Seniorin (82) verärgert: Lottofirma bucht Geld ab – So bekommt sie es zurück

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Erst winkt das große Glück, dann ist das Geld weg: Eine Seniorin aus Unna will nicht zocken, dennoch wurde bei ihr abgebucht. Dies ist kein Einzelfall, aber es gibt auch Hilfe.

Unna

, 20.11.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Herzlichen Glückwunsch, Sie haben ein Los gewonnen.“ So oder so ähnlich fing eine für Hildegard M. (Name geändert) unangenehme Geschichte an. Letztlich verschwand Geld von ihrem Konto. Die 82-Jährige ist damit nicht allein. Doch Menschen können in solchen Fällen ihr Geld auch zurück erhalten.

„Geschenk“ vom Versandhaus

Die Gewinnmitteilung stammte in diesem Fall von einem Versandhaus, bei dem M. vor Jahren schon einmal Kundin war. Sie erhalte ein Los von einem Lottoservice-Unternehmen, erfuhr sie in dem Schreiben im September. „Ich kaufe doch keine Lose“, erklärte die Unnaerin bestimmt. Dies gelte heute wie seinerzeit im September: Bei ihrer schmalen Rente könne sie sich Glücksspiel nicht erlauben.

Auf einmal fehlen 61,20 Euro

Sie habe mehrfach bei dem Glücksspielunternehmen angerufen, um deutlich zu machen, dass sie an keinem Gewinnspiel teilnehmen wolle. Offenbar muss sie bei einem dieser Telefonate aber ungewollt genau das Gegenteil erreicht haben. Denn auf ihrem Kontoauszug tauchte eine Abbuchung in Höhe von 61,20 Euro auf. Das Geld abgebucht hatte das Lottounternehmen. Sie sei „böse über diese Unverschämtheit“, erklärte die Seniorin unserer Redaktion.

Aus Sicht des Lottounternehmens ist alles korrekt abgelaufen. Die Unnerin habe im September angerufen und ein Mitspiel getätigt. In dem Telefonat habe sie ihre Kontoverbindung mitgeteilt. M. sei über ihr Widerrufsrecht informiert worden, eine Kündigung ihrerseits wäre jederzeit möglich gewesen, erklärte die Firma auf Anfrage unserer Redaktion.

Kein Vertrag, also Geld zurück

Hat M. bei ihren Versuchen, ihr Geld zu schützen, Daten preisgegeben und so doch Geld verloren? Wurden hier Einwilligungen gegeben aufgrund von Missverständnissen? Letztlich bleiben die Vorgänge nebulös.

Klar ist hingegen: Wer auf diese Weise Geld verliert, kann es zurückbekommen. Es sei in diesem Fall offensichtlich kein wirksamer Vertrag zustande gekommen, erklärt Elvira Roth von der Verbraucherzentrale in Kamen. „Es fehlt an einer übereinstimmenden Willenserklärung“, so die Fachfrau. Sie rät in solchen Fällen: Betroffene veranlassen über ihre Bank, dass der Betrag auf ihr Konto zurückgebucht wird. Innerhalb einer Acht-Wochen-Frist sei das möglich.

In M.s Fall reichte ein Telefonanruf bei der Sparkasse, um genau das zu erledigen. Die Lottofirma bestätigte gegenüber unserer Redaktion nachher die Rücklastschrift. Das „Mitspiel“ sei daraufhin beendet worden, Forderungen gegen die Unnaerin bestünden vonseiten des Unternehmens nicht.

Ärger bleibt: Verbraucherzentrale hilft

Die unglückliche Episode dürfte sich für Hildegard M. also erledigt haben. Selbstverständlich ist das allerdings nicht. Nicht selten erhielten Betroffene im Nachhinein Mahnschreiben, berichtet Verbraucherberaterin Roth. Doch die Nachweispflicht, dass es einen gültigen Vertrag gibt, liege bei dem fordernden Unternehmen. Der Kunde muss also nicht bezahlen. Wer in einem solchen Fall unsicher ist oder das Problem nicht gelöst bekommt, solle sich an die Verbraucherzentrale wenden: „Wir helfen.“

Hilfe

Kontakt zur Verbraucherzentrale

Wer Schwierigkeiten mit Gewinnspiel-Anbietern hat, kann bei der Verbraucherzentrale in Kamen Hilfe bekommen.
  • Tel. (0 23 07) 438 01-01
Beratungszeiten:
  • montags 9 bis 13.30 Uhr
  • dienstags 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr
  • mittwochs geschlossen
  • donnerstags 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr
  • freitags 9 bis 13.30 Uhr

Gewinnmitteilungen, mit denen Unternehmen versuchen, an Geld zu kommen, nähmen kein Ende, so Roth. Auch vor Drohungen mit Inkassounternehmen werde nicht zurückgeschreckt. Aber wie kommen die Verursacher an die Daten der Kunden? Befreundete Unternehmen, wie ein Versandhandel und eine Lottofirma, dürften nicht ohne Weiteres Kontonummern von Kunden austauschen. Anders als Bankdaten aber seien Adressen nicht besonders geschützt.

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