Ein Museum als Ort für ein spektakuläres Selfie? Was ungewöhnlich klingt, dürfte dank der diesjährigen Preisträgerin des „International Light Art Award“ in den nächsten Monaten in Unna Realität werden.

Unna

, 07.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Wo endet der Raum, wo fängt er an? Ist oben wirklich oben oder geht es da noch weiter? - Wer in Jacqueline Hens Installation „Light High“ steht, dem drängen sich diese Fragen förmlich auf. Und ja, der Betrachter steht nicht vor, sondern in der Installation der jungen Künstlerin, die am Freitagabend mit dem „International Light Art Award“ ausgezeichnet wurde.

Die Ausstellung

Werke sind bis November zu sehen

  • Die Werke der drei Finalisten des „International Light Art Award“ sind bis zum 10. November im Zentrum für Internationale Lichtkunst zu sehen.
  • Die Studentenausstellung läuft bis zum 31. August.
  • Erstmals gibt es in diesem Jahr auch einen Publikumspreis. Besucher der Ausstellung können ihre ganz persönlichen Favoriten unter den drei Finalisten wählen - und dabei eine Reise nach Barcelona gewinnen.

Schwarze Fliesen, waagerecht und senkrecht durchzogen von weiß leuchtenden Lichtleisten, schaffen im Gewölbe des Lichtkunstzentrums einen völlig neuen Raum - wer jemals dort unten war, wird den Bereich nicht wiedererkennen. Jacqueline Hen spielt ganz bewusst mit der Wahrnehmung des Betrachters: So führt ein Laufsteg in ihr Kunstwerk hinein, rundherum steht Wasser. Das spiegelt nicht nur die schwarzen Fliesen samt Lichtleisten, sondern bricht auch das weiße Licht in alle Farben des Regenbogens auf. Es sind unheimlich viele Eindrücke, die in „Light High“ auf den Betrachter einprasseln.

Unna zeigt Lichtkunst mit hohem Selfie-Faktor

Unendlich scheint der Raum, den Jacqueline Hen mit „Light High“ geschaffen hat. © Udo Hennes

„Mein Ziel war es, die menschliche Wahrnehmung in einen Grenzbereich zu führen“, erklärt die Künstlerin. Das ist eindrucksvoll gelungen: Der künstlich geschaffene Raum wirkt unendlich, erweitert sich ständig und lässt Zeit und Raum verfließen. Für John Jaspers, Direktor des Zentrums für Internationale Lichtkunst, ist schon jetzt klar: „Das hier wird garantiert ein Selfie-Hotspot in der Ausstellung.“

„Ich bin unglaublich stolz auf die Installationen, die wir dieses Mal dabei haben.“
John Jaspers, Direktor des Zentrums für Internationale Lichtkunst

Leuchtende Spinnweben im Gewölbekeller

Eigentlich dürfte das auch für das Werk von Yasuhiro Chida gelten - wenn es denn nicht so schwer zu fotografieren wäre. Auch sein Kunstwerk „Myrkvior“ ist begehbar, aber nur auf einem einzigen Weg. Der führt mitten durch ein Netzwerk im wortwörtlichen Sinne: Wie Spinnweben ziehen sich feine Fäden durch den Gewölbekeller und reflektieren das Licht einer einzelnen Lampe, die auf einer kreisförmigen Bahn ihre Runden dreht. Wer den Raum betritt, hat das Gefühl, in den unendlichen Weiten des Weltraumes zu stehen - die kleinen Lichtpunkte, die die Reflektion der Lampe auf den Fäden erzeugt, wirken wie tausend Sterne.

Unna zeigt Lichtkunst mit hohem Selfie-Faktor

Wie Sterne wirken die Lichtreflektionen auf den tausenden Bindfäden, die der Japaner Yasuhiro Chida für sein Werk „Myrkvior“ durch das Gewölbe gespannt hat. © Udo Hennes

Die dritte Arbeit, die es in das Finale des „International Light Art Award“ schaffte, spielt dagegen mit etwas ganz anderem: mit der Abwesenheit von Licht. Das Künstlerduo Charlotte Dachroth und Ole Jeschonnek hat dazu quasi ein schwarzes Loch erschaffen: „Negative Space of Light“ heißt ihre Installation, bei der der Betrachter bestimmt, was er sieht.

Unna zeigt Lichtkunst mit hohem Selfie-Faktor

Die Abwesenheit von Licht ist ein schwarzes Loch: Je nachdem, wo der Betrachter steht, wandert es über die Leinwand. „Negative Space of Light“ hat das Künstlerduo Charlotte Dachroth und Ole Jeschonnek sein Werk genannt. © Udo Hennes

Durch einen riesigen Reifen blickt der Betrachter auf eine Fläche voller Licht - und eben jenes kleine, schwarze Loch, in dem das Licht abwesend ist. Das Loch wandert, je nachdem, von wo der Betrachter es beobachtet. Über die technische Umsetzung und die Kunst, wie man die Abwesenheit des Lichts zeigt, schweigen die Künstler bewusst - die Magie soll schließlich wirken.

Neu in diesem Jahr: Die Studentenausstellung

Wie ein roter Faden zieht sich die Interaktion des Betrachters mit den Kunstwerken durch die Ausstellung - und das gilt auch und vor allem für jenen Teil des „International Light Art Award“, der in diesem Jahr neu dazugekommen ist: „Wir haben in diesem Jahr erstmals auch eine Studentenausstellung dabei“, erklärte John Jaspers, „sieben Studenten von verschiedenen Kunsthochschulen aus Deutschland und Österreich zeigen ihre Werke zum Thema Innovation und Nachhaltigkeit.“

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International Light Art Award 2019

Und so kommt es, dass plötzlich ein Kugelblitz durch den Säulenkeller schießt und ausgediente Handydisplays in einer Ecke flackern: Die jungen Nachwuchskünstler beweisen Kreativität und Spielfreude. So nutzt Dawid Liftinger von der Kunsthochschule für Medien aus Köln alte Kamerablitze, um seinen Kugelblitz in ein schwingendes Pendel mit Lichteffekten zu verwandeln. Während die Kugel hin und her schwingt, bleiben die von ihr ausgeworfenen Lichtblitze quasi im Raum stehen - die besondere Architektur des Säulenkellers verstärkt diesen Effekt noch.

Unna zeigt Lichtkunst mit hohem Selfie-Faktor

Nein, nicht viele kleine Röntgenbilder, sondern ausrangierte Handydisplays bilden die Basis des Kunstwerks des Studenten Friedrich Böll. © Udo Hennes

Nur wenige Meter entfernt hat Friedrich Boell, ebenfalls Student der Kunshochschule für Medien aus Köln, aus ausrangierten Handydisplays eine Installation gezaubert, die auf den ersten Blick wie tausend kleine Röntgenbilder wirkt. Um die Intention hinter Ashley Morgans Installation zu begreifen, braucht es zwei Menschen: Die fünf versetzt hintereinander aufgehängten Dreiecke flackern unkontrolliert vor sich hin - bis sich an ihrem Ende und Anfang zwei Menschen gegenüberstehen; dann wird ihr Licht ruhig und konstant.

Unna zeigt Lichtkunst mit hohem Selfie-Faktor

Stehen sich zwei Menschen im Werk der Studentin Ashley Morgan gegenüber, wird das Licht der ansonsten flackernden Dreiecke ruhig. © Udo Hennes

Zwei Staubsaugerroboter, die nicht mehr staubsaugen können, dafür aber eine fluoreszierende Lichtlinie zwischen sich konstant aufrecht erhalten, egal wo sie sich im Raum - einem Gärbecken- bewegen und eine Lampe, die die Netzfrequenz des Stroms sichtbar macht: Auch das sind Werke der Studenten-Ausstellung, die den „International Light Art Award“ eindeutig bereichert.

Der „International Light Art Award 2019“ ist eine Ausstellung, die vor allem zu einem einlädt: Zum Staunen und einfach „Auf-Sich-Wirken-Lassen.“

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