Die besten vier Filme aus 250 Einsendungen aus ganz Deutschland hat die Jury des Christian-Tasche-Filmpreises am Samstag ausgezeichnet. Der Sonderpreis des Unnaer Publikums bleibt indes in der Stadt.

von Dominik Pieper

Unna

, 24.11.2019, 10:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Filmemacherin Katharina Dolle aus Unna hat den Publikumspreis beim Christian-Tasche-Filmpreis gewonnen. Die Nachwuchsregisseurin überzeugte das Publikum in Saal 6 des Unnaer Kinos mit ihrem Horrorkurzfilm „Real“. Bereits vor zwei Jahren hatte Katharina Dolle die Publikumswertung beim Festival gewonnen.

Junge Unnaer Filmemacherin gewinnt Publikumspreis beim Christian-Tasche-Filmpreis

Katharina Dolle (r.) und Allesandro Schuster freuten sich über die Auszeichnungen ihrer Filme und die Bestätigung für die geleistete Arbeit. © Pieper

Dass ihr die Wiederholung des unter Filmemachern überaus geschätzten Publikumspreises gelang, freute die 19-Jährige immens. Gemeinsam mit ihrem jungen Team aus Schauspielern und Filmcrew strahlte die Filmemacherin bei der Preisvergabe bis über beide Ohren. Jurypräsident Johannes Rotter überreichte im Namen des Publikums den Sonderpreis des Festivals und ermutigte Katharina Dolle, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

Gewinnerfilm zu einem Tabuthema

Gewonnen hat das Festival der Film „Was bleibt“ von Chiara Fleischhacker. Ihr Beitrag in der Kategorie Fortgeschrittene kam bei der Jury hervorragend an, verriet Johannes Rotter. Schauspieler Sönke Möhring lobte den Beitrag bezüglich seiner Machart und vor allem seiner Aussage zu einem Tabuthema wegen. Inhaltlich geht es um eine junge Braut mit augenscheinlich muslimischem Hintergrund, die während der eigenen Hochzeitsfeier mit zwei Freundinnen im Badezimmer verschwindet. Sie möchte mit einem Hilfsmittel aus der Apotheke ihre Jungfräulichkeit vortäuschen, um den Sitten und Ansprüchen der Religion zu entsprechen, ist jedoch unentschlossen.

Junge Unnaer Filmemacherin gewinnt Publikumspreis beim Christian-Tasche-Filmpreis

Applaus von der Jury: Die fachkundigen Köpfe mit den beiden Unnaer Schauspielern Stefan Jürgens und Sönke Möhring in der Mitte lobten die Qualität der eingereichten Beiträge. © Pieper

Regisseurin Chiara Fleischhacker war zwar persönlich nicht zu Gast bei der Preisverleihung, schickte aber eine Vertreterin aus der Crew. Sie erzählte, dass es tatsächlich Hilfsmittel in Apotheken zu kaufen gebe, mit denen muslimische Frauen ihre Jungfräulichkeit vortäuschen können. Die künstlichen Jungfernhäutchen seien schon längst kein Tabuthema mehr und enorm nachgefragt. „Kostet nur 60 Euro“, sagte sie.

Platz zwei in der Kategorie der Fortgeschrittenen ging an Jasmin Lulu aus Hamburg. Ihr Werk trägt den Namen „Pelviachromis“ und erzählt die Geschichte eines jungen Paares, das in seiner ganz eigenen Welt lebt und das Leben drumherum komplett ausblendet.

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17-Jähriger gewinnt den Nachwuchspreis

In der Kategorie „Nachwuchs“ gewann der jüngste Filmemacher im gesamten Wettbewerb den ersten Preis. Alessandro Schuster aus Berlin zeigt mit seinem Film „Der Junge mit dem Teddy“ die Geschichte eines kleinen Jungen, der mit seinem Teddy durch Berlin irrt und offenkundig im Elternhaus vernachlässigt wird. Als plötzlich ein junger Mann auftaucht und sich um ihn kümmert, nimmt der Film eine überraschende Wende. Denn der junge Mann weiß um das Schicksal des kleinen Jungen. Er hat es selbst erlebt - und zwar in derselben Familie.

Regisseur Alessandro Schuster ist erst 17 Jahre alt. Der Wettbewerbsfilm entstand als Projekt, das mit eigens gecasteten Schauspielern erstellt wurde.

Junge Unnaer Filmemacherin gewinnt Publikumspreis beim Christian-Tasche-Filmpreis

Der Publikumspreis wurde via Online-Abstimmung live im Kino ermittelt. Felix Maxim Eller (r.) machte vor, wie die Besucher in Saal 6 des Unnaer Kinos mit ihren Handys direkt für den ihrer Meinung nach besten Film abstimmen konnten. Jurypräsident Johannes Rotter schaut genau hin, welcher Film die meisten Stimmen bekam. © Pieper

Platz 2 in der Nachwuchskategorie ging an den Film „Nächster Halt: Selbsterkennung“ von Quendresa Buzolli. Die Filmemacherin war leider nicht zu Gast bei der Preisverleihung, zeigte in ihrem Kurzfilm aber die Geschichte eines auffallend weiblich gekleideten jungen Mannes, der wegen seiner Erscheinung von betrunkenen Jugendlichen beleidigt wird. Als er einen der Betrunkenen zur Rede stellt, offenbart dieser plötzlich sein Interesse am Anderssein.

Jury lobt die Qualität der Filme, rät aber zur Verbesserung des Tons

Der Saal der Preisverleihung im Unnaer Kinorama war zwar nicht ausverkauft, aber doch sehr gut besucht - sehr zur Freude von Felix Maxim Eller. Der preisgekrönte Unnaer Filmemacher fungierte als künstlerischer Leiter des Festivals und hatte der prominent besetzten Jury einen Großteil der Arbeit bereits im Vorfeld abgenommen. 246 Filme hatten Nachwuchsregisseure aus ganz Deutschland eingereicht und damit die Akzeptanz des Wettbewerbs bestätigt. Zehn Filme gaben Eller und seine Kollegen an die Fachjury weiter. Jurypräsident Johannes Rotter lobte das Niveau, das im Vergleich zum vorherigen Festival nochmals deutlich gestiegen sei. Gleichwohl müssten die jungen Talente insbesondere beim Ton noch besser werden, wenngleich die Bildsprache schon hervorragend sei.

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Christian-Tasche-Filmpreis 2019 - Eröffnungsgala in Unna

Erst im ZIB, dann im Kinorama eröffneten Filmprofis und Gäste das diesjährige Festival um den Christian-Tasche-Filmpreis.
22.11.2019
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Die Mittel - sowohl finanzieller als auch organisatorischer und technischer Art - waren bei den Filmemachern grundverschieden, jedoch meist einfach. Festivalteilnehmer Moritz Schlögell berichtete etwa, sein Film über ein junges Paar und eine mögliche Schwangerschaft sei in der Übergangswohnung des Kameramanns entstanden. Luis Seemann, ebenfalls mit einem Beitrag unter den besten zehn vertreten, hatte seinen Film „Gefährdet“ mit einer vergleichsweise einfachen Kamera aufgenommen, mit der er besonders nah an die Darsteller herangehen konnte.

Unner Publikum soll noch mehr begeistert werden

Die Anzahl der eingereichten Beiträge, die Qualität der Filme sowie das Urteil der Jury ließen Festivalmacher Felix Maxim Eller am Ende der Preisverleihung ein überaus positives Fazit ziehen. „Hammer“ nannte er seinen Eindruck. Ziel sei es jetzt, beim nächsten Festival das Unnaer Publikum noch mehr für das Thema Film und Nachwuchs zu gewinnen. Bei aller Professionalität und Qualität sei da noch Luft nach oben.

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