Gegen das Vergessen: Unnaer putzen 166 Stolpersteine zum 75. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung

dzHolocaust-Gedenken

Vor dem Wohn- und Pflegeheim St. Bonifatius in der Mozartstraße haben Mitarbeiter, Nachbarn und Interessierte Bürger aus Unna 166 Stoplersteine in Gedenken an die Holocaust-Opfer geputzt.

Unna

, 27.01.2020, 19:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Katholische Hospitalverbund Unna hat sich zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ebenfalls eine Gedenk-Aktion überlegt: Vor dem Wohn- und Pflegeheim St. Bonifatius an der Mozartstraße haben Mitarbeiter, Nachbarn und interessierte Bürger 166 Stolpersteine geputzt. Diese waren dort im Jahr 2012 verlegt und nun als Zeichen gegen das Vergessen gereinigt worden.

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Mit Spülschwämmen und Metallreiniger machten sich die beteiligten Helfer daran, die Steine vor dem Eingang des Pflegeheims zum Glänzen zu bringen. Daniel Robbert, Ethikberater des Hospitalverbunds erklärte: „Wir wollen die Namen auf den Steinen sinnbildlich wieder hervorheben.“ Denn darum ginge es schließlich bei den Stolpersteinen: Aufmerksam machen, Gedanken anstoßen, gesehen werden.

Bewohner des Altenheims berichteten als Zeitzeugen

Neben den freiwilligen Helfern waren auch Zeitzeugen dabei, die jetzt als Bewohner im Pflegeheim St. Bonifatius leben. Die 92-jährige Elisabeth Hahn kann sich noch gut an die Zeit des NS-Regimes erinnern: „Als Kindergärtnerin haben meine Schützlinge mich immer mit ‚Heil Hitler, Grüß Gott‘ begrüßen müssen“, erzählte sie. Und auch Bewohnerin Anneliese Wienzek hat die Herrschaft der Nationalsozialisten noch miterlebt. Die 96-Jährige war schon eine junge Erwachsene, als die Mehrheit der Juden ausgegrenzt, deportiert und schließlich ermordet wurden. Eine ehemalige Nachbarin habe sie nie wieder gesehen. Dass an dieses Verbrechen immer wieder erinnert werde, sei daher wichtig, so Wienzek.

Gegen das Vergessen: Unnaer putzen 166 Stolpersteine zum 75. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung

Mit Metallreiniger und Spülschwämmen werden die Steine wieder zum Glänzen gebracht. © Udo Hennes

Daran ist auch Karin Riedel vom Hospitalverbund Unna gelegen. Sie hatte die Putzaktion initiiert und erzählte währenddessen die Geschichte des heutigen Wohn- und Pflegeheims: „Das Haus wurde im Jahr 1905 als Israelitisches Altersheim gegründet. Im August 1942 wurde es dann zwangsweise durch die Nazis aufgelöst“. Viele Bewohner seien dann in Ghettos und Konzentrationslager deportiert worden. Nur eine Bewohnerin habe die Deportation überlebt, so Riedel.

Heute 98 Bewohner im Heim

Heute leben 98 Bewohner in dem Pflegeheim St. Bonifatius. Ein Großteil von ihnen hat den Holocaust noch miterlebt. Wenn die Bewohner ihre Erlebnisse eines Tages nicht mehr weitertragen können, sollen die Stolpersteine ein Zeichen gegen das Vergessen setzen.

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