Unna sucht die nervigste Kreuzung

dzVerkehr in Unna

Ständig Rot zur falschen Zeit, Staus, die sich kaum auflösen, Kreisel, die nicht „rund“ laufen. Anlass zum Aufregen liefern viele Kreuzungen in Unna. Wir suchen die nervigste.

Unna

, 05.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wer auf dem Weg zur Arbeit oder zum Termin ohnehin schon spät dran ist, für den ist jede rote Ampel eine Katastrophe. Mancher Pendler schimpft aber auch immer wieder an derselben Kreuzung. Wir begeben uns auf die Suche nach Unnas nervigstem Verkehrsknotenpunkt. Hier sind die Favoriten unserer Redaktion.

Auf dem Weg von Kamen nach Unna wird aus zwei Fahrspuren eine. Hier, hinter der Karree-Kreuzung, können Autofahrer in Stress geraten.

Auf dem Weg von Kamen nach Unna wird aus zwei Fahrspuren eine. Hier, hinter der Karree-Kreuzung, können Autofahrer in Stress geraten. © Neumann

Dirk Becker (44), Reporter

Die Kreuzung am Kamen-Karree passiere ich jeden Tag mindestens zweimal, gelegentlich noch öfter. Was mir auffällt: Aus nahezu jeder Richtung muss ich eine halbe Ewigkeit warten. Unverständlich, wenn aus den Richtungen, die dann Grün haben, niemand kommt. Okay, dann braucht man eben Geduld – das wäre vielleicht noch hinnehmbar. Was wirklich nervt, ist der Stress, der aufkommt, wenn ich aus Kamen in Richtung Königsborn fahre. An der Ampel kommt es zu hektischen Startmanövern, weil die Autofahrer auf der linken Spur noch schnell vor den Autos auf der rechten Spur einscheren wollen. Weil die linke Spur auf der Kamener Straße kurz nach der Ampel endet, kommt es zu Wettrennen, die mich einfach nur stressen.

An dieser Fußgängerampel an der Friedrich-Ebert-Straße müssen Fußgänger viel Geduld haben.

An dieser Fußgängerampel an der Friedrich-Ebert-Straße müssen Fußgänger viel Geduld haben. © Anna Gemünd

Anna Gemünd (33), Reporterin

Drei Minuten. Wenn meine Uhr nicht falsch geht, habe ich an dieser Ampel tatsächlich mal drei Minuten gewartet, bis sie Grün zeigte – und das als Fußgänger. Die Fußgängerampel an der Friedrich-Ebert-Straße im Bereich der Luisenstraße ist für mich ein zweischneidiges Schwert: Als Auto fahrende Reporterin, die schnell zu einem Termin muss, ärgert mich dieses Ausbremsen auf den ersten Metern enorm.

Allerdings weiß ich auch: Dass diese Ampel tatsächlich mal Rot für Autofahrer zeigt, ist eher selten der Fall. Wer hier als Fußgänger die viel befahrene Friedrich-Ebert-Straße überqueren will, braucht seeeehr viel Geduld. Ich gebe zu: Die habe ich meistens nicht und quere die Straße lieber flugs zwischen zwei Autos hindurch huschend an anderer Stelle. Sinn der Sache kann das nicht sein.

An der B1-Kreuzung Heinrich-Hertz-Straße müssen Autofahrer nachts mitunter auf kurzfristiges Rotlicht reagieren.

An der B1-Kreuzung Heinrich-Hertz-Straße müssen Autofahrer nachts mitunter auf kurzfristiges Rotlicht reagieren. © Marcel Drawe

Gabriele Hoffmann (62), Editorin

Mitternacht auf der B1. Ich fahre von Unna Richtung Osten nach Hause. Außer mir und meinem Auto sind weder andere Fahrzeuge noch Menschen oder Tiere unterwegs. Die Ampel an der Stadtwerkekreuzung leuchtet grün in die Nacht, wenige – gefühlte – Zentimeter vor der Kreuzung springt das Licht auf Rot. Ich habe kaum das Bremspedal durchgetreten, im Bruchteil einer Sekunde ist es schon wieder grün – völlig umsonst gebremst und wieder angefahren. Diese Ampelschaltung ist wirklich ärgerlich und kostet unnötig Energie. Die Ampel sollte in den Abend- und Nachtstunden, wenn wenig Verkehr herrscht, ausgeschaltet werden.

An der neuen Kreuzung Hansastraße/Hochstraße messen Autofahrer mitunter eineinhalb Minuten Wartezeit.

An der neuen Kreuzung Hansastraße/Hochstraße messen Autofahrer mitunter eineinhalb Minuten Wartezeit. © Neumann

Michael Neumann (61), Freier Mitarbeiter

An der neuen Kreuzung Hansastraße/Hochstraße wurde vor nicht allzu langer Zeit nach mehr als einjähriger Bauzeit eine neue Kreuzungs-Ampel installiert, die einen besonders nachts nervt. Tagsüber geht es noch, aber nachts ist es grausam. Nicht selten stehen gleichzeitig Fahrzeuge auf der Hansastraße von West und Ost, sowie auf dem Schwarzem Weg aus nördlicher Richtung vor einer roten Ampel. Nur der Verkehr auf der Hochstraße aus Richtung Süden hat als Links- oder Rechtsabbieger Grün, auch wenn keine Fahrzeuge kommen. Mitunter steht man hier schon mal eineinhalb bis zwei Minuten vor Rot.

Der Kreisverkehr an der Max-Planck-Straße zwischen Indupark und B1 liegt an einer Steigung.

Der Kreisverkehr an der Max-Planck-Straße zwischen Indupark und B1 liegt an einer Steigung. © Neumann

Sebastian Pähler (39), Freier Mitarbeiter

Für Ortsunkundige kann der Kreisverkehr im Industriepark herausfordernd sein. Nicht wenigen, die eigentlich von der Werler Straße auf die Autobahn wollen, fällt es schwer, die richtige Abbiegespur zu finden. Eine aus einem Irrtum resultierende Kurzschlusshandlung endet häufig in einem wilden Hupkonzert geschnittener Verkehrsteilnehmer oder einer Extrarunde im Kreisel.

Aber auch Anlieger haben mit der scharfen Kurve in der relativ steilen Hanglage so ihr Leid. Ich fahre regelmäßig durch den Kreisel, muss meistens zu drei Vierteln durchfahren, um dann in die südliche Max-Planck-Straße abzubiegen. Wie schnell ich dabei eigentlich nicht fahren wollte, fällt mir meistens erst dann wieder ein, wenn ich höre, wie meine Einkäufe im Kofferraum umkippen.

Der Ast Viktoriastraße am Kreishauskreisel ist eine der umstrittensten Stellen im Unnaer Straßennetz.

Der Ast Viktoriastraße am Kreishauskreisel ist eine der umstrittensten Stellen im Unnaer Straßennetz. © Udo Hennes

Thomas Raulf (40), Reporter

Durch den Kreishauskreisel fahre ich jeden Tag mindestens einmal. Der Hinweg morgens ist für mich überhaupt nicht dramatisch, obwohl ich über die Viktoriastraße fahre. An der provisorischen Ampel muss ich eben mal halten, mal nicht. Und lange dauert dieser Stopp auch nicht.

Aber die andere Richtung hat es in sich. Der Rückstau aus dem Kreisverkehr bis in den Ringtunnel ist gefühlt immer dann lang und zäh, wenn ich es eilig habe.

Bin ich doch mal endlich durchgerutscht in den Kreisverkehr, dann finde ich die Ausfahrt zur Viktoriastraße problematisch. Ist die Versuchs-Ampel grün, dürfen Autofahrer ja eigentlich einfach weiterfahren. Aber es ist sehr unübersichtlich dort: Als Fahrer sehe ich aus dem Augenwinkel die durcheinander stehenden Absperrbaken, dahinter oft viele wimmelige Radfahrer und Fußgänger aus zwei Richtungen. Warten die wirklich alle? Was ist, wenn mir jemand vors Auto springt? Wenn ich nun vorsichtig umherblickend aus dem Kreisel rolle, hupt meist von hinten schon einer dieser ungeduldigen Autofahrer. Nervig!

Ist die Ampel an der B1-Kreuzung Iserlohner Straße intelligent geschaltet? Bei Autofahrern, die dort regelmäßig herfahren, kommen schon mal Zweifel auf.

Ist die Ampel an der B1-Kreuzung Iserlohner Straße intelligent geschaltet? Bei Autofahrern, die dort regelmäßig herfahren, kommen schon mal Zweifel auf. © Neumann

Volker Stennei (58), Chefredakteur

Bisweilen liegen Intelligenz und Dummheit nah beieinander. Gerade einmal 3,2 Kilometer beträgt die Distanz auf der Iserlohner Straße in Unna. Wie skeptisch war ich, als eine intelligente Signalanlage auf der Wilhelmshöhe installiert wurde, um das ständige Verkehrschaos aufzulösen. Wer aus Fröndenberg-Frömern kam, brauchte morgens mindestens zehn Minuten, um rechts Richtung Unna abbiegen zu können. Ganz arm dran waren die Autofahrer, die geradeaus Richtung Billmerich ihren Weg fortsetzen wollten. Nicht selten verloren Autofahrer die Nerven und es krachte im Kreuzungsbereich. Und dann das: Seit Dezember 2015 gibt es dort ständig fließenden Verkehr, weil die Ampel passgenau auf die Verkehrsströme reagiert. Das sichert zehn Minuten länger schlafen.

Ihre Meinung

Mitmachen: Welche Kreuzung ist die nervigste?

  • Welche Ampel in Unna nervt Sie am meisten? Welcher Kreisverkehr läuft nicht run? An welcher Kreuzung verbringen Sie zu viel Zeit? Schreiben Sie uns Ihre Meinung per E-Mail an unna@hellwegeranzeiger.de.
  • Mit Ihrer Hilfe wollen wir die nervigste Kreuzung ermitteln und herausfinden, wie sie entschärft werden kann.

Das Glücksgefühl endet 3200 Meter weiter jäh: Die Ampel Iserlohner Straße/ B1 ist mein Musterbeispiel dafür, wie schlecht eine Ampelregelung auch sein kann. Die Linksabbiegespur zu kurz, keine extra Grünphase für eben jene Linksabbieger, die aus Richtung Wilhelmshöhe kommen. Die Folge: Stau zurück häufig sogar über den Kreisverkehr hinaus. Genervte Autofahrer, die über die Fahrradspur irgendwie näher an die Kreuzung gelangen wollen, weil sie nur geradeaus in Richtung City fahren wollen. In der Regel geht zu den Stoßzeiten das auch nicht, weil die Linksabbieger alles verstopfen müssen. Schon 20 Sekunden Extra-Grünphase für Linksabbieger würden das Problem dramatisch entschärfen.

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