Verdacht: Missbrauch am Enkel in 43 Fällen - Richter hofft, dass Opfer nicht aussagen muss

dzGerichtsprozess

Ein Unnaer wird wegen schweren sexuellen Missbrauchs angeklagt. Er soll sich über Jahre regelmäßig an seinem Enkelkind vergangen haben. Wenn er gesteht, kann er dem Mädchen wenigstens eine Aussage ersparen.

Unna

, 11.09.2019, 09:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor Gericht in Dortmund muss sich ein Mann aus Unna verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 72-Jährigen vor, sich mehrfach an seiner Enkeltochter vergangen zu haben. Die Ermittler legen dem Mann 43 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs zur Last. Die Fälle sollen sich über rund zweieinhalb Jahre in Unna zugetragen haben: zwischen Herbst 2015 und Februar 2018.

Vorwurf: Missbrauch mindestens zwei Mal im Monat

Der Angeklagte ist der Großvater seines im Juni 2005 geborenen Enkelkinds. Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Mann ab Herbst 2015 sein Enkelkind regelmäßig bei sich gehabt haben, auch über Nacht. Die Hintergründe sind bisher noch nicht ganz klar. Denkbar ist, dass das Mädchen im Rahmen einer familiären Betreuungsabsprache regelmäßig bei seinem Großvater war. Dienstags und donnerstags sowie an jedem zweiten Wochenende war das Kind in der Obhut des Mannes. Bei diesen Gelegenheiten soll der Angeklagte mindestens zwei Mal pro Monat während der Übernachtungen Geschlechtsverkehr mit dem Mädchen gehabt haben. Die Taten sollen laut Landgericht Dortmund begonnen haben, als das Kind zehn Jahre alt war. Erst mit zwölf war es dem Missbrauch demnach nicht mehr ausgesetzt. Wie alles aufgefallen ist, wird sich wohl im Lauf des Prozesses zeigen. Möglicherweise hat das Kind Hinweise an Menschen in seinem Umfeld gegeben.

Gericht will dem Opfer Aussage ersparen

Der Prozess am Dortmunder Landgericht beginnt am 19. September. Das Gericht hat bereits einen Fortsetzungstermin für Oktober anberaumt. Eine wichtige Frage lässt sich bisher nicht berantworten: Muss das Mädchen selbst vor Gericht aussagen? „Das hängt davon ab, wie sich der Angeklagte einlässt“, erklärt Gerichtssprecher Dr. Thomas Jungkamp. Einem Angeklagten werde in solchen Fällen in aller Regel früh verdeutlicht, dass er mit einer Minderung seiner Strafe rechnen kann, wenn er selbst aussagt. „Das wäre eine unglaubliche Erleichterung für das Kind“, sagt Jungkamp. Gesteht der Angeklagte nicht, dann müssten sämtliche anderen möglichen Zeugen vernommen oder Beweismittel wie beispielsweise Bildmaterial ausgewertet werden, wenn es welche gibt. Schlimmstenfalls muss das vermeintliche Opfer selbst schildern, was ihm widerfahren ist. Man versuche, bei Prozessen um Kindesmissbrauch immer zu vermeiden, dass das Opfer selbst aussagen muss, so Jungkamp.

Sollte sich der Verdacht gegen den 72-Jährigen bestätigen, muss er mit einer Gefängnisstrafe zwischen zwei und 15 Jahren rechnen.

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