Unnaerin bestellt Waren im Wert von 1700 Euro – die Rechnungen bekommen die Verwandten

dzBetrug

Kleidung, Spielzeug und Schuhe – all das bestellte eine Unnaerin im Internet. Die Rechnungen ließ sie an die Adressen von Angehörigen und Freunden schicken – und bezahlte nicht.

von Sylvia Mönnig

Unna

, 22.01.2020, 12:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geldnot und andere Sorgen verleiteten eine junge Frau aus Unna zu einer Betrugsserie. Sie orderte bei Versandhäusern und hatte gar nicht vor, Rechnungen zu begleichen. Taten, die die 29-Jährige nun selbst nicht mehr begreifen konnte.

Das Geld, das sie im Herbst 2014 verdiente, reichte kaum zum Leben. Geschweige denn, dass sie sich oder ihrer Familie etwas Schönes hätte gönnen können.

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Ohnehin lastete viel Verantwortung auf ihren Schultern. In dieser Situation verfiel sie, die sich vorher und auch nachher nie etwas zu Schulden kommen ließ, der Idee, mit den Namen von Angehörigen und einer guten Freundin Bestellungen zu tätigen. In elf Fällen bis April 2017 orderte sie unter anderem Kleidung, Schuhe oder auch Spielzeug. Die Rechnungen verschiedener Händler landeten in den Briefkästen der Anderen. Sie zahlte nicht einen Cent der insgesamt rund 1700 Euro. Dann kippte das Ganze auf. Vom Ärger mit denjenigen, deren Namen sie verwendete, ganz abgesehen, wurde nun auch wegen Betrugs gegen die heute 29-Jährige ermittelt.

Das schlechte Gewissen und die Scham standen ihr förmlich ins Gesicht geschrieben, als sie nun zu ihrem Prozess vor dem Amtsgericht erscheinen musste. Die ersten Tränen flossen nach wenigen Minuten. Schon alleine deshalb ließ sie zunächst ihren Verteidiger für sich reden. Der betonte: „Sie hat wenig verdient und musste von dem Geld noch ihre Familie unterstützen.“ Die bestellte Ware habe sie für sich und ihre Angehörigen benötigt.

Mittlerweile lebe sie im Rheinland und durch den Umzug habe sie sich stabilisiert. Eine Therapie habe ihr zusätzlich geholfen. Hinzukomme ein neuer Job, in dem sie nicht nur gut bezahlt werde, sondern auch Achtung erfahre. Der Chef habe ihr sogar ein Darlehen gewährt, um die Schäden gutzumachen. Das sei bislang allerdings unter anderem am Datenschutz gescheitert.

„Es tut mir so, so leid.“
Die Angeklagte im Gerichtssaal

In der großen Hoffnung, das Ganze endlich in Ordnung bringen zu können, habe sie das Geld sogar mit in den Gerichtssaal gebracht. Allerdings kämpfe sie nach wie vor mit der Wut der Angehörigen und der Freundin, deren Namen sie nutzte. In dem Kontext erklärte die Angeklagte selbst: „Ich versuche es halt, aber ich kann den Ärger auch verstehen.“ Später beteuerte sie: „Es tut mir so, so leid.“

Angesichts ihrer Reue, der fortwährenden Bemühungen um Gutmachung und eines leeren Strafregisters fand Schöffenrichter Jörg Hüchtmann schließlich klare Worte: „Die Angeklagte hat alles getan. Ich sehe keine Notwendigkeit, sie noch zu bestrafen.“ Er verwarnte die 29-Jährige und behielt sich die Verurteilung zu 1600 Euro Geldstrafe für ein Jahr vor. Die Antwort kam prompt: „Danke, danke.“

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