Werbung will Aufmerksamkeit erzielen. Aber wenn sie zu erfolgreich dabei ist, wird sie schnell als penetrant und lästig wahrgenommen. In Unna scheint dieser Punkt erreicht zu sein, wie die Denkschrift eines Architekten nahelegt.

Unna

, 29.08.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für ein schönes Stadtbild haben Architekten eine Mitverantwortung und oft auch ein Gespür. Ein besonders erfahrener Baumeister aus Unna erfüllt seine Verantwortung nun in einem Bereich, der nur indirekt etwas mit dem Bau von Häusern zu tun hat: Eher ist es die Gestaltwirkung des gemeinen Stabmattenzaunes, die den Architekten Rainer Kimpel eine Denkschrift ans Rathaus schreiben ließ. Kimpel beklagt einen Wildwuchs von Werbebannern. Und wer die Fotos betrachtet, mit denen er sein Schreiben illustriert, der findet tatsächlich Beispiele, in denen sich Bannerwerbung ausgesprochen häuft.

„Optische Verschmutzung“

Kimpel beantragt in einem Schreiben an dem Bürgermeister, „die zunehmende optische Verschmutzung unserer Stadt durch die Häufung von Werbetafeln abzustellen“. Und er belegt es mit Bildern von neun Orten, an denen es die Werbetreibenden allein oder gemeinschaftlich besonders bunt treiben.

Oft sind es Zäune, die als Werbeflächen vermarktet werden und dem Grundeigentümer ein Zusatzeinkommen bescheren. Die Vermittlung der Flächen erfolgt meist über persönliche Kontakte. Die Nachfrage scheint hoch zu sein. Dabei kann die Genehmigung eines einzigen Werbebanners inzwischen über tausend Euro pro Jahr einbringen. Und wer eine große Fläche anbieten kann, kassiert diesen Betrag entsprechend mehrfach.

Extrembeispiel an B1-Kreuzung

Als auffälligstes Beispiel führt Kimpel ein Grundstück an der Kreuzung von Hertingerstraße und B1 an: Nachdem Sturm Friederike im Januar für viel Gehölzbruch auf der Fläche gesorgt hatte, wurde der Stabmattenzaum ums Grundstück erneuert. Zunehmend dient er als Halterung für Werbebanner heimischer Betriebe. Kimpel sieht darin sogar einen Verstoß gegen die Landesbauordnung: Allein die Höhe des Zaunes sei so nah an einem Verkehrsweg unzulässig.

Große Banner an Krankenhäusern

Das Beispiel von der B1-Kreuzung ragt vielleicht heraus, ist aber kein Einzelfall. An der Massener Straße macht ein Gastronom seinen Kundenparkplatz mit einem Werbebanner am Zaun kenntlich. Doch zugleich lässt er auch andere Gewerbetreibende dort ihre Werbebotschaften platzieren. Etwas weiter in Richtung Massen finden sich an einem Supermarkt und am ehemaligen Möller-Komplex die nächsten Beispiele. Während es dort die Häufung von kleinen Bannern ist, verweist Kimpel andernorts auf die Ausmaße einzelner Banner. Naturgemäß haben die Eigentümer großer Bauwerke dabei mehr Möglichkeiten: Beide Krankenhäuser in der Innenstadt liefern Beispiele dafür, wie man mit einem Werbebanner eine Hausfassade ausfüllt.

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Wenn sich die Stadt mit dem Fall befasst, muss sie allerdings auch die eigene Praxis überprüfen, Bannerwerbung zuzulassen oder zu betreiben. Werbebanner, die über die Zufahrtstraßen zur Innenstadt gespannt auf Volksfeste oder das neue Programm der Volkshochschule hinweisen, sind seit Jahren üblich. Und dass auf den Bauzäunen der Kortelbachentflechtung für den Celloherbst geworben wird, geschieht vermutlich auch nicht ohne Wissen der Verwaltung.

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