Angelina Wesnigk mit Töchterchen Emma und Sohn Paul hat im nördlichen Massen eine echte Wohlfühloase gefunden. © Stefan Milk
Stadtteilcheck Unna-Massen

Unna-Massen: Im Norden ist das Dorf eine Oase der Stille

Wenn man an Unna-Massen denkt, kommt einem zwangsläufig das Wort Fluglärm in den Sinn. Dass es im Dorf aber auch echte Oasen der Stille gibt, zeigt ein Besuch im nördlichen Teil.

Das Zwitschern der Vögel ist so ziemlich das Einzige, was durch die nachmittägliche Stille im Garten der Familie Wesnigk zu hören ist. Mama Angelina hat es sich mit Töchterchen Emma auf der Sitzgruppe im Schatten des mehr als hundert Jahre alten Zechenhauses bequem gemacht, einige Meter entfernt spielt der zweijährige Paul an seinem bunten Klettergerüst. Papa Marco muss noch arbeiten.

Eigenheim im Massener Norden seit 2018

Seit 2013 wohnt die Familie in dem Haus im Norden von Unna-Massen – zunächst zur Miete, seit 2018 nennen sie es ihr Eigen. Heimisch sind sie in dem westlichen Unnaer Stadtteil aber bereits lange, seit Generationen. „Schon mein Opa wurde hier in Massen geboren, am Hellweg 11“, erzählt Angelina Wesnigk. Sie selbst ist auch hier geboren und aufgewachsen, besuchte erst die Kita Möwennest und dann die Schillerschule. „Als ich auf die weiterführende Schule kam, bin ich dann mit meiner Mutter nach Herdecke gezogen, aber nicht für lange. Nach der zehnten Klasse – das war 2005 – sind wir wieder zurück.“

Im selben Jahr lernt sie ihren Mann Marco kennen – natürlich auch ein Massener. Seine Eltern sind übrigens Ingo und Marion, bekannt aus der Fernsehserie ab ins Beet. „Ich selbst habe nicht so den Grünen Daumen“, sagt die 32-Jährige und lacht. Daher sei es auch gar nicht so wild, dass der Garten, der das schmucke Zechenhäuschen umrahmt, nicht „werweißwie groß“ ist.

Doppelter Kinderwunsch machte Anbau nötig

„Als wir das Haus 2018 gekauft haben, wussten wir schon, dass wir unbedingt zwei Kinder haben wollen, darum war auch klar, dass wir anbauen müssen. Damit haben wir dann auch gleich als erstes begonnen.“ Mit dem Baujahr 1916 gehört es zu den ersten Häusern der Buderussiedlung, die seinerzeit entstanden sind. Von der Lage her als wirklich sehr nördliches Massen, vor der Tür: Felder.

Im Garten der Familie Wesnigk ist das dominierende Geräusch der Gesang der Vögel. © Stefan Milk © Stefan Milk

„Mir gefällt einfach der Dorfcharme hier, es gibt noch echte Nachbarschaft. Als ich zum Beispiel Paul im Kindergarten anmelden wollte, hat sich herausgestellt, dass die Leitung immer noch dieselbe ist, wie zu meiner Zeit dort. Sie konnte sich sogar noch an mich erinnern. Das ist einfach Massen.“ Einen Kita-Platz für den Zweijährigen gab es jedoch nicht – nicht genügend Kapazitäten. In den Punkten Kinderbetreuung und Familienfreundlichkeit schneidet Massen auch bei unserem Stadtteilcheck nicht sehr gut ab, liegt jeweils knapp einen Punkt unter dem Durchschnitt. „Da ich wegen Emma jetzt sowieso noch zu Hause bin, geht das mit Paul natürlich gut“ – dass dieser Umstand für andere Familien jedoch nicht so leicht aufzufangen ist, das sieht die gelernte Bürokaufrau natürlich auch.

Nicht alle Massener sind so voll des Lobes

Unsere Befragung ist natürlich nicht repräsentativ, kann aber sicher einen Eindruck vermitteln, was die Bewohner hier besonders schätzen oder auch vermissen. Die Auswertung unseres Stadtteilchecks zeigt, dass nicht alle Menschen in dem Unnaer Stadtteil so zufrieden sind, wie Familie Wesnigk. Massen liegt bei allen Kriterien – bis auf den Punkt „Wohnen“ unter der Durchschnittsbewertung für Unna.

Die kleine Emma ist der jüngste Familienzuwachs und Massenerin der vierten Generation. © Stefan Milk © Stefan Milk

Dass der Punkt Gastronomie sogar zwei Punkte unter dem Unnaer Durchschnitt liegt, kann Angelina Wesnigk nicht so ganz nachvollziehen. „Wie haben hier eine tolle Eisdiele und auch Cafés, in denen man bei schönem Wetter oft gerade die älteren Dorfbewohner sitzen sieht.“ Auch in Punkto Grünflächen schneidet Massen zwei Punkte unter dem Durchschnitt ab. Das würde für sie – mit dem Feld vor der Tür – freilich anders bewerten, aber es zeige eben, dass es auch in dem Dorf unterschiedliche Bereiche gibt. „Im Zentrum ist es natürlich nicht so grün.“ Dort sei es eben auch mit der Verkehrsbelastung anders und auch der Punkt Sauberkeit (gut ein Punkt unter dem Schnitt) sei dort eine andere Sache.

Neues Einkaufszentrum könnte Verkehrsentlastung bringen

In Sachen Verkehrsbelastung bahne sich jedoch Erleichterung an, mutmaßt die Nord-Massenerin. „Wenn das neue Einkaufszentrum dann irgendwann kommen sollte, könnte ich mir vorstellen, dass das die Lage ein wenig entzerrt.“ Zum Einkaufen fährt sie ohnehin eher weniger zu Rewe und Edeka, aus ganz praktischen Gründen: „Mir fehlen dort breitere Familienparkplätze. Wenn ich die beiden Kinder dabei habe und von beiden Seiten ein anderes Auto neben mir steht, bekomme ich den Maxi-Cosi von der Emma einfach nicht rein. Da fahre ich lieber eben zu Lidl nach Kamen.“ Der Punkt Nahversorgung liegt insgesamt einen halben Punkt unter dem Durchschnitt.

Ebenfalls nur knapp unter dem Durchschnitt findet sich die Meinung der Massener über ihre Gesundheitsversorgung, auch von Angelina Wesnigk gibt es keine Kritik: „Da gibt es in Massen genug es gibt Zahnärzte, Gynäkologin, Hausarzt, Massagepraxis und eine super aufgestellte Apotheke.“

In Puncto Seelsorge stellen die Massener ihrem Stadtteil ein gutes Zeugnis aus. Das kann auch Angelina Wesnigk bestätigen. „Mit Pfarrer Main haben wir hier in der Gemeinde wirklich Glück. Er hat bei unserer Hochzeit eine sehr schöne Traurede gehalten und auch zur Beerdigung meines Opas die richtigen Worte gefunden.“

Auch wenn Massen sicher seine Baustellen hat - das sind bestimmt im Zentrum und in den von den Überflügen gebeutelten Gebieten die meisten - gibt es im Westen von Unna echte Wohlfühloasen, ganz speziell im Massener Norden.

Über den Autor
1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
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Christoph Schmidt

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