Unnaer FDP-Kandidat bezieht Stellung zum Flughafen: „Es könnte sogar leiser werden“

dzFlughafen Dortmund

Der Kampf gegen Flugverkehr ist ein Thema, mit dem sich die Unnaer Parteien gerade jetzt im Wahlkampf profilieren. Auffallend ist da die Gegenposition: Ein FDP-Kandidat sieht den Flughafen als Chance.

Unna

, 31.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fluglärm zu laut, die Flugzeuge zu tief über Wohnhäusern und Gärten, der Flughafen einfach zu nah an Unna, zudem ein Zuschussbetrieb zulasten der öffentlichen Hand: Wo in Unna laut über den Dortmunder Flughafen diskutiert wird, da herrscht diese Meinung vor. So hatte auch die Stadtverwaltung bisher einen breiten politischen Konsens im Rücken, wenn sie beispielsweise versuchte, die Ausweitung des Flugbetriebs in die Nachtzeiten mit Klagen zu verhindern. Nun meldet sich jemand zu Wort, der in den Rat gewählt werden möchte und für den Flughafen ist.

Lehmküler: Es könnte sogar leiser werden

Benjamin Lehmkühler steht auf Platz 4 der Reserveliste der FDP für die Kommunalwahl im September. Er möchte in den Stadtrat einziehen und bezieht nun Stellung zum Flughafenthema. Lehmkühler kritisiert politische Mitbewerber und mahnt zum Argumentieren mit Fakten. Angstmacherei sei völlig unangebracht.

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Aktuelles Streitthema ist bekanntlich die geplante Verlegung der Landeschwelle mit dem Ziel, dass in Dortmund demnächst größere Flieger landen dürfen als bisher. Die Sorge der Fluglärmgegner: Flugzeuge gehen noch niedriger über Unna in den Sinkflug. Lärm und ein Gefühl der Bedrohung nähmen zu. Lehmkühler indes greift an dieser Stelle ein Argument der Flughafenbetreiber auf, wonach die neuen Wizzair-Flugzeuge, um die es geht, moderner und damit leiser seien als ältere Modelle. „Es könnte sogar leiser über Unna werden“, meint er.

„Chance nutzen statt spazieren gehen“

„Der Großteil der Unnaer Politik geht lieber sonntags um den Flugplatz spazieren, als die Möglichkeit beim Schopfe zu packen“, so Lehmkühler. Er spielt auf einen Protest-Spaziergang vor einigen Tagen an, zu dem die Schutzgemeinschaft Fluglärm aufgerufen hatte.

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Unter den rund 400 Teilnehmern waren auch einige Gesichter aus der Unnaer Politik. Wortbeiträge mit teils deftiger Kritik an den Flughafenplanungen sendeten die Bürgermeisterkandidaten Katja Schuon (SPD), Claudia Keuchel (Bündnis 90/Die Grünen), Dirk Wigant (CDU) und Frank Murmann (FLU) durchs Megafon. In den Büros dieser Parteien liegen auch aktuell Unterschriftenlisten der Schutzgemeinschaft Fluglärm aus, ebenso wie bei der Linkspartei.

Arbeitsplätze und Steuereinnahmen

FDP-Kandidat Lehmkühler hingegen fragt nun: „Warum nutzen wir als Unna nicht diese gewaltige Chance, die auf uns zukommt?“ Er sieht die Möglichkeit, dass in Unna Arbeitsplätze geschaffen und neue Steuereinnahmequellen erschlossen werden können, wenn der Flughafen seine Planungen umsetzen kann. Der FDP-Kandidat erklärt, eine Vorhersage, wie genau sich eine Stärkung des Flughafens auf Unnas Wirtschaft auswirken könnte, sei zwar zu diesem Zeitpunkt „rein spekulativ“. Die Stadt Unna müsse aber die „Bereitschaft zeigen, entsprechende Flächen gewerblich zu nutzen, um damit dann zukünftige Firmen anzulocken“. Hier sei die Wirtschaftsförderung in der Pflicht, Konzepte zu erarbeiten.

Idee: Outlet Center, nicht nur für Fluggäste

„Ich könnte mir zum Beispiel gut ein Outlet Center vorstellen, welches nicht nur attraktiv für Fluggäste sein dürfte“, sagt Lehmkühler. Outlet Center sind meist große Hallen mit einer Reihe von Geschäften, in denen die Artikel verschiedener Markenhersteller angeboten werden. Ein solches Projekt war schon einmal geplant an Unnas östlicher Stadtgrenze. Die Stadt Werl wollte ein Factory Outlet Center (FOC) mit rund 70 Shops an der B1 errichten lassen. Die Planung ist letztlich gescheitert. Die Stadt Unna hatte zu den Gegnern gezählt aus Sorge, das Projekt in Werl könne sich negativ auf den Einzelhandel in Unna auswirken.

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