„Absehbar, aber stigmatisierend“: Unnas Gastronomen äußern sich auch kritisch zum Lockdown

dzCoronavirus

Für Daniel Gala, Inhaber des Restaurants Meisterhaus in Unna, kommt der Lockdown nicht überraschend. Er hat sich schon seit Tagen auf die Schließung vorbereitet. Beunruhigt ist er trotzdem.

Unna

, 29.10.2020, 04:55 Uhr

Der Worst-Case für Gastronomen ist tatsächlich eingetreten. Auf die Sperrstunde folgt nun die Schließung: Restaurants, Kneipen und Cafés dürfen bundesweit ab Montag, 2. November, bis zum Ende des Monats nicht mehr für ihre Gäste öffnen – ausgenommen sind Betriebe, die Lieferung und Abholung von Speisen für zu Hause anbieten.

Ein Szenario, das für Daniel Gala vom Restaurant Meisterhaus in Unna nicht überraschend kommt: „Ehrlich gesagt habe ich damit schon gerechnet“, sagt der Gastronom. Seitdem wieder vermehrt über steigende Infektionszahlen und mögliche Einschränkungen berichtet worden ist, habe Gala sich auf den erneuten Lockdown vorbereitet. So habe er etwa die Dienstpläne für November bereits vor einigen Tagen umgeschrieben und die Schichten einiger Mitarbeiter reduziert.

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Daniel Gala vom Meisterhaus Unna zum erneuten Lockdown

Restaurant Meisterhaus fokussiert sich jetzt auf Lieferservice

Nun will er sich wieder auf den Lieferservice fokussieren, den er auch während des ersten Lockdowns angeboten hat – und der gut von den Kunden angenommen worden ist: „Die Essensausgabe am Schalter und der Bringdienst haben super funktioniert“, sagt Gala. „Die Menschen haben nach wie vor das Bedürfnis, auszugehen, und wenn sie das nicht dürfen, bestellen sie ihr Essen eben nach Hause.“

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Dass jedoch nicht alle seine Berufskollegen das Glück haben wie Gala, ist ihm bewusst: „Uns geht es verhältnismäßig gut, wir haben uns über fast 50 Jahre in Unna etabliert. Viele andere müssen sich eher Gedanken machen.“

So auch Giuseppe Colagiero vom Restaurant Canapé in Unna: „Wir hatten dieses Jahr schon genug finanzielle Einbußen, selbstverständlich mache ich mir nun Sorgen“, sagt er. Letztlich seien ihm ohnehin die Hände gebunden: „Was die Regierung entscheidet, muss man jetzt so hinnehmen.“

„Ich finde es nicht förderlich, dass die Gastronomie durch den Lockdown nun den Stempel aufgedruckt bekommt, gefährlich zu sein.“
Daniel Gala, Inhaber Restaurant Meisterhaus

Daniel Gala vom Restaurant Meisterhaus formuliert jedoch auch Kritik an der Entscheidung der Bundesregierung: „Ich finde es nicht förderlich, dass die Gastronomie durch den Lockdown nun den Stempel aufgedruckt bekommt, gefährlich zu sein“, sagt er. „Das setzt sich dann in den Köpfen der Menschen fest.“ Dabei habe sich Gala penibel an alle Hygienevorschriften gehalten, zudem sei sein Restaurant nie bezüglich einer Kontaktrückverfolgung vom Gesundheitsamt kontaktiert worden.

Rückverfolgungen durch das Gesundheitsamt betreffen vorrangig privaten Bereich

Auch der Kreis Unna bestätigt auf Anfrage der Redaktion, dass der Anteil, der Restaurants bei der Kontaktrückverfolgung betrifft, marginal ist: „Zu 90 Prozent betreffen die Rückverfolgungen den privaten Bereich“, sagt Kreissprecher Max Rolke. Genaue Zahlen, wie viele Restaurants in Unna bislang bezüglich einer Corona-Infektion informiert werden mussten, seien zwar nicht erhoben worden, „dennoch macht die Gastronomie nicht die breite Masse aus“, so Rolke.

Nicht zuletzt deshalb prangert auch Giuseppe Colagiero an: „Wenn die Restaurants schließen, treffen sich die Menschen eben privat Zuhause. Ob sich das positiv auf das Infektionsgeschehen auswirkt, ist fraglich.“

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