Die lange erwarteten Tempolimits zur Lärmreduzierung in Unna sind endlich da. Erste Effekte auf den Verkehr sind schon zu beobachten. Einige Anwohner zweifeln allerdings, ob die Beschilderung wirklich etwas bringt.

Unna

, 27.03.2019, 14:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Annegret Mangel wohnt jetzt seit einem halben Jahr an der Kleistraße in Massen. „Ich fühle mich hier noch gar nicht zuhause“, sagt sie. Ein Grund dafür sei der Lärm, nicht nur der von Flugzeugen. Die Straße erzeuge ein „Rauschen wie auf der Autobahn“. Ihr Haus habe gute Fenster. Wenn diese wie nun zuletzt im Winter meistens verschlossen sind, dann sei es auch ruhiger. Aber mit Sorge blickt Mangel Richtung Sommer, wenn sie wie viele Menschen mehr Frischluft im Haus haben möchte und Fenster offen stellt. Dass Lärm ein Problem ist an der Kleistraße, steht für diese Anwohnerin also fest. Wer sich an einem Vormittag in der Woche auch nur kurz an dieser Straße aufhält, kann es schnell bestätigen: Eine Unterhaltung in normaler Lautstärke ist kaum möglich. Ob Tempo 30 nun weiterhilft, da ist Annegret Mangel misstrauisch. „Es werden ja nicht weniger Autos dadurch.“ Und sicher würden sich viele nicht an die Begrenzung halten. Nun sei es konsequent, wenn öfter an der Kleistraße „geblitzt“ wird, meint sie. „Natürlich muss ich selbst auch langsamer fahren“, sagt Mangel augenzwinkernd. „Nicht, dass ich die erste bin.“

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Lärmaktionsplanung muss sich bewähren

Wie Annegret Mangel sehen einige Massener am Mittwoch mit etwas Skepsis den Arbeitern zu, die an der Kleistraße an mehreren Stellen Tempo-30-Schilder aufbauen. „Bringt das was?“, fragt ein Anwohner. Das Tempolimit sei grundsätzlich nicht schlecht, aber es führe vielleicht auch zu mehr Staus, sagt eine andere Massenerin. Die Umsetzung der Lärmaktionsplanung muss sich also nun erst einmal bewähren. Zumindest sind die Schilder endlich da. Norbert Kathmann und sein Team von der Firma NPK Verkehrstechnik haben die Beschilderung am Dienstag an der Friedrich-Ebert-Straße installiert. Seit Mittwochmorgen ist Massen an der Reihe. Kathmann schätzt, dass die Beschilderung für den Lärmschutz in Unna spätestens am Donnerstagabend komplett fertig sei. Kathmann und Kollegen arbeiten als Nachunternehmer für die Firma Swarco-Thomas. Diese wiederum hat den Beschilderungsauftrag von Straßen NRW. Kleistraße, Massener Hellweg und Friedrich-Ebert-Straße sind Landesstraßen. Wenngleich die Lärmaktionsplanung von Seiten der Stadt Unna vorangetrieben wurde, muss der Landesbetrieb nun die Schilder aufstellen lassen.

Unna hat die neuen Tempolimits - die Unnaer zweifeln, ob es ruhiger wird

Wenn Autofahrer aus Seitenstraßen auf die Kleistraße fahren, sollen sie die neue 30 wahrnehmen, daher die Schilder an Einmündungen. © Udo Hennes

Alle 100 Meter ein neues Schild

27 der rot umrandeten 30er-Schilder sind es, außerdem zwei Verkehrszeichen mit der grauen und durchgestrichenen Zahl. Da hier keine „Zone 30“ eingerichtet wird, gilt das Templimit grundsätzlich nicht mehr, sobald der Autofahrer von der Straße abbiegt. Teils aufgehoben wird die 30, damit an jeder Stelle eindeutig ist, wie schnell gefahren werden darf. Das neue Tempolimit gilt für ein 900 Meter langes Stück der Kleistraße und 400 Meter auf dem Massener Hellweg in Massen sowie für die Friedrich-Ebert-Straße vom Kreishauskreisel bis zum Lebenszentrum - 2,7 Kilometer Straße insgesamt. Das ergibt einen Durchnitt von einem Schild alle 100 Meter.

Unna hat die neuen Tempolimits - die Unnaer zweifeln, ob es ruhiger wird

Die modernen Verkehrszeichen reflektieren das Scheinwerferlicht, und ihre neue Befestigungstechnik erleichtert die Wartung. © Udo Hennes

Licht fällt ‘raus, wie es ‘reinfällt

Die Schilder selbst sind technisch gesehen Verkehrszeichen der neuesten Generation. Seit etwa 15 Jahren würden Schilder mit retroreflektierender Folie im Straßenverkehr eingesetzt, erläutert Felix Ermlich, Bauleiter bei der Firma Swarco-Thomas. Wer genau hinschaut, erkennt in der weißen Fläche eine Vielzahl kleiner Waben. Diese werfen das Licht von Autoscheinwerfern in dem Winkel zurück, in dem es auf die Fläche trifft. Die Verkehrszeichen müssten also in der Dunkelheit optimal sichtbar sein. Ältere Schilder, von denen noch immer viele an den Straßen hängen, haben diese Reflektorwaben nicht. Und sie haben weitere Nachteile. Einfache, dünne Blechschilder haben relativ scharfe Kanten. Die neuen Zeichen haben abgerundete Ränder. „Das minimiert das Verletzungsrisiko bei Unfällen“, sagt Verkehrstechniker Norbert Kathmann. Außerdem sollen die neuen Schilder länger halten als ihre alten Vorgänger und aufgrund ihrer Befestigungstechnik mit relativ geringem Aufwand ausgetauscht werden können.

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