Kaputte Straßen in Unna: Stadt verschiebt Sanierung wegen Viktoriastraße um drei Jahre

dzStraßenschäden

Durch ein Urteil hat die Viktoriastraße Priorität. Um drei Jahre verschiebt die Stadt Unna deswegen die Sanierung von Straßen, obwohl diese kaputt sind. Es gibt aber Schlaglochstrecken, die können nicht warten.

Unna

, 07.11.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte festgestellt, dass ein Anwohner der Viktoriastraße im Streit mit der Stadt Unna Recht hat: Die Erschütterungen durch Lastwagen sind so stark, dass sie das Maß des Zumutbaren überschreiten. Die Sanierung ist nun für die Stadt dringend. Sechs marode andere Straßen müssen deswegen warten. Jetzt teilt die Stadt mit, für wie lange: drei weitere Jahre.

Kaputte Straßen mindestens 45 Jahre alt

Märkische Straße, Massener Dorfstraße, Saarbrücker Straße, Bergische Straße, Wilhelminenstraße und Buschstraße sind alt und in einem schlechten Zustand. Volker Kahlert vom Unnaer Tiefbauamt geht davon aus, dass sie alle mindestens 45 Jahre alt sind. Nicht umsonst wurden sie einmal in das städtische Investitionsprogramm aufgenommen und im Haushalt mit Planungs- und Sanierungskosten hinterlegt.

Märkische Straße wäre die erste gewesen

Als erste sollte im kommenden Jahr die Märkische Straße im Viertel zwischen dem Busbahnhof und der Achse Uhlandstraße/Hellweg in Angriff genommen werden. Eine grobe Vorplanung liegt laut Kahlert für diese wie für die anderen Straßen vor. Der nächste Schritt wäre bald eine Anliegerversammlung zur Märkischen Straße gewesen.

Wenn Straßen von Grund auf erneuert werden, müssen Anlieger einen Teil der Kosten tragen, und sie werden an der Planung beteiligt. Ab 2023 werde die Stadt die Planung für die betroffenen sechs Straßen nun weiter vorantreiben. Was das Rathaus als Eigenanteil bezahlt hätte, soll umgeschichtet werden zur Viktoriastraße.

Burgviertel und Gürtelstraße können nicht warten

Drei weitere Projekte aber sollen unabhängig vom Problem Viktoriastraße weiter vorangetrieben werden. Die Sanierung der Burgstraße und Kleinen Burgstraße sei in der Planung schon sehr konkretisiert und soll wie geplant ablaufen, so Kahlert. Der Neubau ist für 2020 vorgesehen.

Auch an ihrer Planung für die Gürtelstraße will die Stadt nicht rütteln. „Die ist so marode, die muss neu gebaut werden“, sagt Kahlert. 2021 soll das geschehen. Nächstes Jahr soll die Feinplanung erledigt werden, zuvor eine Bürgerversammlung stattfinden. Auch hier müssen Anlieger einen Teil der Kosten tragen.

Unwirtschaftliche Asphaltflicken

Aber sind nicht beispielsweise die Saarbrücker oder die Märkische Straße auch so kaputt gefahren, dass die Stadt dringend handeln müsste? Schlaglöcher in den Straßen, die verschoben werden, müssten natürlich nun für einen längeren Zeitraum geflickt werden, sagt Kahlert. „Das ist unwirtschaftlich. Aber es geht nicht anders.“

Kaputte Straßen in Unna: Stadt verschiebt Sanierung wegen Viktoriastraße um drei Jahre

Die Gürtelstraße kann aus Sicht der Stadt nicht warten: Sie soll wie geplant saniert werden. © Raulf

Schnelle Sanierung im öffentlichen Interesse

Aufgrund des Gerichtsurteils sieht sich die Stadt zur vorgezogenen Sanierung der Viktoriastraße gezwungen. Das erklärt das Rathaus so: Laut Gericht muss die Stadt die festgestellten Erschütterungen für den klagenden Anwohner auf ein erträgliches Maß reduzieren. Laut Stadtsprecher Oliver Böer handelt es sich um eine Ermessensentscheidung. Dabei müsse das gerichtlich festgestellte Interesse des Anwohners mit dem öffentlichen Interesse abgewogen werden. Deswegen sei eine Vollsperrung der Straße nicht möglich.

Das kürzlich verhängte Tempolimit für längere Zeit aufrecht zu halten, erscheint der Stadt aber auch nicht richtig. Das sei nur eine Interimslösung. Der Verkehr soll eigentlich nicht derart eingeschränkt werden, auch das gilt als öffentliches Interesse. So bleibt nur der schnellstmögliche Neubau der Straße.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Autobahnbaustelle

Betonschere und Steinmeißel: So soll der Abriss der Autobahnbrücke am Afferder Weg ablaufen

Hellweger Anzeiger Straßenverkehr

Durchgehendes Tempolimit für Unna überzeugt nicht jeden, „Rennstrecken“ aber auch nicht

Meistgelesen