein Zielkonzept für den Ganztag“, so Lexis. Die Stadt müsse zusammen mit den Schulen klären, welches Modell des Ganztages langfristig gelebt werden sollte und wie dies in die bestehenden Raumstrukturen zu integrieren sei.

Im Zwischenfazit ihrer Betrachtung der Unnaer Grundschulen mahnen die Schulberater auch eine Entscheidung über die Zügigkeit der einzelnen Schulen an. Nicht überall im Stadtgebiet können so umgebaut oder neu gebaut werden, dass entsprechende Zügigkeiten gewährleistet würden. „Schüler werden umgeleitet werden müssen“, so Lexis.

Vorrang für schulische Nutzung

Noch ein Punkt auf der Fazitliste der Schulberater: Die Stadtverwaltung sollte die Fremdnutzung von schulischen Gebäuden überprüfen und der schulischen Nutzung „absoluten Vorrang“ geben. Und: die Schülertoiletten müssten saniert werden – teilweise dringend, so die Einschätzung der Experten. Dies ist in einigen Grundschulen bereits angelaufen; für die nächsten Jahre hat die Stadtverwaltung weitere Sanierungen, unter anderem an der Schiller- und Sonnenschule angekündigt.

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