Futter aus dem Sonnenstudio: Unnaer will eine Tafel für Hunde etablieren

dz„Hände für Pfoten“

Eine Grundversorgung für Hunde sicherstellen, deren Besitzer in einer finanziellen Notlage sind. Dafür will sich ein Unnaer einsetzen – und dafür auch zwei seiner Sonnenstudios nutzen.

Unna

, 18.02.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bedürftige Hundebesitzer füllen ein Formular aus, werfen es in einem Sonnenstudio in eine Box und holen einige Tage später ihr Futter ab. Der geplante Ablauf liest sich ungewöhnlich. Aber Volker Zibbar ist überzeugt, dass sein Konzept hinter „Hände für Pfoten“ funktioniert. Er will in den nächsten Tagen mit einer Tafel für Hunde in Unna starten.

Dass Bestellung und Ausgabe über zwei seiner Sonnenstudios am Unnaer Südring und am Massener Hellweg laufen, sei eben dem Umstand geschuldet, dass sie nunmal ihm gehörten. „Man muss aber natürlich kein Sonnenstudio-Kunde sein“, sagt Zibbar.

Initiator der Tafel für Hunde will Projekt aus eigener Tasche zahlen

Im Gespräch macht er deutlich, dass er mit seinem Projekt unkompliziert und unbürokratisch helfen will. Und er geht daher einen unkonventionellen Weg: „Ich will ,Hände für Pfoten‘ so bekannt wie möglich machen und wünsche mir natürlich, dass sich das rumspricht“, sagt Zibbar. Er sagt aber auch: „Ich will keine Spenden sammeln. Ich werde jegliches Futter aus eigener Tasche zahlen.“

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Spenden seien ihm zum einen zu unzuverlässig, würden unnötigen Verwaltungsaufwand bedeuten und zudem möchte er nicht als Bittsteller dastehen. „Mir war immer klar, dass ich mich entsprechend einbringen will, wenn mal die letzte Rate vom Haus bezahlt ist“, sagt er.

Selbst habe er schon immer Hunde gehabt, seit gut sieben Jahre befasse er sich aber intensiv mit den Tieren. „Ich habe dreieinhalb Jahre lang meine Ausbildung gemacht und bin IHK-zertifizierter Hundetrainer und Verhaltensberater“, sagt der Unnaer.

In diese Boxen sollen Bedürftige ihre Bestellzettel für Hundenahrung einwerfen. Die zugehörigen Formulare gibt es in den Abholstellen.

In diese Boxen sollen Bedürftige ihre Bestellzettel für Hundenahrung einwerfen. Die zugehörigen Formulare gibt es in den Abholstellen. © Greis

„Hände für Pfoten“

Futter-Ausgabe soll ab 25. Februar starten

  • In Unna betreibt Volker Zibbar zwei „Jill Sun“-Sonnenstudios am Südring 31 und am Massener Hellweg 27.
  • Hier finden bedürftige Hundehalter die Einwurfboxen von „Hände für Pfoten“. Vor Ort wird ein Formular ausgefüllt und anonym im Umschlag in die Box geworfen.
  • Innerhalb von fünf Tagen nach Bestellung will Zibbar das bestellte Futter zur Verfügung stellen, das dann in den Studios abgeholt werden kann.
  • Zusammen mit dem Futter gibt die Hilfsinitiative auch Hundekot-Beutel aus. „Ich bin ja selbst Hundebesitzer und finde es schrecklich, wenn ich irgendwo auf dem Gehweg reintrete“, sagt Zibbar.

Mit seiner Hundetafel will er nun obdachlosen und bedürftigen Menschen helfen, ihre Tiere zu versorgen. „Wir haben in Deutschland eigentlich ein tolles Sozialsystem. Aber trotzdem erreicht das nicht immer jeden“, sagt Zibbar. Darunter dürfe aber nicht die Verbindung zwischen den Menschen und ihren Tieren leiden.

„Ich beobachte sehr oft den fürsorglichen Umgang obdachloser Menschen mit ihren Hunden. Der Hund wird an der Stelle einfach zu einem wichtigen Sozialpartner. Und das gilt nicht nur für Obdachlose. Das gilt auch für ältere Menschen“, so der gebürtige Dortmunder.

Nur die nötigsten Infos müssen angegeben werden

Unnaer Hundebesitzern, die Unterstützung brauchen, will er unkompliziert helfen. Und dabei die Hemmschwelle möglichst niedrig halten, obschon auch ihm klar ist, dass ein Sonnenstudio als Abholort durchaus ungewöhnlich ist. Wer Hundefutter braucht, gibt über das Formular aber nur die nötigsten Infos zu sich und dem Hund an.

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Dabei drehen sich die Fragen vor allem um den Hund – Gewicht, Rasse, Unveträglichkeiten, um entsprechendes Futter zu besorgen. „Grundsätzlich gibt es keine BARF- oder Nassnahrung aus Haltbarkeitsgründen“, sagt Zibbar. Sollte es nötig sein, könne man bei Ernährungsfragen aber eine Unnaer Tierärztin zu Rate ziehen, mit der er kooperiere.

Traum von einer eigenen Hundearche

Personenbezogene Daten oder Bedürftigkeitsnachweise will Zibbar nicht sehen. Er vertraut auf die Ehrlichkeit der Halterinnen und Halter. Auch ein festes Budget hat er nicht: „Ich setze mir kein Limit“, sagt er.

Ob Volker Zibbars Idee in der Praxis aufgeht, das muss sich zeigen. Bestenfalls ist sie für ihn ein Schritt hin zu einem größeren Projekt: „Ich träume seit Jahren von einer Hundearche. Die Hürden seitens des Gesetzgebers sind hoch. Aber ich bin noch immer auf der Suche nach einem Standort in der Umgebung.“

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