Unnaer Arzt behandelt 700 Patienten in fünf Tagen

Hilfsaktion für Indien

Spitzenmedizin, für jeden zugänglich - was in Deutschland glücklicherweise alltäglich ist, ist in Indien die Ausnahme. Gerade die Menschen in den Slums warten oft lange Zeit auch medizinische Hilfe. Dr. Robin Banerjee aus Unna hilft vor Ort.

Unna/Neu Delhi

, 15.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Unnaer Arzt behandelt 700 Patienten in fünf Tagen

Wenn Dr. Robin Banerjee mit seinen Kollegen in den Slums von Neu Delhi unterwegs ist, stehen die Patienten Schlange um behandelt zu werden. „Deutsche Ärzte haben da einen guten Ruf“, erklärt der Hals-Nasen-Ohren-Facharzt. Privat © privat

Indien war im September das Ziel von Dr. Robin Banerjee. Nach 2014 und 2016 reiste der Hals-Nasen-Ohren-Arzt erneut in das Heimatland seines Vaters, um Kindern in den Slums von Neu Delhi eine Facharztbehandlung zu ermöglichen. 15 Stunden dauerte die Reise, und viel Schlaf bekam der 43-Jährige nach der Ankunft um 3 Uhr nicht. Schon um 7 Uhr holte ihn das orts- und sprachkundige Team ab, dem er sich angeschlossen hatte.

 Flüge und Unterkünfte zahlte Banerjee selbst. Durch ein Projekt, das auch der Lions Club Unna Via Regis jährlich mit etwa 1500 Euro unterstützt, gibt es in Neu Delhi seit 2010 ein festes, zwölf Quadratmeter großes Medical-Center am Bahnhof. Seit 2011 ist auch ein mobiles Team unterwegs, das am Tag ganz gezielt zwei Bezirke ansteuert. „Das sind ein Allgemeinmediziner, eine Krankenschwester und ein Sozialarbeiter“, berichtet Banerjee im Gespräch mit unserer Zeitung. Er begleitete die Gruppe als Facharzt, behandelte aber nicht nur die Krankheiten, sondern zeigte seinem Kollegen vor Ort auch, wie dieser so manches mit Medikamenten alleine in den Griff bekommen kann.

Dankbarkeit ist der Lohn

„Bei einigen hilft aber tatsächlich nur eine Operation“, erklärt Banerjee. Das würde in Indien auch gut gemacht. „Aber man muss schon lange warten. Einen ganzen Tag muss man anstehen, um registriert zu werden, und dann den nächsten Tag auch nochmals komplett, um einen Termin zu bekommen. Und wann er ist, kann man nicht vorhersagen. Das ist schon wirklich extrem“, so der Fachmediziner.

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Häufig stellte er bei den jungen Patienten Trommelfellperforationen oder chronische Entzündungen fest, auch Verwachsungen bekam er im Vergleich zu seinem Alltag in Deutschland häufiger und auch ausgeprägter zu sehen. „Auch manche Infekte sind dort sehr weit fortgeschritten. So etwas sieht man hier nicht und kennt das eigentlich nur aus den Fachbüchern“, sagt Banerjee. Doch das mache den Auslandseinsatz aus medizinischer Sicht dann auch spannend. „Die Leute sind so dankbar und strahlen wirklich über beide Backen, weil sie wissen, dass ihnen geholfen wird“, erzählt Banerjee, dessen Augen dabei selbst zu leuchten beginnen. „Man verändert dort zwar nicht die Welt, aber man tut etwas Gutes. Eigentlich nur eine Kleinigkeit, die aber für die Leute einen Unterschied macht.“

Er selbst sei „immer erschlagen, wie viele Leute dort kommen“. Etwa 700 Kinder und Jugendliche behandelte er in den fünf Tagen vor Ort. Die Schlange der Patienten riss nie ab. „Ärzte aus Deutschland haben dort einfach ein gutes Image.“

Bildung ist auch wichtig

Während die Menschen warten, oder vor oder nach der Behandlung, vermittelt der Sozialarbeiter Wissensgrundlagen wie Rechnen und Schreiben. „Ziel des Projektes ist es auch, die Kinder zu motivieren und die Eltern davon zu überzeugen, dass sie in die Schule gehen“, erklärt der Unnaer Facharzt.

Er selbst verständigt sich in Indien auf Englisch, die Menschen in den Slums sprechen aber meist Hindi. „Einfache Sachen wie ‚Alles in Ordnung‘ kann ich sagen, aber wenn es um die Erklärung einer Diagnose oder die Medikamentierung geht, dann übersetzt einer aus dem Team.“

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