Unna gehörte einst zu den Gründungsmitgliedern der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte. Der Fahrrad-Club ADFC findet, dass die Kreisstadt dieses Etikett nicht mehr verdient hat.

Unna

, 23.10.2018, 15:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dabei waren wir mal Vorreiter.“ Es ist ein resignierter, klagender Ton, den die Fahrradlobbyisten in einem aktuellen Schreiben an die Stadtverwaltung anschlagen. Eigentlich geht es darum, einen Teil des Afferder Weges zur Fahrradstraße zu machen – wieder einmal. Doch weil dies nicht die einzige Idee für eine Fortentwicklung des Radverkehrs in Unna ist, dreht Ortsgruppensprecher Uwe Schmidt das Rad noch weiter: „Schauen Sie sich die umliegenden Städte und Gemeinden an, wie dort die Verkehrspolitik in Sachen Radverkehr entwickelt wird. In Unna ist kein politischer Wille in dieser Hinsicht erkennbar“, schreibt Schmidt dem Bürgermeister.

Allein die Diskussion um eine Fahrradstraßenregelung zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Königsborner Straße liege nun ein Jahr zurück. Getan habe sich nichts. Derweil ist in der Nachbarstadt Kamen ein Teil der Bahnhofstraße zur Fahrradstraße erklärt worden. Sogar auf einem wichtigen Zubringer zur Hochstraße also schaffen es die Kamener, dem Radverkehr Vorrang vor dem Auto einzuräumen.

Unna droht das Etikett „fahrradfreundlich“ zu verlieren

Der Drahteselmarkt, im Bild das Waalwijker Fahrradorchester, ist ein Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit für den Radverkehr. Die Kosten trägt die Stadt hauptsächlich aus Zuschüssen, die sie nur als AGFS-Mitglied bekommt.

Die Mitgliedschaft ist bis 2021 befristet

Der Vergleich mit den Nachbarstädten mündet in eine Drohkulisse, die an der Ehre der Stadt kratzen würde. Ihr drohe ein Ausscheiden aus der landesweiten Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte – einem exklusiven Club, der von Unna einst mitbegründet wurde. Hintergrund: Die Mitgliedschaft ist bis 2021 befristet, sollte schon 2020 neu beantragt werden. Und in dieser Bewerbung muss Unna etwas vorweisen.

Das Konzept ist da, wird aber nicht umgesetzt

Schon bei der zurückliegenden Neubeantragung muss es dem entscheidenden Gremium der AGFS zunächst als etwas wenig erschienen sein, was die Fahrradstadt Unna für die Folgejahre vorlegte. Immerhin „erfand“ sie dann noch das Zielnetzkonzept 2025, mit dem der Radverkehrsanteil verdoppelt werden soll und die Juroren der Arbeitsgemeinschaft noch überzeugt werden konnten. Mit der Umsetzung allerdings tut sich die Stadt schwer.

Was Uwe Schmidt vom ADFC in seinem Schreiben an den Bürgermeister vage andeutet, bringt sein Sprecherkollege in der Ortsgruppe, Helmut Papenberg, klar auf den Punkt: Wenn der ADFC 2020 gefragt wird, ob er eine weitere Mitgliedschaft Unnas in der AGFS befürwortet, müsse die Antwort ein „Nein“ sein – wenn sich nicht noch etwas tut.

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Lahmender Vorreiter

Eine Ohrfeige als möglicher Wachrüttler

Ein anderer ADFC-Aktivist spricht hinter vorgehaltener Hand davon, dass es vielleicht nicht das Schlechteste wäre, wenn Unna einmal durch eine solche Ohrfeige wachgerüttelt würde. Das Problem ist allerdings, dass sich die Mitgliedschaft für die Kommunen durchaus lohnt. Für ihre 2.500 Euro Jahresbeitrag erhalten sie nicht nur Informationen und den Anschluss an ein Netzwerk, sondern auch Landesförderungen, die Nichtmitgliedern nicht in Aussicht stehen. Der Drahteselmarkt und Unnas Teilnahme am Stadtradeln etwa werden zu 80 Prozent von der AGFS bezahlt.

Eine Attraktion beim Drahteselmarkt: Das Waalwijker Fahrradorchester

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