Gerade noch gebetet: Unnaer Schüler erleben Todestag der Queen in London

Die Fahrt der beiden bilingualen Klassen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums ging nach Canterbury in der südenglischen Grafschaft Kent. Am Todestag der britischen Königin besuchten die Schülerinnen und Schüler aus Unna London. © Privat
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Die diesjährige Fahrt der beiden bilingualen Klassen 8a und 9a des Geschwister-Scholl-Gymnasiums ging in die Stadt Canterbury in der südenglischen Grafschaft Kent. Vom 5. bis zum 9. September erlebten 40 Schülerinnen und Schüler sowie sechs Lehrerinnen und Lehrer auch den unerwarteten Wechsel auf dem Thron des Vereinigten Königreichs mit.

Untergebracht waren die GSGler anders als bei früheren Fahrten des bilingualen Zweiges nicht in Gastfamilien. Coronabedingt hatte sich die Schule für Studentenunterkünfte der Universität Canterbury entschieden. Diese werden außerhalb der Vorlesungszeit auch an Reisegruppen vermietet.

Zur Buchungszeit im vergangenen Herbst brauchte es Mut und Risikobereitschaft, um die Planung anzugehen. Damals gab es Lieferengpässe und Lkw-Staus an den Fährhäfen aufgrund des Brexits. Auch die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie war unklar. Noch bis Juni dieses Jahres waren nicht alle Corona-Sorgen aus der Welt geräumt. Die Auswirkungen des Brexits haben die Schülerinnen und Schüler nun in Form einer peniblen Grenzkontrolle tatsächlich miterlebt.

Erst Kreideklippen, dann London

Nach den Kreideklippen von Dover und dem malerischen Küstenstädtchen Rye war der Mittwoch für die aufregende Metropole London vorgesehen. „Dass die Insignien der Monarchie, die wir bei den Kronjuwelen im Tower bestaunt haben, das Zepter und der Reichsapfel, und auch die vielen prachtvollen Kronen, schon bald wieder für eine Krönungszeremonie im Einsatz sein werden, konnten wir noch nicht ahnen“, so Oberstudienrätin Ulrike Felbick. „Auch an den Toren des Buckingham Palace waren am Mittwochabend noch verhältnismäßig wenig Besucher unterwegs. Das sah 24 Stunden später im Fernsehen schon ganz anders aus.“

Die Anteilnahme der Menschen am Tod der Queen war riesengroß. © AFP

Dass der 9. September in die Geschichte eingehen würde, sei für die Reisegruppe aus Deutschland am Vormittag noch nicht zu erwarten gewesen. „Wir lernten in einer Stadtführung viel über die Pilgergeschichte der kleinen Stadt Canterbury und die Abspaltung der Anglikanischen von der Katholischen Kirche unter König Henry VIII.“

Besorgnis um die Königin beim Evensong

Eine Gruppe von rund 15 Schülern und Lehrern traf sich am Spätnachmittag zum Evensong, einer liturgischen Abendandacht mit Chorgesang, in der altehrwürdigen Canterbury Cathedral. Dort habe bereits die Besorgnis um das Wohlergehen der Queen in der Luft gelegen. „Ein besonderes Gebet wurde für sie gesprochen, sie liege im Sterben“, berichtet Ulrike Felbick.

Auf dem Rückweg zum Bus verbreitete sich dann die Nachricht vom Tod der englischen Königin. „Das war schon ein Gänsehautmoment – wir hatten doch gerade noch für sie gebetet“, erinnert sich die Lehrerin aus Deutschland. „Anscheinend hatten wir soeben den letzten Gottesdienst in der Anglikanischen Kirche miterlebt, in dem die Worte ‚God save the Queen‘ gesprochen wurden – zukünftig wird es auf absehbare Zeit ‚God save the King‘ sein.“

Zeitungsständer leer gekauft

Ob nur die Lehrer beim gemeinsamen Kochen und Abendessen den Laptop auf den Küchentisch gestellt und per WLAN die Berichterstattung im Fernsehen verfolgt haben, fragt sich Ulrike Felbick. „Am nächsten Tag jedenfalls hat unsere Reisegruppe im Fährterminal den Zeitungsständer leer gekauft – historische Dokumente (nicht nur) für den Englischunterricht.“