Unnaer Orgeltage in St. Katharina: Ein Abend der Kontraste

dzOrgeltage

Spontane Standing Ovations: Prof. Daniel Beckmann, ein Meister seines Instruments, begeisterte mit seinem Orgelspiel die Zuhörer am vergangenen Donnerstagabend in St. Katharina.

von Rainer Ehmanns

Unna

, 05.07.2019, 17:27 Uhr / Lesedauer: 1 min

In der kurzen Biographie im Programm erfährt man von seiner frühen Berufung zum Mainzer Domorganisten, den früheren Lehrtätigkeiten und Würdigungen seiner Kunst, noch bevor die ersten Takte erklingen. Und schon sehr bald wird deutlich, was diesen gefragten Organisten so außergewöhnlich macht.

Denn mit Bachs Praeludium und Fuge in G-Dur BWV 541 beginnt ein Abend der Kontraste. Das schwungvoll drängende, mit strahlenden Bläserregistern versehene Praeludium fesselt die Aufmerksamkeit und ist dann doch viel zu schnell zu Ende. Die anschließende Fuge besticht mit ihrem steten Klangstrom, in dem das Fugenthema, zum Schluss in Engführung, wunderbar durchzuhören ist.

Reubkes Sonate c-moll über den 94. Psalm orientiert sich als eher sinfonische Dichtung an seinen Inhalten. Kontrastreiche Klänge kombiniert Beckmann über eine große Auswahl ungewöhnlicher Register und würdigt damit das geniale Werk des viel zu früh verstorbenen Komponisten und Liszt-Schülers in seiner kompositorischen Kühnheit: Geheimnisvoll der Beginn, fahl klingend das Adagio mit ausdrucksvollen Linien, farbig und kühn die Chromatik oder die harmonischen „Exkursionen“ in den schillernden Farben der diversen Register – Beckmanns verblüffendes Spiel mit vermeintlich exotischen Klangkombinationen ist faszinierend stimmig.

Das gilt nicht zuletzt für die Symphonie Nr. 5 f-moll op. 42/1 von Charles Marie Widor. „Orgelspielen heißt einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren“, sagt der Komponist und langjährige Organist an St. Sulpice in Paris. Was ihn im Vergleich zu Reubke „traditioneller“ wirken lässt, kompensiert Beckmann mit höchstem technischen Niveau; er schöpft alle Möglichkeiten der Registrierung voll aus, dosiert Tempi und Dynamik subtil und schließt nach dem kontemplativen Adagio mit einer brausenden Toccata, deren virtuose Pracht ein – mit Widors Worten gesagt – „Gefühl des Erhabenen und Unendlichen“ vermittelt.

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