Unnas schönster Spielplatz hat einen besonderen Aufpasser

dzKinder

In Siddinghausen dürfte die Vorfreude auf die Zeit, wenn Spielplätze wieder geöffnet sind, besonders groß sein. Denn hier gibt es nicht nur ein neues Spielgerät, sondern auch einen besonderen Paten.

Siddinghausen

, 10.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass er Unnas dienstältester Spielplatzpate ist, beeindruckt Gernot Vrede nicht besonders. Auch, dass er seinen Job nach Aussage vom Kinder- und Jugendbüroleiter René Bast „ausgezeichnet“ macht, entlockt dem Siddinghausener nur ein Schulterzucken. „Ich hätte das ohnehin gemacht, da hätte mich die Stadt gar nicht für fragen müssen.“

Spielplatzpaten gesucht

Interessierte können sich melden

  • 21 Spielplatzpaten gibt es in der Stadt Unna derzeit. Bei rund 80 Spielplätzen heißt das: Es gibt Bedarf für mehr Paten.
  • Wer Interesse daran hat, eine solche Patenschaft zu übernehmen, kann sich beim Kinder- und Jugendbüro der Stadt Unna, Bahnhofstraße 45h, Telefon (02303) 103567 melden. Dort kann man sich auch über die genauen Aufgaben eines Spielplatzpaten informieren.
  • Paten werden mit einer Aufwandsentschädigung in Höhe von 100 Euro jährlich unterstützt.

Seit fast 30 Jahren – so genau lässt sich das nicht mehr klären – macht Gernot Vrede etwas, das für die Kinder in seinem Heimatdorf Siddinghausen ziemlich wichtig ist: Er kümmert sich um den einzigen Spielplatz im Dorf. Am Ende der Straße „Heimsaat“, direkt neben einem Feuerlöschteich gelegen, laden eine Rutsche, ein Sandspielgerät, eine Wippe, zwei Schaukeln und ein Karussell die Dorfjüngsten zum Spielen ein.

Dass es dort immer ordentlich aussieht und die Stadt frühzeitig erfährt, wenn die Spielgeräte mal repariert oder ausgetauscht werden müssen, liegt an Gernot Vrede. „Ich wohne ja nun mal direkt gegenüber, da guck ich ja eh drauf, was da passiert.“

Was für Vrede so selbstverständlich scheint, ist für die Stadtverwaltung ein echter Gewinn. „Ein Spielplatzpate ist für uns ein ganz wichtiger Vermittler zwischen der Verwaltung und den Eltern“, sagt René Bast vom Kinder- und Jugendbüro.

Der Spielplatz an der Heimsaat in Siddinghausen liegt von Bäumen gesäumt am Rande des Dorfes.

Der Spielplatz an der Heimsaat in Siddinghausen liegt von Bäumen gesäumt am Rande des Dorfes. © Marcel Drawe

„Ich wohne ja nun mal direkt gegenüber, da guck ich ja eh drauf, was da passiert.“
Gernot Vrede, Spielplatzpate

Das aktuellste Beispiel steht ganz frisch auf dem Spielplatz an der Heimsaat: Ein neues Sandspielgerät wurde aufgebaut. „Das ist natürlich jetzt schade, dass die Kinder noch nicht damit spielen können“, sagt Bast, „aber die Vorfreude ist bestimmt groß.“

Beim Aufbau geholfen und die Planung unterstützt hat Gernot Vrede. Als die Arbeiter Wasser brauchten, um das Fundament für das neue Spielgerät anzumischen, half er mit der Gießkanne und Wasser aus dem angrenzenden Löschteich. „Ist doch einfacher als ein Eimer.“

Pragmatisch und gerade heraus: Dieser Mentalität ist es wohl auch zu verdanken, dass die Siddinghausener schon 1974 ihren ersten Spielplatz an gleicher Stelle bekamen. Kinder des Dorfes schrieben Briefe an den Bürgermeister, das ganze Dorf beteiligte sich an den Arbeiten – und schon hatte Siddinghausen seinen Spielplatz. „Das ist vermutlich der Spielplatz Unnas, bei dem der größte Eigenanteil der Bürger geleistet wurde“, schätzt René Bast.

Im Mai 1991 begannen die Siddinghausener damit, „ihren“ Spielplatz von Grund auf neu zu gestalten.

Im Mai 1991 begannen die Siddinghausener damit, „ihren“ Spielplatz von Grund auf neu zu gestalten. © Marcel Drawe

„Jetzt kann ich auch weitermachen, jetzt ist ja der erste Enkel da.“
Gernot Vrede macht als Spielplatzpate wohl noch weiter

Im Mai 1991 begannen die Siddinghausener damit, den Spielplatz von Grund auf neu zu gestalten. In dieser Zeit fällt auch der Beginn von Gernot Vredes Engagement für den Spielplatz. „40 Tonnen Sand haben wir damals bewegt“, erinnert er sich.

Und weiß auch noch genau, wie schnell sich offenbar die Kunde vom neu gestalteten Spielplatz herum sprach: „Als wir fast fertig waren, kamen auf einmal drei, vier Autos angefahren. Das waren Leute aus Mühlhausen und Uelzen, die ihre Kinder hier spielen lassen wollten. Die sagten doch tatsächlich: Wieso hat denn ausgerechnet Siddinghausen so einen schönen Spielplatz?“

Tatsächlich ist der Spielplatz besonders: Allein die Lage unter alten Bäumen wirkt einladend, spenden sie doch im Sommer Schatten. Und dann ist noch diese Rutsche. „Die ist heilig, die kriegt man so heute nirgendwo mehr“, sagt Gernot Vrede. In den Hang gebaut, macht sie zwei kleinen Wellen, bevor sie im Sand endet. Das Beste aber: Sie ist so breit, dass mehrere Kinder problemlos nebeneinander rutschen können.

Schon mehrfach hat Gernot Vrede versucht, sein Patenamt Jüngeren zu übergeben, immerhin wird er jetzt auch schon 60 Jahre alt; seine Kinder spielen längst nicht mehr auf dem Spielplatz. Aber: „Jetzt kann ich auch weitermachen, jetzt ist ja der erste Enkel da.“ Nicht nur den Enkel dürfte das freuen.

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