Unnaer Brüderpaar baut Tankstellen in ganz Deutschland

dzWirtschaftsstandort Unna

Vorfahren, tanken, vielleicht noch ein Brötchen oder eine Zeitschrift mitnehmen, bezahlen und weiterfahren: Wohl kaum ein Autofahrer macht sich beim Tanken Gedanken darüber, welch‘ umfangreiche Technik in einer Tankstelle steckt.

Massen

, 30.08.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei 99 Pfennig war Schluss. Uwe Geisler erinnert sich noch gut. Als er anfing, sich ernsthaft für Tankanlagen, Zapfsäulen und Tankstellen zu interessieren, waren die Rechenwerke der Preistafeln an den Tankstellen nur bis zu dem Wert von 99 Pfennig ausgelegt. „Das kann man sich heute kaum noch vorstellen, dass man für so wenig Geld tanken kann“, schmunzelt der kaufmännische Geschäftsführer der Geisler GmbH. Zusammen mit seinem Bruder Jürgen, der die technische Führung des Betriebs verantwortet, baut er seit Jahrzehnten Tankstellen in ganz Deutschland.

Am Rande eines Wohngebiets, hinter dem Friedhof Niedermassen liegt der Sitz des Unternehmens, von dem aus jeden Morgen Monteure in die ganze Bundesrepublik aufbrechen. Von Hamburg bis runter nach Bayern bauen, reparieren und warten die Geislers Tankstellen – und das seit beinahe 60 Jahren. „Ehrlich gesagt, habe ich vor 40 Jahren schon gedacht: Irgendwann müssen ja überall Tankstellen sein“, erzählt Jürgen Geisler von seinen Anfängen in der väterlichen Firma.

Doch mit der Annahme lag er falsch – zum Glück für das kleine Unternehmen aus Massen. Noch immer machen die Neubauten von Tankstellen den Großteil der Aufträge des Unternehmens aus. „Darunter sind viele Tankstellen an Autobahnen“, erzählt Uwe Geisler, „hier wurde in den vergangenen Jahren viel erneuert.“ So zeichnet die Geisler GmbH beispielsweise für die Erneuerung der beiden Tankstellen auf der Rastanlage Rhynern an der A2 verantwortlich.

Die gesamte Logistik wird dabei von Massen gesteuert: Hier, im Elternhaus der beiden Geisler-Brüder, laufen die Fäden zusammen. Uwe Geislers Büro war einst das Wohnzimmer der Familie. „Ja, wir sind mittendrin im Betrieb aufgewachsen“, erinnert sich Uwe Geisler. Das Lager der ausgedienten Zapfsäulen war ein verlockender Spielplatz – auch für die Nachbarskinder. „Deren Eltern haben oft geschimpft, wie dreckig ihre Kinder aussahen, wenn sie vom Spielen bei uns kamen“, erinnert sich Jürgen Geisler.

Unnaer Brüderpaar baut Tankstellen in ganz Deutschland

Auch ausgediente Zapfsäulen haben die beiden Brüder gelagert. © Marcel Drawe

Die Faszination der ganzen Technik, die die beiden Brüder von Kindesbeinen an umgab, zeigte ihre Wirkung in der Berufswahl: Für beide war klar, dass sie ihrem Vater in seiner Firma folgen. „Ich habe zwar immer mal gesagt, dass ich auch mal ein Jahr lang woanders etwas machen will, aber ich bin immer noch hier“, schmunzelt Uwe Geisler. Er ist 57 Jahre, sein Bruder Jürgen 64 Jahre alt – da denkt man an die Nachfolge.

Die sitzt in Person von Jürgens Sohn Olaf bereits mit im Büro. „Er hat gerade seinen Elektromeister gemacht“, sagt Jürgen Geisler mit unüberhörbarem Stolz. Eine Ausbildung, die in naher Zukunft von Vorteil sein kann: „Ich denke, dass wir vielleicht noch zehn, fünfzehn Jahre haben, bis das Thema Elektromobilität zu einer echten Herausforderung für die Tankstellen wird“, meint Jürgen Geisler.

Dennoch blicken die beiden Brüder optimistisch in die Zukunft. „Wir sind zum Glück breit aufgestellt. Neben den Tankanlagen bauen und warten wir auch Industrieanlagen. Das ist sicherlich ein Schwerpunkt, den wir uns zukünftig setzen werden. Gerade in diesem Bereich gibt es viele neue Gesetze und Auflagen, da gibt es also viel zu tun.“

Unnaer Brüderpaar baut Tankstellen in ganz Deutschland

Versteckt zwischen vielen alten Zapfsäulen verbirgt sich auch dieses „alte Schätzchen“. © Marcel Drawe

In ihrem Lager liegen nicht nur die Rohre und Leitungen, die sie für den Bau von Tankanlagen brauchen, auch ausgemusterte Zapfsäulen stehen hier. „Da fragen tatsächlich manchmal Nostalgiker nach, die sich solche alten Schätzchen dann zu Theken oder Schränken umbauen“, erzählt Uwe Geisler. Nur die Zapfsäule, an der es Benzin für 99 Pfennig gibt, die ist irgendwie verschwunden.

  • Das ist die Idee: Tankstellen brauchen Tanks, Zapfsäulen, Schläuche, Leitungen, Preistafeln und Beleuchtung – all das montieren die Mitarbeiter der Geisler GmbH. Sie bauen neue Tankanlagen oder erneuern bestehende Tankstellen. Auch die Wartung und Reparatur von Tankstellen fallen in das Aufgabenspektrum des Unternehmens. Auch Industrieanlagen, die mit Öl, Farbe oder Alkohol arbeiten, baut und wartet das Unternehmen aus Unna.

  • So machen sie das: Die Geislers sind eine Ingenieursfamilie. Bereits der Großvater von Uwe und Jürgen Geisler beschäftigte sich in den 1920er-Jahren mit der Instandhaltung und Montage an Lokomobilen und Dampfmaschinen. Seine beiden Söhne traten sein Erbe an, der eine in Osnabrück, der andere in Unna. Roland Geisler und seine Frau Irmgard führten das Unternehmen in Unna, das heute wiederum ihre Söhne Uwe und Jürgen leiten. Sie beschäftigen zur Zeit 15 Mitarbeiter. Die Firma montiert die Tankanlagen, fertigt sie aber nicht selbst.

  • So geht es ihnen: Die Aufträge kommen mittlerweile aus dem ganzen Bundesgebiet. Neben Tankstellen an Autobahnen bauen die Geislers auch für kommunale Betriebe und Verkehrsgesellschaften die benötigen Tanks und Industrieanlagen auf. Für die Enteisung der Flugzeuge und der Start- und Landebahnen am Flughafen Dortmund haben sie die Tanks und Pumpen aufgebaut, ebenso die Anlage zur Bootsbetankung an der Marina Rünthe. Allerdings: Das Unternehmen sieht sich mit dem Fachkräftemangel konfrontiert. „Wir könnten locker zwei, drei Leute einstellen. Wir brauchen dringend jüngere Leute, die wir einarbeiten können“, sagt Uwe Geisler. Der Großteil der Belegschaft ist seit Jahrzehnten im Betrieb – erfahrene Mitarbeiter, deren Wissen die Geisler nicht verlieren möchte, wenn viele der Kollegen in ein paar Jahre in Rente gehen. „Wir suchen Elektriker, Schlosser und Heizungsbauer, denn den Beruf ‚Tankstellen-Bauer‘ gibt es nicht. Das lernt man beim Einarbeiten.“
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