Schüler, die einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben, sollen in Unna künftig vornehmlich die beiden Gesamtschulen besuchen. Der Realschule kommt eine Reserve-Rolle zu.

Unna

, 20.11.2018, 16:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Neuausrichtung der schulischen Inklusion, die die Landesregierung plant, führt in Unna zu veränderten Aufnahmekapazitäten an den beiden Gesamtschulen. Bisher waren alle weiterführenden Schulen Unna sogenannte „Schulen des gemeinsamen Lernens“ und nahmen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf. Ab dem Schuljahr 2019/20 werden dies nur noch die beiden Gesamtschulen sowie die Realschule sein.

Dies kündigt die Stadtverwaltung in einer entsprechenden Vorlage für die Sitzung des Schulausschusses am 3. Dezember an. Die Wahl der beiden Gesamtschulen als „Schulen des gemeinsamen Lernens“ liegt nahe, da nach dem Willen der Landesregierung Gymnasien grundsätzlich nicht mehr als „Schulen des gemeinsamen Lernens“ zur Verfügung stehen sollen.

Künftig sollen die Peter-Weiss- und die Werner-von-Siemens-Gesamtschule Kinder mit Förderbedarf aufnehmen und die Hellweg-Realschule nur hinzugezogen werden, falls noch Kapazitäten benötigt werden. Wie Carola Schöfisch, Leiterin des städtischen Schulbereichs, im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, liegt diese Priorisierung auch die erwartete Förderschülerzahl zugrunde, die in Unna für das Schuljahr 2019/20 prognostiziert wird.

Erste Schritte zur Barrierefreiheit

Aufzug in der Werner-von-Siemens-Gesamtschule

  • Die Veränderungen, die sich durch die Bündelung der Förderbedarfsschüler an den beiden Gesamtschulen ergeben, sollen in die aktuelle laufende Erstellung der Schulentwicklungsplanung einfließen.
  • Einen Zwischenbericht hatte der Schulausschuss im Oktober erhalten. Darin war unter anderem die Empfehlung enthalten, im Schulzentrum Nord – indem sich die Werner-von-Siemens-Gesamtschule befindet – eine Neuverteilung von einigen Räumlichkeiten vorzunehmen.
  • In den Sommerferien wurden knapp 1,2 Millionen Euro im Schulzentrum Nord verbaut. Der größte Teil davon floß in Bauarbeiten, die die Werner-von-Siemens-Gesamtschule für Rollstuhlfahrer leichter zugänglich macht. Das dafür wichtigste Element: ein Aufzug, der im Hauptgebäude alle Stockwerke anfährt.

„Es sind maximal 30 Kinder mit Förderbedarf prognostiziert, die im Schuljahr 2019/20 eine weiterführende Schule in Unna besuchen werden“, so Schöfisch. Da nach dem neuen Erlass der Landesregierung maximal drei Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer Eingangsklasse aufgenommen werden dürfen und die beiden Gesamtschulen zusammen derzeit zehn Eingangsklassen bilden, würden alle Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an den Gesamtschulen versorgt werden können.

In der Begründung für die Reihenfolge, die die beiden Gesamtschulen als „Schulen des gemeinsamen Lernens“ vor die Realschule setzt, ist die Rede davon, dass sich dies aus den „wahrscheinlichen Schulformwünschen“ der Förderbedarfsschüler und den räumlichen Gegebenheiten der Realschule ergebe.

Unna setzt bei der Inklusion auf die beiden Gesamtschulen

Die Hellweg-Realschule soll als Reserve dienen, falls mehr Schüler mit Förderbedarf an Unnas Gesamtschulen angemeldet werden, als diese aufnehmen können. © UDO HENNES

Die Stadtverwaltung geht also davon aus, dass Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eher eine der beiden Gesamtschulen als die Realschule wählen. Die räumlichen Gegebenheiten an der Realschule ließen zudem einen Unterricht nach Inklusionsvorgaben nur unter „erschwerten Bedingungen“ zu, so der Wortlaut der Verwaltungsvorlage.

Diese Aussage beziehe sich auf den Ist-Zustand der Hellweg-Realschule, sagt Carola Schöfisch auf Nachfrage unserer Redaktion. In den Planungen für einen Neubau der Realschule auf dem Gelände des ehemaligen Freizeitbades Massen, wie er im Sommer vom Rat beschlossen wurde, ist ausdrücklich die Rede von „modernen Raumkonzepten“, die „die Belange der Inklusion“ berücksichtigen.

Für die beiden Gesamtschulen bedeutet die Tatsache, dass sie künftig die alleinigen „Schulen des gemeinsamen Lernens“ darstellen, auch eine Änderung in ihrer maximalen Aufnahmekapazität. Denn durch die Bündelung der Förderschüler an diesen Schulen sollen die Klassen künftig nicht mehr als 25 Schüler haben.

Für die Peter-Weiss- und die Werner-von-Siemens-Gesamtschule heißt das, dass sie zusammen nicht mehr als maximal 250 Schüler pro Eingangsjahrgang aufnehmen dürfen. Die Eingangsjahrgänge der vergangenen Jahre lagen deutlich darüber.

Unna setzt bei der Inklusion auf die beiden Gesamtschulen

Die Peter-Weiss-Gesamtschule hat derzeit sechs Eingangsklassen. © Udo Hennes

Da die Inklusion landesweit ab dem Schuljahr 2019/2020 neu ausgerichtet wird, sind die beiden Gesamtschulen und die Realschule bereits in der Anmeldephase im kommenden Februar die einzigen „Schulen des gemeinsamen Lernens“. Wie in den Vorjahren wird es für die Gesamtschulen ein vorgezogenes Anmeldeverfahren geben.

Eltern, die ihr Kind mit Förderbedarf an der Realschule anmelden möchten, können dies trotzdem tun – auch wenn die Realschule nur die Reserve-Option der „Schulen des gemeinsamen Lernens“ ist. „Kinder, die zielgleich unterrichtet werden können, können nach wie vor auch direkt an der Realschule angemeldet werden“, erklärt Carola Schöfisch.

„Zielgleicher Unterricht“ bedeutet, dass alle Schüler einer Klasse das gleiche Lernziel erreichen sollen und Schüler mit Behinderungen bei Prüfungen einen Nachteilsausgleich erhalten. Das Gegenteil davon ist „zieldifferenter Unterricht“: In diesem werden die entsprechenden Lernziele innerhalb einer Klasse für jeden Schüler aufgrund seines sonderpädagogischen Förderbedarfes individuell festgelegt.

Im laufenden Schuljahr werden in Unna insgesamt 216 Schüler mit Förderbedarf im gemeinsamen Lernen unterrichtet, 64 von ihnen in den Grundschulen, 152 in den weiterführenden Schulen.

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Der Neubau der Hellweg-Realschule soll auf dem Gelände des Freizeitbades Massen errichtet werden. In dem Entwurf für den Doppelhaushalt 2019/2020 ist dieser Neubau inklusive Sport- und Schwimmhalle mit rund 2 Millionen Euro als Investition veranschlagt. Diese Summe beinhaltet auch ein städtebauliches Wettbewerbsverfahren. Refinanziert durch den Erhalt von Infrastrukturbeiträgen werden davon 500.000 Euro. Als Zeitraum für das Neubau-Vorhaben werden im Haushaltsentwurf die Jahre 2019 bis 2023 genannt.
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