Waghalsige Pyramiden, Jonglieren auf dem Einrad, Eleganz auf dem Drahtseil: Die Travados-Circusschüler begeistern auch in diesem Jahr wieder mit ihrem Programm. Doch es wäre wohl nur halb so schön ohne Musik.

Königsborn

, 22.12.2019, 13:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Vario“ ist der jüngste Teil der Winterreihe im Circus Travados: Mit dem Programm begeistern die Schüler und das Travados-Team rund 11.000 Menschen im Zirkusbau im Kurpark. Doch das Gesamtkunstwerk wäre nicht vollständig ohne seine unverwechselbare Musik. Travados ohne Band: undenkbar.

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Profimusiker immer zu fünft

Genauer gesagt sind es insgesamt zwei Bands, die den Circus rocken. Schlagzeug, Keyboard, E-Gitarre, Bass und Saxofon: Jeder Part ist doppelt besetzt. Denn die Profimusiker, die aus verschiedenen Orten in NRW kommen, spielen im Unnaer Zirkus, machen darüber hinaus aber natürlich noch viele andere Dinge, wie sie am Rande einer Generalprobe erklärten. Die meisten sind auch Musiklehrer an verschiedenen Schulen. Und sie spielen alle in den unterschiedlichsten Formationen, einige auch in berühmten Produktionen wie „Starlight Express“ in Bochum.

Musik aus den Charts

Was sie in Unna 22 Mal im Dezember spielen, ist einzigartig. Das Travados-Team um Circus-Chefin Melanie Talotti sucht die Musik aus. Schon lange bevor die Proben für das jeweilige Winterprogramm beginnen, sammelt Talotti Titel aus den Charts. „Die Schüler sollen ja Lust haben, danach zu tanzen“, sagt Talotti. So bewegen sich die Artistinnen und Artisten zum Beispiel nach Hits von Ed Sheeran oder Pink.

Christian Poffo arrangiert

Das ganze Jahr über wird dann erst einmal nach Musik „von der Platte“ geübt. Und dann muss Christian Poffo ran: Er ist Keyboarder in der Travados-Band. Talotti gibt ihm etwa drei Monate vor dem Beginn der Show die Liste der aktuellen Titel. Der Profi arrangiert dann jedes Stück so, dass es mit den fünf Band-Instrumenten gut umgesetzt werden kann. Unzählige Stunden Arbeit stecken in dieser Vorbereitung.

Eine Herausforderung dabei: Ed Sheeran und Pink ersetzen. Die Band hat keinen Sänger, und trotzdem sind die Lieder zu erkennen. Gleichzeitig passt die Musik zum Programm in der Manege. Poffos aufwendige Arbeit im Hintergrund wird entsprechend hoch geschätzt. „Der muss sich da jedes Mal ganz schön ins Zeug legen“, sagt Schlagzeuger Martin Siehoff.

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Travados: Porträt der Live-Band

Ohne die Band wäre es nicht das gleiche Gefühl. Dann wäre es nicht Travados: Wir durften bei Proben hinter die Kulissen der Live-Musik im Circus Travados schauen.
22.12.2019
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Hier spielt Musik: Immer zu fünft sorgt die Travados-Band für den "guten Ton".© Marcel Drawe
Die Musiker haben über dem Artisteneingang ihren Platz - nicht zu viel Platz.© Marcel Drawe
Die Notizen von Schlagzeuger Martin Siehoff sind die wichtigsten: Er gibt den Takt vor, passend zu dem, was in der Mange passiert.© Marcel Drawe
Neben Bassist Jörn Brackelsberg (r.) sitzt Gitarrist Stephan Lindner. Er spielt nicht nur mit den Händen,...© Marcel Drawe
... sondern auch mit den Füßen: Damit bedient er Effektpedale.© Marcel Drawe
Die Musikstücke werden eigens für das Programm arrangiert. Darum kümmert sich Keyboarder Christian Poffo.© Marcel Drawe
Da alles Positionen mehrfach besetzt sind, sitzt auch mal Thomas Debler (hier neben Marie Schröck) am Tasteninstrument,...© Marcel Drawe
... und auch mal Bastian von der Linde.© Marcel Drawe
22 Mal, fast jeden Tag bis Heiligabend, rockt die Live-Band den Circus Travados während des Dezemberprogramms.© Marcel Drawe

Erscheint die Licht-Hand, weiß der Schlagzeuger Bescheid

Wenn es dann los geht im Circus, kommt ihm beziehungsweise seinem Double Peter Funda eine tragende Rolle zu. Der Schlagzeuger ist das Bindeglied zwischen dem Geschehen in der Mange und der Musik. „Wenn sich die Hand bewegt, weiß ich, dass wir zum Abschluss kommen müssen“, erklärt Siehoff. Die Hand gehört Hendrik Michalski, ganz oben auf der anderen Seite des Zirkusbaus. Er kümmert sich um die perfekte Beleuchtung mit unzähligen Scheinwerfern und Lichteffekten und gibt dem Schlagzeuger Zeichen, wenn er erkennt, dass eine bestimmte Nummer in der Manege zu Ende geht. Siehoff reagiert mit Kommandos an seine vier Kollegen, so dass ein runder Abschluss erklingt. „Das hat sich so eingespielt“, sagt der Drummer.

Mit Video und vielen Bildern: Ohne Band kein Travados - So kommt die Musik in den Circus

Was der Zuschauer nicht sieht, ist die aufwendige Profitechnik. © Marcel Drawe

Viel Technik und handschriftliche Notizen

Dicht gedrängt über dem Artisteneingang richtet die Band ihr Profi-Equipment ein. Instrumente, Kabel, Verstärker- und Effektgeräte wirken auf den Laien wie Durcheinander, aber alles ist an seinem Platz. So hat alleine der Gitarrist eine ganze Batterie von Knöpfen und Pedalen, die er mit den Füßen bedient. „Damit kann ich verschiedene Effekte erzeugen“, sagt Michael Marciniak. Marie Schröck hingegen muss ohne Elektronik auskommen: Sie spielt Saxofon. „Dafür habe ich zwei Instrumente“, erklärt die Musikern. Je nach Stück spielt sie entweder ein Tenor- oder ein Sopransaxofon. Wichtig sind auch die handschriftlichen Notizen auf Martin Siehoffs Notenzettel, nach dem er den Takt vorgibt. Sind in der Manege „3 Mädels am Ring“, startet zum Beispiel „Stay Alive“. Ist die Nummer vorbei, begleitet die Band den Umbau und spielt eine Reprise „bis Matte raus“.

„Ohne die Band wäre es nicht das gleiche Gefühl. Dann wäre es nicht Travados.“
Melanie Talotti

Im kalten Zelt wackelte die Bühne

Viele der Musiker gehören schon seit langer Zeit zum Circus Travados. Martin Siehoff erinnert sich noch an das Spielen im Zelt, in den 1980er-Jahren, als es den Zirkusbau noch nicht gab. Ganz schön kalt sei es gewesen damals, sagt er lachend. „Immer wenn unten der Vorhang aufging, kam kalter Wind rein.“ Das Orchesterpult sei auf einem einfachen Gerüst gewesen. „Wenn die Musik gespielt hat, dann hat die ganze Bühne gewackelt. Das war schon spannend damals.“

Auftrag: eine tolle Vorstellung für die Kinder

Bassist Ralf Lohmann ist der Unnaer unter den Musikern. Den Circus Travados kennt er als Königsborner gut. „Das ist eine Spitzeneinrichtung für die Kinder. Und die Qualität, die hier geboten wird, ist toll.“ Die Musiker freuen sich, wenn im Circus alles gelingt. „Das Gesamtbild muss gut sein“, sagt Schlagzeuger Siehoff. Dazu beizutragen, sei die Aufgabe der Band. „Es geht darum, dass die Kinder eine tolle Vorstellung hinbekommen. Die trainieren das ganze Jahr so hart.“

Mit Video und vielen Bildern: Ohne Band kein Travados - So kommt die Musik in den Circus

Immer zu fünft: An diesem Tag entstand ein Band-Foto mit Jörn Brackelsberg, Bastian von der Linde, Marie Schröck, Martin Siehoff und Stephan Lindner. © Marcel Drawe

Engagement, das geschätzt wird

Die Musiker nähmen sich immer viel Zeit bei den Proben, um auf die Kinder einzugehen, lobt Melanie Talotti. Für die Schülerinnen und Schüler wiederum sei es ein besonderes Gefühl, mit einer Profi-Band aufzutreten. Zweifellos bedeutet das Aufwand, und eine Gage bekommen die Musiker natürlich auch. Aber darauf zu verzichten und Musik vom Band zu spielen, sei undenkbar. „Wenn ich bei der Premiere den ersten Ton dieser Musik höre, dann geht es für mich los.“ Damit spricht sie wohl vielen Menschen aus der Seele. „Ohne die Band wäre es nicht das gleiche Gefühl. Dann wäre es nicht Travados.“

Besetzung

Die Musiker im Circus Travados

Jedes Instrument ist mehrfach besetzt, damit an allen 22 Spieltagen alles funktioniert.
  • Gitarre: Stephan Lindner, Michael Marciniak
  • Keyboard: Christian Poffo, Thomas Debler, Bastian von der Linde
  • Saxofon: Marie Schröck, Peter Brand
  • Bass: Ralf Lohmann, Jörn Brackelsberg
  • Schlagzeug: Martin Siehoff, Peter Funda
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