Sie sind Pioniere in ihrer Szene: André Klunder und Samira Zaidan stehen kurz davor, in Unna eine Erlebnishalle für das Drohnenfliegen anzubieten. Es dürfte die erste dieser Art in Deutschland sein.

Unna

, 05.02.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn er Menschen trifft, die angesichts von Fachbegriffen wie „Quadrocopter“, „FPV-Racing“ und verschiedenen „Courts“ hilflos den Kopf schütteln, dann greift Andre Klunder gerne zu dem Minigolf-Vergleich. „Beim Minigolf absolviere ich verschiedene Strecken mit einem Ball und Schläger. Im Grunde mache ich beim FPV-Racing nichts anderes, nur eben mit einem Copter und einem Steuerungselement“, erklärt der 34-Jährige das, was in Kürze in Unna die Massen begeistern soll.

Update

Termin wird verschoben

  • Das ursprünglich für den 9. Februar angekündigte Event von Droners in einer Lagerhalle in Unna muss wegen „unvorhergesehenen technischen Problemen“ abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
  • „Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben“, kündigen Andre Klunder und Samira Zaidan an.

Der Minigolf-Vergleich zieht: Das Schieben, Schlagen und kunstvolle Bugsieren des kleinen Balls über Hindernisse, durch Tunnel und Sandhaufen ist seit Jahrzehnten ein Sport, der Jung und Alt zusammenbringt. Genau das funktioniert auch beim FPV-Rennen mit Multicoptern, davon sind Andre Klunder und Samira Zaidan fest überzeugt.

„Das haben wir alles selbst gebaut“, sagt Samira Zaidan nicht ohne Stolz. Lichtbögen, Tunnel, Steilkurven und die Buchstaben des Wortes „Zukunft“ bilden schon einen fertigen Parcours. Im schummrigen Dämmerlicht einer Lagerhalle bilden Lichtschläuche auf dem Boden die Wegweiser für die kleinen Minicopter, die auf diesem Parcours fliegen.

Patrick Patschinsky und Tom Bärhold heißen die beiden, die diesen Parcours testen dürfen. Streng genommen tun sie dies unter ihren Pilotennamen: „PatchinoFPV“ und „TorpedoTomFPV“ sind längst Mitglieder jener Szene, die sich auf das Fliegen mit den kleinen Kamerarobotern spezialisiert hat.

Unna wird zum Szenetreffpunkt für Drohnenflieger

Freuen sich auf den Kennlerntag in Unna: Andre Klunder, Samira Zaidan, Tom Bärhold und Patrick Patschinsky (von links). Den ersten Parcours haben sie in der Halle bereits aufgebaut. © Udo Hennes

„Das muss man schon echt lernen, das hat nicht mit den Drohnen zu tun, die viele vielleicht kennen und die Fotos aus der Luft machen. Das Ding hier ist wie ein Stein in der Luft, wenn du nicht weißt, wie du ihn steuern musst“, erklärt der 23-jährige Tom Bärhold.

Dass die meisten Menschen, wenn sie das Wort „Drohne“ hören, an „diese Dinger, die über meinen Garten fliegen und Fotos machen“, denken, wissen die FPV-Copter-Flieger nur zu gut. „Klar, daran denken erstmal alle“, sagt Samira Zaidan, „aber das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.“

Unna wird zum Szenetreffpunkt für Drohnenflieger

Immer dem Licht nach: Die Drohne muss dem Lichtschlauch folgen; dabei geht es unter Bögen hindurch und über Wände hinüber. © Udo Hennes

Rasant jagen die kleinen Flugobjekte über den Parcours - auf dem großen, der sich sicherheitshalber hinter einem Fangnetz befindet, werden die Multicopter schon mal bis zu 80 Stundenkilometer schnell.

Kurz erklärt

Das ist in Deutschland mit FPV-Coptern erlaubt

  • Bis zu einer Startmasse von 250 Gramm darf mit einem Copter mit einer FPV-Brille eine Flughöhe von 30 Metern nicht überschritten werden.
  • Bei einer Masse von über 250 Gramm muss zusätzlich eine weitere Person den Copter ständig in Sichtweite haben.
  • Diese Regeln gelten für den Einsatz draußen.

„Man muss dann echt überlegen, ob man das Risiko eingeht, den anderen zu überholen“, schildert Alexander Hörning die Taktik des Rennens, „wenn die Copter sich dabei berühren, kann das einen üblen Crash geben.“ Doch sogar dafür gibt es beim FPV-Rennen Anerkennung: Bei Wettkämpfen wird auch regelmäßig der Pokal für den „spektakulärsten Crash“ vergeben.

Wessen Copter eine Bruchlandung hingelegt hat, der muss meistens den Werkzeugkoffer rausholen. Im Fall von Alexander Hörning ist das ein ziemlich schwerer, gut gepolsterter Rucksack. „Da ist alles drin: Pinzetten, Akkus, Ladegeräte und Ersatzpropeller“, erklärt der 22-jährige Pilot. Auch einen Lötkolben hat er immer dabei, wenn er Fliegen geht. „Ja, ein gewisses technisches Verständnis sollte man schon haben“, gibt er zu.

Ihn führte ausgerechnet ein abgestürzter Multicopter zu dem Drohnenrennsport. „Ich hatte im Netz gelesen, dass jemand im Neheimer Wald einen abgestürzten Copter gefunden hatte und sich fragte, wo diese Geräte überhaupt legal fliegen dürfen“, erzählt Hörning. Er verfolgte die Diskussion, die entstand, und schrieb den Finder irgendwann aus Neugier an. „Naja und dann war ich sofort vom Virus gepackt und habe mir einen ersten Copter gekauft, später dann angefangen zu bauen.“

Kurz erklärt

Das bedeuten die Fachbegriffe

  • Quadrocopter/Multicopter: Dabei handelt es sich um das Fluggerät, mit dem die Piloten fliegen. Die Geräte haben vier (Quadrocopter) oder mehr (Multicopter) Rotoren, die in einer Ebene angeordnet sind. Diese werden durch Vortrieb angetrieben oder auch geneigt. Ein Copter kann senkrecht starten und landen.
  • FPV: In der Halle in Unna sollen „FPV“-Rennen stattfinden. „FPV“ ist die Abkürzung für „first person view“, was übersetzt „Ich-Perspektive“ bedeutet. Beim Drohnenfliegen bedeutet dies, dass die Perspektive des Quadrocopters dem Piloten live übertragen wird, meistens auf eine Videobrille. Bei großen Rennen werden diese Bilder auch auf Bildschirme im Zuschauerraum übertragen: So können die Zuschauer sowohl „von Außen“ auf den fliegenden Copter gucken, als auch die Perspektive des Copters selbst sehen. Auch in der Halle in Unna ist das geplant.

Wie repariere ich einen defekten Propeller? Lässt sich die Geschwindigkeit optimieren? - Solche Fragen klären die Piloten untereinander, jeder weiß irgendwas, das der andere noch nicht kennt und hilft mit Tipps weiter. Es ist eine interagierende, sehr kommunikative Szene.

„Das ist ja auch das Schöne an einer Halle“, findet Patrick „PatchinoFPV“ Patschinsky, „man ist hier zusammen und kann sich austauschen und steht eben nicht alleine irgendwo auf dem Feld herum.“ Dass man in einer Halle auch keine kalten Hände beim Drohnenfliegen bekommt, ist ein zusätzlicher netter Effekt. Aus Bönen, Dortmund und Bochum kommen die drei Piloten; der Weg nach Unna war für sie keine lange Überlegung, als sie hörten, dass hier bald möglicherweise ein „Indoor“-Spielplatz für Drohnen entstehen soll. „Bisher fliegen wir draußen oder halt mal in Turnhallen“, erzählt Tom „TorpedoTomFPV“ Bärhold, „so etwas wie diese Halle gab es bisher nicht.“

In Belgien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich seien solche Hallen bereits auf dem Markt, weiß Andre Klunder. „Und natürlich in den USA, aber da ist die gesamte Szene bereits viel weiter und größer.“

Er und Samira Zaidan haben sich viel von der US-amerikanischen FPV-Racing-Szene abgeschaut. „Wir glauben, dass unser Konzept, was wir daraus entwickelt haben, hier funktionieren wird, weil es auf die Masse zielt.“ Schulklassen, Firmen, Vereine - sie alle sollen die Drohnen-Halle als Freizeiteinrichtung kennenlernen und nutzen. Tatsächlich habe er schon jetzt Anfragen von Vereinen und Schulen, die den Copter-Sport für sich entdecken wollen, sagt Klunder.

Zaidan und Klunder arbeiten als Lehrer - kein Wunder also, dass sie in ihrer Halle auch Anfängerkurse für Copter-Neulinge anbieten wollen.

„Die richten sich an alle Altersklassen, wie die ganze Halle überhaupt etwas für Jung und Alt sein soll. Copter fliegen ist nicht nur etwas für Jugendliche, wir haben Piloten im Alter von 13 bis 58 Jahren dabei“, betont Andre Klunder. Minigolf spielen Opa und Enkel ja schließlich auch gemeinsam.

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