„Unna braucht Eis“ will die Eissporthalle 2020 wieder öffnen

dzEissporthalle

Das Votum war klar: Knapp 60 Prozent der Unnaer Bürger sagten am 26. Mai „Ja“ zum Erhalt der Eishalle. Doch bis es tatsächlich wieder Eis in der Halle gibt, kann es dauern – das zeigt ein Blick nach Ostholstein.

Unna

, 05.08.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schäden am Dach, eine Eisaufbereitungsanlage, die seit über 30 Jahren in Betrieb ist, marode Umkleidekabinen und ein Bürgerentscheid, dessen Ergebnis die Sanierung und den Erhalt der Halle fordert. Die Rede ist nicht von der Eissporthalle Unna, sondern vom Eissport- und Tennisscentrum in Timmendorf. Doch die Parallelen zu Unna sind geradezu erschreckend – zumal die Sanierung der Halle in der kleinen Gemeinde an der Oststee seit Jahren stockt.

Jetzt lesen

Zwei Eishallen, das gleiche Problem

Teures Eis: Timmendorf und Unna

  • Die knapp 9000 Einwohner zählende Gemeinde Timmendorfer Strand ist bei vielen Urlaubern wegen der Lage an der Oststee beliebt. 1982/83 wurde das Eissport- und Tenniscentrum gebaut, eine Halle, die Tennis- und Eissport und einem Dach vereint. Unnas Eishalle ist nur ein paar Jahre älter: Sie wurde im Dezember 1977 eröffnet.
  • In beiden Hallen sorgt eine mit Ammoniak betriebene Eisaufbereitungsanlage für die Eisfläche. Während die Anlage in Unna im Sommer 2018 nach der Schließung der Halle geleert und stillgelegt wurde, ist die in Timmendorf weiterhin in Betrieb. Die 36 Jahre alte Anlage soll laut Lübecker Nachrichten gerade wieder eine TÜV-Abnahme für die nächsten fünf Jahre bekommen haben.
  • Sowohl in Timmendorf als auch in Unna sind die Schäden an der Dachkonstruktion eines der Hauptprobleme. 823.000 Euro wären laut Gutachter, den die WBU 2018 beauftragt hatte, allein für die Dachsanierung der Unnaer Halle fällig. In der Timmendorfer Halle sind die Decken zur Sicherheit abgehängt – aus Sorge, dass die Platten der Dachkonstruktion herunterfallen könnten.
  • Beim Bürgerentscheid 2017 in Timmendorf wurden die geschätzten Kosten für die Sanierung der dortigen Eishalle mit 8,3 Millionen Euro beziffert. Auf fast diesselbe Summe kamen die Gutachter, die 2018 die Unnaer Halle auf ihren Sanierungsbedarf hin untersuchten: 8,25 Millionen Euro müssten dafür in die Hand genommen werden – eine Summe, die „Unna braucht Eis“ anzweifelt. In dem aktuellen Bürgerentscheid im Mai in Timmendorf war übrigens schon von 9,7 Millionen Euro die Rede, die für die Sanierung notwendig wären.

Der 26. Mai brachte für Unnas Eissporthalle ein klares Ergebnis: 59,35 Prozent der wahlberechtigten Bürger stimmten für den Erhalt der über 40 Jahre alten Eissporthalle und für eine Sanierung. Soweit war die Gemeinde Timmendorfer Strand in Ostholstein auch schon – dreimal.

2004 stimmten in einem ersten Bürgerentscheid 76 Prozent der Wahlberechtigten für einen Fortbestand des Eissport-Tenniscentrums. 2017 gab es einen weiteren Bürgerentscheid: Wieder ging es um den Fortbestand der Halle, wieder votierten die Timmendorfer mehrheitlich dafür, dieses Mal mit 83 Prozent sogar noch deutlicher.

Und doch ist die Halle bis heute nicht umfassend saniert. Stattdessen haben die Bürger Timmendorfs am 26. Mai – demselben Tag, an dem auch Unnas Bürger ein Votum zu ihrer Eishalle abgegeben haben – ein drittes Mal über ihre Eishalle abgestimmt. 51,7 Prozent sagten in diesem Entscheid „Ja“ zu einer sofortigen Sanierung der Halle – deutlicher weniger als in den Bürgerentscheiden zuvor.

Wie die Lübecker Nachrichten berichten, hatte es nach dem Bürgerentscheid 2017 in der Politik Diskussionen darüber gegeben, wie der Erhalt der Halle zu definieren sei: Ein Neubau mit einem Investor? Eine neue Mehrzweckhalle, die auch abseits des Eissports genutzt werden könnte? Oder tatsächlich eine Sanierung im Bestand?

Dritter Bürgerentscheid zum selben Thema

Die Diskussionen zogen sich so lange hin, dass im Februar diesen Jahres die zweijährige Bindungswirkung des Bürgerentscheids auslief – ohne dass die Halle bis dato umfassend saniert worden war. Durch ein Bürgerbegehren erwirkten mehrere Bürger einen dritten Bürgerentscheid – jetzt muss die Gemeinde Timmendorf die Halle binnen zwei Jahren sanieren.

Anders als in Unna ist die Eissporthalle in Timmendorf weiterhin in Betrieb; noch hält die über 30 Jahre alte Ammoniakanlage – übrigens dieselbe Technik, die auch bis 2018 in Unna im Einsatz war.

„Unna braucht Eis“ zeigt sich unterdessen optimistisch, dass man schon im kommenden Jahr wieder Eis in Unnas Eissporthalle werde anbieten können. „Unser Ziel ist es, 2020 wieder Eis zu haben“, sagt der Vorsitzende Wihelm Ruck im Gespräch mit unserer Redaktion. Derzeit laufen die Gespräche zwischen der Stadtverwaltung, den Wirtschaftsbetrieben und „Unna braucht Eis“ über die Details und Prioritäten der Hallensanierung.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen