Je schneller, desto lauter: Diesen Zusammenhang spüren viele Unnaer, die an stark befahrenen Straßen wohnen, täglich und vor allem nachts. Weiterhin ist fraglich, ob die Stadt Tempolimits durchsetzen kann.

Unna

, 14.12.2018 / Lesedauer: 3 min

„Diese Lärmkulisse ist brutal“, sagt Bernd Rähr. Er wohnt an der Kreuzung Hertingerstraße/B1. Rähr gehört zu den Menschen in Unna, die den Lärm durchfahrender Fahrzeuge zunehmend als Last empfinden. Um das Unfallrisiko zu senken, wurde das Höchsttempo auf der B1 zwischen Hertingerstraße und Kessebürener Weg von 70 auf 50 Stundenkilometer gesenkt. Grundsätzlich begrüßt Rähr das, denn langsamere Fahrzeuge sind zumeist auch leisere. Der Bereich mit Tempo 50 aber müsste nach seiner Einschätzung ausgedehnt werden. Von Dortmund kommend steht das 50-Schild nur rund 70 Meter vor der Hertingerstraße. „Da nimmt keiner Gas weg“, sagt Rähr. Das Schild so nah an der Ampel nütze gar nichts. „Und nachts fahren die Lkw sowieso Vollgas.“ Rähr würde sich regelmäßige und effektive Messungen wünschen.

„50“ nur bis zum Umbau

Doch Tempo 50 an dieser Stelle ist sowieso nur eine vorübergehende Maßnahme. Geplant ist, die Abbiegespuren an den drei Ampelkreuzungen von Hertinger- und Iserlohner Straße sowie Kessebürener Weg umzubauen; sie sollen dadurch sicherer werden. Nach dem Umbau, der bisher vage für 2019 geplant war, soll wieder Tempo 70 gelten, denn diese Geschwindigkeit hält die für die Bundesstraße zuständige Landesbehörde Straßen NRW dort für angemessen.

Für viele Stellen in Unna gibt es den Wunsch von Bürgern und Rathaus, das Tempo zu drosseln, damit es leiser wird. Angeordnet ist Tempo 30 für mehrere Straßenzüge, doch umgesetzt wird das schärfere Tempolimit nicht.

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All diese Straßen gelten als Ortsdurchfahrten. Bis Ende 2013 war die Stadt deren Baulastträger. Doch dann entließ sie die Strecken in die Verantwortung des Landes beziehungsweise des Kreises. Hintergrund waren finanzielle Erwägungen. Mit der Verantwortung für den Unterhaltungszustand wollte man im Rathaus auch die Verpflichtung abgeben, die Straßen zu reparieren, wenn sie kaputtgefahren sind. Und die neuen Herren dieser Straßen setzen die Priorität bei der Flüssigkeit des überörtlichen Verkehrs.

„30“ zur Sicherheit

Das Ziel, Tempo 30 für den Lärmschutz zumindest an einigen Stellen durchzusetzen, hat Unna noch nicht aufgegeben. Chancenreicher erscheint derzeit ein anderer Ansatzpunkt: Wo Straßen an Einrichtungen mit besonders schutzbedürftigen Menschen vorbeiführen, kann eine Kommune die Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 reduzieren. Infrage kämen in Unna mehrere Straßenabschnitte. Für die Mühlenstraße ist das Thema allerdings praktisch vom Tisch. Als schützenswert gilt hier das Bonifatius-Seniorenheim. Wie die Stadtverwaltung aktuell berichtet, sind sich aber alle Behörden einig, dass das Heim schlicht verkehrt herum liegt, um ein schärferes Tempolimit zu begründen. Der Eingang liegt zur Mozartstraße, auf der bereits Tempo 30 gilt. Die Laufwege der Senioren lägen eher Richtung Innenstadt, nicht Richtung Westen, also über die Mühlenstraße.

Für weitere Straßenabschnitte mit Schulen, Altenheimen oder Kindergärten laufen noch Abstimmungsgespräche mit Straßen NRW. In der Diskussion war Tempo 30 zum Schutz besonderer Einrichtungen schon für jeweils ein Stück des Massener Hellwegs (Grundschule), der Kleistraße und der Friedrich-Ebert-Straße (in beiden Fällen Kindergärten).

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