Unnaer werden in einem Restaurant Zeugen der tödlichen Schüsse

dzAttentat von Straßburg

Das Attentat von Straßburg erschüttert die Welt. Für eine Gruppe politikinteressierter Touristen aus dem Raum Unna werden die dramatischen Ereignisse wohl besonders in Erinnerung bleiben. Sie waren dabei.

Unna/Straßburg

, 14.12.2018, 17:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

45 Sozialdemokraten, zur Hälfte aus dem Kreis Unna, besuchte Anfang der Woche Straßburg auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Dietmar Köster. Die Gruppe beschäftigte sich mit Europapolitik und erkundete das schöne Straßburg. Am Dienstagabend dann fand man sich im Restaurant „Au Point de St. Martin“ ein. Pünktlich um 20 Uhr nahmen die Besucher ihre Plätze ein, als ein lauter Knall ertönte. „Wir dachten zuerst an ein Feuerwerk“, sagt Ulrich Knies. Der Unnaer war einer der Reisenden und schilderte unserer Redaktion die Erlebnisse nun, nachdem er ein paar Tage Abstand davon gewonnen hatte.

Vergebliche Wiederbelebung

Was die Gruppe erlebte und zunächst gar nicht einordnen konnte, war der Mordanschlag, der ab Dienstagabend Straßburg und die Welt in Atem hielt und entsetzte. Knies und die anderen Reisenden wurden Zeugen, wie ein zweiter Schuss ertönte und direkt vor ihrem Lokal ein Passant zu Boden ging. Eine verzweifelte Frau habe sich über dieses Opfer geworfen und „Mein Mann, mein Mann“ geschrien, so Knies. Die Gruppe habe sehen können, wie der dunkel gekleidete Schütze im Laufschritt über eine Brücke verschwand. „Wir erstarrten im Speisesaal“, erinnert sich Knies. Das Licht wurde ausgeschaltet – eine Reaktion des Restaurantpersonals, um die Menschen im Gebäude zu schützen. Der Feuermelder des Gebäudes dröhnte minutenlang. Dann wurde das blutüberströmte Opfer von der Straße in den Flur des Lokals gezogen. Geübte Mitglieder der Reisegruppe beteiligten sich an Wiederbelebungsversuchen, doch vergeblich. Polizisten oder Sanitäter kamen zunächst nicht. Später wurde den Beteiligten klar, warum: Die Einsatzkräfte waren an anderer Stelle wegen desselben Täters gefordert. Bekanntlich hatte der Attentäter mehrere Menschen verletzt, mindestens drei von ihnen tödlich.

Stundenlanges Warten

Sechs Stunden habe die Gruppe in dem Speisesaal ausharren müssen, erinnert sich Knies. Der Weg zur Küche sei ihnen aus Sicherheitsgründen ebenso verwehrt worden wie zur Toilette. Still und erschüttert habe man gewartet, bis um 2 Uhr nachts endlich ein Reisebus kommen durfte, um die Menschen abzuholen.

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