Kunden schenken Mehl: Café-Inhaberin bewegt von Menschlichkeit in der Krise – mit Video

dzGastronomie und Corona

Königsborns zentrales Café hat die Corona-Krise bisher kreativ gemeistert. Was sie an Hilfe bekommen hat, hat die Betreiberin trotz langjähriger Erfahrung überrascht – und menschlich bewegt.

Königsborn

, 31.05.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die heimischen Gastronomen stellt die Corona-Krise auf eine harte Probe. Das gilt auch für das Café zur alten Post in Königsborn. Inhaberin Remona Tingelhoff hatte sich im März schnell sortiert, um kreativ mit der Zwangsschließung umzugehen. Begeistert ist sie von der Unterstützung durch Stammkunden und Partner. Und diese dauert weiterhin an.

Stammkunden helfen in der Mehl-Krise

Als Corona den Kreis Unna erreichte, erlebten Menschen kuriose Zustände. Hamsterkäufe: Toilettenpapier wurde plötzlich knapp – und Mehl. Und während Privatleute mangels Backzutat eben mal auf einen Kuchen verzichteten, brachte die Knappheit Remona Tingelhoff in Not. Sie hatte am 22. März ihr Café zur alten Post in Königsborn zunächst umgestellt auf einen Lieferservice: Kuchen und Torten zum Mitnehmen. „Da war ich auf Mehl natürlich angewiesen. Ich musste Kuchen backen.“

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Café zur alten Post und Corona

Die Königsborner Rewe-und Edeka-Märkte erwiesen sich als verlässliche Partner, so gut sie konnten. Traf dort wieder eine Mehllieferung ein, erhielt Tingelhoff zumindest schnell einen Hinweis, dass sie wieder etwas kaufen konnte.

Einige ihrer Stammkunden dachten aber auch mit. „Sie haben mir Mehl geschenkt“, sagt die Cafébetreiberin. Sie ist immer noch gerührt. „Ich habe offenbar doch ein Stadtteilcafé“, sagt sie, 21 Jahre nach ihrer Eröffnung am Markt Königsborn.

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Alte und neue Kunden

Der Außer-Haus-Verkauf sei überraschend gut gelaufen, so Tingelhoff. Sie verdanke es vielen Stammkunden „und Kunden, die zu Stammkunden in dieser Zeit geworden sind, um das Café am Leben zu erhalten“. Sie berichtet von durchweg liebevollen und unterstützenden Kontakten. Radfahrer hielten an, um einen „Kaffee to go“, ein Eis oder Kuchen mit Eislöffeln auf dem Pappteller mitzunehmen.

Café-Inhaberin Remona Tingelhoff erläutert, wie sie im Zuge der „Neueröffnung“ mit den Abstandsregeln umgeht. Immerhin bis zu 17 Personen kann sie drinnen bewirten.

Café-Inhaberin Remona Tingelhoff erläutert, wie sie im Zuge der „Neueröffnung“ mit den Abstandsregeln umgeht. Immerhin bis zu 17 Personen kann sie drinnen bewirten. © Borys Sarad

Lieferservice zur 50-Meter-Bank

Und dann war da noch die Café-Haus-Bank. Tingelhoff nahm Maß auf dem weitläufigen Marktplatz vor ihrer Tür. Innerhalb eines Radius von 50 Metern um ein Café durfte sich niemand für den Verzehr hinsetzen. Es drohte Bußgeld. Eine Bank am Markt Königsborn sei tatsächlich 50 Meter vom Café entfernt, berichtet sie. Sie riet Kunden, die Kuchen oder Torte nicht bis nach Hause tragen wollten, sich dort niederzulassen. Älteren, gehbehinderten Damen lieferte sie Kaffee und Kuchen gern bis zur Abstandsbank.

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Geöffnet mit Corona-Einschränkungen

Das ist nun erst einmal Geschichte. Seit dem 13. Mai darf auch das Café zur alten Post wieder öffnen, zumindest mit den üblichen Einschränkungen. Mit Unterstützung des Ordnungsamts hat Tingelhoff die Sitzplätze im Café neu verteilt. Etwa 17 Personen darf sie bewirten, rund die Hälfte der normalen Zahl. „Draußen sieht es besser aus“, sagt die Café-Inhaberin. Zum Glück biete der Markt Königsborn reichlich Platz zum Auseinander-Rücken. „Jetzt brauchen wir nur noch gutes Wetter“, sagt Remona Tingelhoff. Das sieht derzeit gut aus. Sie freue sich auf Gäste, „die sich trauen, trotz Kontaktliste und Mundschutz vorbeizuschauen“.

Gerda Knauers Ausstellung im Café zur alten Post wurde nicht feierlich eröffnet, ihre Werke unter dem Motto „Kreuz und quer“ sind aber für Gäste erlebbar - bis 5. Juli.

Gerda Knauers Ausstellung im Café zur alten Post wurde nicht feierlich eröffnet, ihre Werke unter dem Motto „Kreuz und quer“ sind aber für Gäste erlebbar - bis 5. Juli. © Borys Sarad

Kunstausstellung von Gerda Knauer

Wer kommt, muss auf Kunst wie früher nicht verzichten. Eine richtige Eröffnung der Ausstellung von Gerda Knauer Ende April veranstaltete das Café nicht, die Ausstellung an sich gibt es aber. „Kreuz und quer“ nennt die Künstlerin ihre Werkschau, bestehend aus einer ganzen Reihe farbenfroher Bilder. Ihre Inspiration finde sie in der Natur, erklärt die Künstlerin. Abwechslungsreiche Nuancen, Formenspiele und Lichteinflüsse hält die Autodidaktin in Fotografien fest, um sie dann mit Pinsel und Farbe auf Leinwand zu bannen – am liebsten als Aquarelle.

In einem Begleittext zu ihrer Ausstellung zitiert Knauer Augustinus von Hippo. Und vielleicht passt dessen Ausspruch ja sogar ganz gut zur aktuellen Stimmungslage im Café zur alten Post: „Die Seele ernährt sich von dem, worüber sie sich freut.“

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Restaurants, Kneipen, Cafés und Eisdielen dürfen wieder öffnen – aber unter strengen Auflagen. Wir nehmen das zum Anlass, uns vor Ort in Unna ein Bild zu machen, wie der Betrieb in Corona-Zeiten läuft. In loser Folge stellen wir heimischen Lokale vor.
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