Wer einigermaßen korrekt Auto fahren will in Unna, der blickt inzwischen kaum noch durch. Die unterschiedlichen Tempolimits bilden einen Flickenteppich. Und die Viktoriastraße könnte Ansprüche wecken.

Unna

, 29.10.2019, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Höchstgeschwindigkeit von 20, nachts und für Laster mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht, ist die jüngste Errungenschaft im Straßenverkehr der Stadt Unna. Dieses neue Limit gilt nun auf dem geraden Stück der Viktoriastraße zwischen dem kleinen Kreisverkehr und der Höingstraße. Erstmals in Unna hat ein Gericht das Tempo angeordnet: Das Verwaltungsgericht hat einem Anwohner der Viktoriastraße Recht gegeben und festgestellt, dass Lärm und Erschütterungen durch Lkw-Verkehr das zumutbare Maß überschreiten. Die Stadt muss handeln und sieht sich gezwungen, das ungewöhnliche 20er-Limit anzuordnen.

Wunsch nach Ruhe auch an anderen Straßen

Bisher offen ist, welche Signalwirkung das Urteil und seine Folgen haben. Womöglich wurde ein Präzedenzfall geschaffen. Auch manche Anwohner anderer Straßen haben sich in der Vergangenheit schon über negative Auswirkungen des Schwerverkehrs beschwert. Werden nun die Ansprüche aller Bürger geprüft, die an stark befahrenen Straßen ihre Häuser haben? Das Rathaus ließ diese Frage am Dienstag noch unbeantwortet.

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Viele Wünsche nach mehr Ruhe

Wünsche gäbe es genug. So wurde am Ostring schon vor Jahren auf Gebäudeschäden hingewiesen, die Hausbesitzer auf Erschütterungen durch schwere Fahrzeuge zurückführen. Dem Wunsch, das Maximaltempo dort auf 30 zu reduzieren, ist die Stadt bisher nicht nachgekommen. Dem Vernehmen nach klirren immer noch Gläser in den Schranken, wenn schwere Fahrzeuge über den Ring rollen. Auf Risse in Hauswänden haben auch schon Bewohner der nördlichen Hammer Straße hingewiesen. Dass dort auch das Tempo wie von manchen erhofft reduziert wird, ist bisher nicht absehbar.

Unterschiedliche Zuständigkeiten

Allerdings sind die Straßenabschnitte auch nur bedingt vergleichbar, und das macht es so kompliziert. Der Ostring ist wie die Hammer Straße Teil einer Landesstraße, die Viktoriastraße fällt komplett in die Zuständigkeit der Stadt Unna. Und über Landes- und Kreisstraßen kann die Stadt nicht ohne Weiteres entscheiden. Deswegen kann die Stadt Unna auch bisher ihre Lärmaktionsplanung nicht wie von Verwaltung und Politik beraten und beschlossen umsetzen. Wo das Land Nordrhein-Westfalen Straßenbaulastträger ist, kann es sich bisher erfolgreich gegen Tempo 30 aus Lärmschutzgründen wehren, zum Beispiel an der südlichen Hammer Straße.

Unnas Straßen sind ein Tempo-Flickenteppich - mit der Viktoriastraße als neuestem Stück

Eines von vielen Beispielen: Auch am Ostring wünschen sich Anwohner weniger Tempo für mehr Ruhe. © Udo Hennes

Sicherheit gewinnt an Gewicht

Gefügt hatte sich die Landesbehörde Straßen NRW allerdings in der Diskussion um andere Landesstraßen mit Lärmproblematik. Am Massener Hellweg, an der Kleistraße und der Friedrich-Ebert-Straße müssen Fahrer sich seit einigen Monaten an „Tempo 30“ halten. Dort allerdings kommt zusätzlich zum Lärm das Thema Sicherheit zum Tragen. Einrichtungen für besonders schutzwürdige Menschen wie Schulen, Kindergärten oder Seniorenheime können inzwischen ein Argument für Tempolimits sein, das auch Straßen NRW überzeugt.

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700 komplizierte Meter

Ein nur 700 Meter langes Stück der Iserlohner Straße bringt all die unterschiedlichen Zuständigkeiten und Argumente zusammen - mit entsprechendem Ergebnis. Tempo 30 gilt südlich der B1. Der Grund: Lärmaktionsplanung an einer Gemeindestraße. Nördlich der B1 darf mit 50 gefahren werden. Der Grund: Die gleiche Straße ist dort eine Landesstraße. Die Sicherheit von Schülern des Ernst-Barlach-Gymnasiums zieht hier allerdings nicht als Argument für ein Tempolimit. Schülerscharen queren regelmäßig die Iserlohner Straße, der Haupteingang der Schule liegt aber offiziell an einer Seitenstraße. Der Forderung, dennoch Tempo 30 einzurichten, hatte sich zuletzt der Landtagsabgeordnete Hartmut Ganzke angenommen. Er hatte dazu eine kleine Anfrage im Landtag eingereicht. Eine Antwort hat er bisher nicht, wie sein Unnaer Büro bestätigte. Die Frist, innerhalb derer er eine Rückmeldung erhalten muss, läuft in ein paar Tagen ab.

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