15 Bäume sind in diesem Jahr im Stadtgebiet von Unna bisher neu gepflanzt worden. Damit sie auch trockene Sommer überstehen, probieren die Stadtbetriebe gerade etwas Neues aus.

Unna

, 24.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Selber pflanzen


Diese Bäume sind gut fürs Klima

  • Wer in seinem Garten selbst einen Baum pflanzen möchte, aber nicht weiß, was er beachten muss, dem hilft beispielsweise ein Blick auf die Tipps der Umweltorganisation NABU.
  • Sie rät dazu, heimische Gehölze zu bevorzugen. Sie sind meist billiger als Exoten, kommen mit den hiesigen Lebensbedingungen besser klar und nützen der Tierwelt, da sie einen festen Platz in deren Nahrungskette einnehmen. Hainbuche oder auch die Linde wären beispielsweise solche heimischen Bäume.
  • Bäume brauchen Platz. Wer einen Baum pflanzen will, sollte sich vorher informieren, wie groß der ausgewählte Baum in ausgewachsenem Zustand sein wird. Auch genügend Wurzelraum und der mögliche Schattenwurf der Krone sollten berücksichtigt werden.
  • Etwa zwei Jahre lang will ein frischgepflanzter Jungbaum regelmäßig gewässert werden - daher die Idee der Stadtbetriebe mit den Wassersäcken. Düngen ist in der Regel überflüssig - ein standortgerechter Baum findet genügend Nährstoffe. Pestizide schaden sogar, denn das Gift tötet nicht nur die Schädlinge, sondern auch viele Nützlinge.

Kurz nach Weihnachten vergangenen Jahres war es, da verlor Unna über 200 Jahre ökologischen Nutzen binnen weniger Stunden: Die Fällung der riesigen Blutbuche am Beethovenring ist wohl der markanteste Baumschwund im Stadtgebiet, der in den vergangenen Monaten zu verzeichnen ist. Doch sie ist bei Weitem nicht der Einzige.

Eine gut 100 Jahre alte Kastanie am Ortseingang von Kessebüren fiel im November, eine weitere, beinahe ebenso alte Kastanie an der Friedrich-Ebert-Straße nur wenige Wochen später: In beiden Fällen waren es ebenso wie bei der Blutbuche Krankheiten, die die Bäume geschwächt und damit ihre Standsicherheit gefährdeten. Die Folge: Um die Sicherheit zu gewährleisten, mussten sie gefällt werden.

Unna verliert immer mehr Bäume

Der Blick auf die vergangenen zwölf Monate erweckt den Eindruck, dass Unna sehr viele Bäume verliert. Allein Sturmtief „Friederike“ nahm Unna über 200 Bäume nur im Kurpark; insgesamt mussten in Folge des Sturms am 18 Januar 2018 so viele Bäume wie nie zuvor gefällt werden. Mit den Bäumen verliert Unna nicht nur stattliche und schön anzusehende Baumriesen; es geht der Stadt vor allem an ihre „grüne Lunge“: Je weniger Bäume in der Stadt stehen, umso weniger Kohlendioxid wird gefiltert.

Unna geht neue Wege in der Wasserversorgung für junge Bäume

Diese gut 100 Jahre alte Kastanie am Ortseingang von Kessebüren musste im November 2018 gefällt werden, weil sie von Pilzen befallen war. © UDO HENNES

Diese wichtige Funktion der Bäume hängt von ihrem Alter und der Art des Baumes ab. Die Blutbuche am Beethovenring mit ihrem geschätzten Alter von rund 200 Jahren dürfte im Jahr rund fünf Tonnen Kohlendioxid absorbiert haben - bis ein heute gepflanzter Jungbaum dies erreicht, dauert es logischerweise Jahrzehnte bis Jahrhunderte.

Jetzt lesen

15 Jungbäume wurden dieses Frühjahr gepflanzt

Doch dazu müssen die jungen Bäume überhaupt erstmal gesund „groß werden“. 15 Jungbäume haben die Stadtbetriebe in diesem Frühjahr auf Unnaer Stadtgebiet gepflanzt; vor allem am Südfriedhof, an der Morgenstraße, der Vinckestraße und am Südring sind die Jungbäume zu sehen. Und zu sehen ist an ihnen auch etwas: Alle neu gepflanzten Bäume tragen einen „Wassersack“. Mit dieser Methode wollen die Stadtbetriebe sicherstellen, dass die Jungbäume kontinuierlich mit Wasser versorgt werden.

„Wenn die Bäume normal gegossen würden, dann läuft viel davon über den harten Boden direkt in den Rinnstein“ erklärt Ralf Calovini, Leiter des städtischen Grünflächenbereichs, „der Wassersack ist perforiert und dadurch fließt das Wasser langsam am Baum hinab in die Erde. Auf diese Weise bekommt der Baum immer wieder Wasser zugeführt.“ Ungefähr 100 Liter fasst so ein Wassersack, den die jungen Bäume ein bis zwei Jahre tragen werden.

Unna geht neue Wege in der Wasserversorgung für junge Bäume

Diese 70 Jahre alte Kastanie an der Friedrich-Ebert-Straße wurde im Februar 2019 gefällt - wegen Befalls mit der Rosskastanien-Miniermotte war der Baum so geschwächt, dass er brüchig wurde. © Anna Gemünd

Wassersäcke als „Anwachshilfe“ für die ersten zwei Jahre

„Das ist als eine Art Anwachshilfe zu sehen“, sagt Calovini, „und die Bäume brauchen es, denn es ist schon wieder viel zu trocken.“ Die Einsaaten, die die Stadtbetriebe auf städtischem Grün vorgenommen haben, täten sich momentan sehr schwer, hat Calovini beobachtet. Insofern freut er sich auf den angekündigten Regen ab Mitte der Woche. Allerdings bedeute Regen nicht automatisch, dass die Bäume und Pflanzen nicht mehr gegossen werden müssten. „Der Regen wischt oft nur den Staub weg; für die Bäume mit ihrem hohen Wasserbedarf reicht das nicht.“

„Der Regen wischt oft nur den Staub weg; für die Bäume mit ihrem hohen Wasserbedarf reicht das nicht.“
Ralf Calovini, Leiter des städtischen Grünflächenbereichs

In trockenen Zeiten kommt es auf jede Stunde an

Die Wassersäcke der Jungbäume haben die Stadtbetriebe am Dienstag befüllt. Je nach Wetterlage - wenn der Regen wirklich nur Staub wegwischt - werden sie in dieser Woche nochmal aufgefüllt. Das dauert pro Baum knapp zehn Minuten - noch ein Vorteil der Wassersäcke. „Die Wassersäcke habe ich ruckzuck befüllt. Normalerweise dauert das Wässern eine Dreiviertelstunde, wenn ich wirklich die Wurzeln erreichen will“, sagt Ralf Calovini, „mit dieser Zeitersparnis beim Befüllen haben wir jetzt die Chance, wirklich jeden Jungbaum zu erreichen. Und da kommt es gerade bei so trockenen Sommern wie dem letzten auf jede Stunde an.“

Gepflanzt haben die Stadtbetriebe übrigens unter anderem Kastanien und Säulenhainbuchen. Letztere gelten als guter Stadtbaum, da sie maximal 15 Meter hoch werden und ihre Kronen nicht ausladend sind.

Jetzt lesen

Die Neupflanzung von Kastanien ist in Unna dagegen seit Jahren umstritten, da die Bäume sich im Stadtgebiet als sehr anfällig für Parasiten erwiesen haben. Gerade an der Friedrich-Ebert-Straße in Königsborn ist dies jedes Jahr im Juli aufs Neue gut zu beobachten: Weit vor der eigentlichen Laubfärbung im Herbst werden die Blätter der Rosskastanien, die dort wie eine Allee die Straße säumen, braun. „Schuld“ sind die Larven der Rosskastanien-Miniermotte, die die Blätter frisst. Um den Charakter der Kastanien-Allee zu erhalten, wurden jedoch als Ersatz wieder Kastanien gepflanzt.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen