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Unnas Altstadt ist ein Bilderbuch

Guck vor Deine Füße, Du Hans-Guck-in-die-Luft! So hat man einst die Kinder ermahnt, ihre Blicke nicht zu sehr in der Gegend schweifen zu lassen. In Zeiten fast menschenleerer Fußgängerzonen aber ist das doch gefahrlos möglich. Und plötzlich erfasst der Blick Dinge, an denen wir sonst vorbeihasten...
04.04.2020
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Selbst Wolfgang Patzkowsky hat sonst selten Gelegenheit, sich einmal so ausgiebig den Zierelementen in den Fassaden der Innenstadt zuzuwenden. Was vermutlich auch daran liegt, dass er in Unna bekannt ist wie der bunte Hund und kaum mal vor die Tür gehen kann, ohne hundert Bekannte zu treffen. In Zeiten von Corona aber weist er uns auf ungewöhnliche Geschichten hin. Doch Vorsicht, gleich die erste ist nicht ganz jugendfrei...© Sebastian Smulka
Ein interessantes Detail im Eckgebäude Markt/Massener Straße zeigt Martin Luther und seine Katharina bei der Unzucht. Bauherr Andres Prabede hatte die Fassade quasi als Propagandamittel im Religionskampf eingesetzt, und offenkundig hielt er nicht viel von dem Reformator.© Sebastian Smulka
Weiter geht's zum Meisterhaus, das früher auch einmal als Altdeutsche Bierstube firmierte. Der Namenswechsel entstand dadurch, dass sich die Meister vieler Handwerkszünfte hier trafen. Davon künden noch heute die Zunftwappen am Gebäude.© Sebastian Smulka
Doch das Meisterhaus hat auch noch ein weiteres Detail mit Aussagegehalt: Die Kanne in diesem Emblem geht auf die Eigentümerfamilie Kannegießer zurück.© Sebastian Smulka
Einmal zur Seite blicken und den Kopf in den Nacken gelegt, schon fällt das nächste Detail auf: Der Herr mit der Pickelhaube soll Kaiser Wilhelm II. symbolisieren. Das 1898 errichtete Gebäude, in dem heute die Kneipe Spatz & Wal untergebracht ist, zeigt damit ein typisches Merkmal des Historismus.© Sebastian Smulka
Schauen wir uns einmal den historischen Eingang des Kaufhauses Schnückel an. Reichhaltiger Fassadenschmuck war typisch für Kaufmannshäuser, sollten den Reichtum des Handels verdeutlichen.© Sebastian Smulka
Warum die Figuren auf der Fassaden mehrheitlich so grimmig dreinblicken, ist nicht klar. Insofern ist diese Fassade doch auch wieder ungewöhnlich: Die meisten Kaufleute wählten eine positivere Symbolik.© Sebastian Smulka
Weiter zurück in die Vergangenheit führt der Rahlenbecksche Hof im Hinterland der Gerhart-Hauptmann-Straße. Das Baudenkmal ist schon im Ganzen schön anzusehen.© Sebastian Smulka
Diese sogenannte Hausmarke aber hat Wolfgang Patzkowsky und seinen Mitstreitern über lange Zeit Rätsel aufgegeben. Inzwischen sind sie gelöst: Die Familie der Rahlenbecks war weit verzweigt, und diese Symbole stehen für gleich zwei Zweige davon. Die Havers, für die das Haferbündel steht, haben unter anderem einen Pfarrer in Unna gestellt. Der Bienenkorb muss eine Rolle in der Familie Stilking gespielt haben, obwohl aus ihr unter anderem auch ein Richter hervorgegangen ist.© Sebastian Smulka
Weiter geht's an der Gerhart-Hauptmann-Straße. Hier begrüßt uns Merkur von einer Fassade. In der römischen Götterwelt besetzte er die Zuständigkeit für Händler (und Diebe). Sein Name Mercurius geht auf das Wort merx zurück - Ware.© Sebastian Smulka
Josef Steltes Kolonialwaren-, Fettwaren- und Lebensmittelhandel zeigt sehr typische Gestaltungselemente für den Fassadenschmuck an Kaufmannshäusern: Füllhörner voller Früchte, reich bestellte Getreidefelder und ein Segelschiff, das Warenbündel vom anderen Ende der Welt herbeischaffte.
© Sebastian Smulka
Vergleichbare Symbole in einer ganz anderen Stilistik zeigt das Gebäude des früheren Kaufmanns Ebbinghaus, heute Esprit.© Sebastian Smulka