Unna ist ohne Strom eine völlig andere Stadt

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Stromausfälle sind selten. Die Infrastruktur ist so gut, dass sich viele Menschen kaum erinnern, wann sie zuletzt stromlos waren. Wenn der Fall X dann doch eintritt, ändert sich vieles.

Unna

, 30.08.2019, 16:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Frauen blicken aus den Büros des Kreishauses. Hinter ihnen ist es dunkel, das erkennt der Autofahrer im Vorbeifahren. Die beiden Frauen schauen sich an – sie scheinen nicht richtig zu wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen.

Der Strom ist ausgefallen, an ein normales Arbeiten ist nicht zu denken. Die Bildschirme in ihren Büros sind dunkel, auch die Lüftungen der PCs schweigen. Es ist eine Stille, die wir heute kaum noch kennen. Ruhe, nichts als Ruhe.

Innere Unruhe greift um sich

Für das Innere einiger Menschen, die den Stromausfall erleben, gilt das wohl nicht. Ein Stromausfall sorgt bei ihnen für Unruhe. Das ist etwas völlig Unverhofftes. Beispiele gibt es zuhauf. Etwa die Frau in Lünern. Für den 40. Geburtstag ihrer Tochter, die in Ardey wohnt, will sie einen Kuchen backen. Aber ohne Ofen? Sie überlegt: Alle Backzutaten einpacken, nach Ardey fahren und dort backen – das wäre eine Lösung.

Unna ist ohne Strom eine völlig andere Stadt

Vermutlich durch den Stromausfall brach vielerorts auch das Telefonnetz zusammen. © Dirk Becker

Eine andere Familie sorgt sich derweil um ihr Gefriergut. Taut es auf, ist es ein Fall für den Müll. Die Idee kommt auf, alles zum Sohn nach Holzwickede zu bringen. Den aber können sie nicht anrufen und fragen, ob er Strom hat, denn auch das Telefon ist ausgefallen.

Verkehrsring ohne rote Ampeln

Geschichten wie diese lassen sich an diesem Freitag viele erzählen. Der Autofahrer, der eben noch am Kreishaus vorbeigefahren ist, erreicht den Stadtring. So groß sonst der Frust über rote Ampeln sein mag – jetzt ist es irgendwie komisch, dass alle Ampeln aus sind.

Es gelten nur die Verkehrszeichen. Es ist beruhigend, wie sicher die Autofahrer ihre Fahrzeuge lenken. Die Autos sind langsamer als sonst. Es wirkt, als sei an diesem Tag eine Bremse gezogen worden.

Vorbei geht es am Blitzer. Ein kurzes Überlegen. Braucht der auch Strom? Egal, heute ist eh niemand zu schnell. Ein paar weitere, derzeit nutzlose Ampelanlagen und dunkle Häuser später könnte der Autofahrer sein Fahrzeug auf das Gelände einer Tankstelle lenken. Könnte ...

Tankstelle ohne Spritpreise

Doch auch dort ist Stille. Es werden keine Spritpreise angezeigt, Tanken ist aktuell nicht möglich. Die Pumpen in den Zapfanlagen brauchen Strom – und ohne Strom kann auch nichts bezahlt werden. War früher vielleicht doch alles besser, als noch viel mehr von Hand gemacht und im Kopf gerechnet wurde?

Zweifelhafter Tipp der App

Nein, das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Und es ist doch toll, dass die Bürger durch eine App auf den Stromausfall aufmerksam gemacht werden. Die Notfall-App Nina empfiehlt den Bürgern in Unna, sie sollten Radio hören. Klingt sinnvoll, aber auch Radios laufen nur über Batterien – und seien es Autobatterien oder Handy-Akkus. Und vielleicht noch gravierender: Der Lokalsender Antenne Unna kann gar nicht senden, auch er ist vom Stromausfall betroffen. Infos gibt es also aus dem Netz, per Liveticker beim Hellweger Anzeiger.

Plötzlich ist der Strom wieder da

Dort heißt es, es könne stundenlang dauern, bis die Stadtwerke das Problem lösen können. Das bereitet Sorgen. Doch dann, ganz plötzlich, ist er wieder da. Strom! Telefone piepen, Computer fahren hoch, die Bürobeleuchtung geht an. Viel schneller als gedacht. Jetzt kann die Arbeit beginnen – auch im Kreishaus.

Und wer weiß? Vielleicht waren diese beiden ungewöhnlichen Stunden der Ruhe für so manchen Menschen in Unna ja auch zwei gewonnene Stunden.

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