Sie besuchen Menschen im Hospiz, lesen Kindern vor oder trainieren Jugendliche: Unnas Ehrenamtliche sind vielfältig engagiert. Und sie wünschen sich mehr Anerkennung.

Unna

, 24.10.2018, 13:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Jahre ist es her, dass sich das „Netzwerk Bürgerengagement“ gründete. Das Ziel: den Wert der Stadt durch bürgerschaftliches Engagement erhalten. Denn das, was Unnas Bürger ehrenamtlich leisten, ist längst nicht mehr aus der Stadtgesellschaft der Stadt wegzudenken.

Als Fußballtrainer, Sprachpate oder Flüchtlingshelfer engagieren sich die Unnaer und übernehmen damit in vielen Bereichen Aufgaben, für die das Geld der Stadt nicht mehr reicht.

Im Sommer 2017 gaben die Ratsmitglieder der Verwaltung den Auftrag, das „Netzwerk Bürgerengagement“ und damit die ehrenamtliche Arbeit vieler Unnaer zu unterstützen. Konkret ging es darum zu klären, welche Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement in Unna verbessert werden könnten.

Bürokratische Hürden

Sprachpaten brauchen Rückzugsräume, in denen sie in Ruhe mit ihren Schülern lernen können, Übungsgruppenleiter müssen Schulungen absolvieren und immer wieder stoßen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, auch an bürokratische Hürden. Unterstützung, sei es in finanzieller, materieller oder personeller Form, kann nicht nur denen helfen, die sich bereits engagieren: Sie macht das Ehrenamt insgesamt attraktiver.

Mit einem Maßnahmenpaket hat die Stadtverwaltung 2017 versucht, diese Rahmenbedingungen zu verbessern. Im Rahmen einer Kooperation mit der Fachhochschule Dortmund wurde zunächst eine Studie zur Ehrenamtslandschaft in Unna angelegt.

Studie zeigt großen Handlungsbedarf

Aus ihr stammen die Erkenntnisse über die Bereiche, in denen sich die Unnaer am meisten ehrenamtlich engagieren, was sie sich zur Verbesserung der ehrenamtlichen Arbeit wünschen und eine Bestandsaufnahme, wie zufrieden sie mit der bisherigen Unterstützung durch ihre Vereine, Institutionen und die Stadtverwaltung sind. Und die zeigt: Es besteht offenbar großer Handlungsbedarf.

Nur weniger als drei Prozent der Befragten gaben an, mit der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements in Unna „sehr zufrieden“ zu sein. Lediglich bei der Frage nach der Unterstützung durch den Verein oder die Institution, in der sich ehrenamtlich engagieren, waren die Ehrenamtler durchweg zufrieden.

So würdigen andere Städte ihre Ehrenamtler

Von Rabatten bis Ehrungsfeier

  • Kamen: In Kamen findet jedes Jahr der „Tag des Ehrenamtes“ statt. In diesem Jahr ist er in die 50-Jahr-Feier der Stadt am 5. Dezember eingebunden. Dort werden die von den Vereinen vorgeschlagenen Personen in der Stadthalle geehrt.
  • Bergkamen: Die Stadt Bergkamen gibt die „Ehrenamtskarte NRW“ heraus, deren Besitzer in ganz Nordrhein-Westfalen vergünstigten Eintritt in vielen öffentlichen und privaten Einrichtungen und zu Veranstaltungen unterschiedlicher Art erhalten. Außerdem ehrt die Stadt einmal im Jahr Bergkamener, die sich ehrenamtlich engagieren, mit Ehrennadeln und Silbermedaillen. Die jüngste Ehrung war am 12. Oktober.
  • Fröndenberg: Mit einer Ehrungsfeier würdigt Fröndenberg einmal im Jahr die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren.
  • Holzwickede: 2013 lehnte der Rat die Einführung der „Ehrenamtskarte NRW“ ab; seit 2017 gibt es einmal im Jahr einen „Ehrenamtstag“ als Feier für die Ehrenamtlichen.

Unterstützung durch die Stadtverwaltung bekommen die Ehrenamtlichen derzeit durch die VHS: Seit März 2018 sind dort sieben Arbeitsstunden für die Begleitung des „Netzwerks Bürgerengagement“ angesiedelt. Zunächst waren es zehn Stunden gewesen, die direkt im Büro des Bürgermeisters geleistet wurden.

Die Steuerungsgruppe, die sich im Rathaus mit der Frage beschäftigt, wie man die Arbeit des Netzwerkes weiter unterstützen kann, schlägt zudem eine eigene Homepage des Netzwerkes vor, um die Arbeit der Ehrenamtlichen stärker zu bewerben.

Vergünstigungen als Anerkennung

Der Wunsch nach Vergünstigungen als Zeichen der Anerkennung ist unterdessen ein Bereich, der sich bisher nicht in dem Maßnahmenpaket zur Förderung des Ehrenamtes wiederfindet.

Tatsächlich wurde dieses Thema in der Unnaer Politik bereits rege diskutiert – vor sieben Jahren. Damals hatte die CDU eine sogenannte „Ehrenamtskarte“ ins Spiel gebracht, mit der Ehrenamtliche Vergünstigungen beispielsweise beim Eintritt in Schwimmbäder oder zu Kulturveranstaltungen bekämen.

Dieser Vorschlag fand jedoch keine Mehrheit. Stattdessen sollten die Ehrenamtler mehr aktive Begleitung durch die Stadtverwaltung bekommen - als Ergebnis kam das „Netzwerk Bürgerengagement“ heraus.

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Hellweger Anzeiger Kommentar der Redaktion

Ein Alarmsignal

Am 12. November plant die Steuerungsgruppe eine Veranstaltung zum Thema „Was braucht Unnas Ehrenamt?“ im Lebenszentrum Königsborn. Im März 2019 findet die 10. Ehrenamts- und Ideenbörse im ZIB statt und feiert damit ihr zehnjähriges Bestehen. Hier geht es zur Internetseite des „Forum Generationen“, das die Ehrenamtsbörse mitorganisiert: :
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