Zwei heiße Sommer in Folge haben Spuren hinterlassen: Unnas Bäume leiden unter Hitzestress. Pilzbefall, Krankheiten aber vor allem das Abbrechen gesunder Äste sind die Folge. Das kann auch für Bürger gefährlich werden.

Unna

, 12.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Unna ist eine waldarme Stadt. Dennoch gibt es allein im Straßenraum 7000 Bäume, die durch die Hitze und Trockenheit der vergangenen Sommer in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Darunter fallen die städtischen Eichen, Buchen, Eschen, Linden und Ahorne ebenso wie Kastanien. „Aber auch Birken und Vogelbeeren haben dieses Jahr massive Probleme“, berichtet Ralf Calovini, Leiter des städtischen Grünflächenbereiches.

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Aufgrund der unzureichenden Wasserzufuhr seien an vielen Bäumen nach und nach Äste abgebrochen. Und das, obwohl sie kerngesund waren. „Das ist ein natürlicher Schutzmechanismus, den man ‚Bruch sommergrüner Äste‘ nennt“, erklärt Calovini. „Wenn der Baum seine Kronenteile nicht mehr mit Wasser versorgen kann, wirft er sie ab, um Energie zu sparen.“ Bei den Kastanienbäumen an der Friedchrich-Ebert-Straße sei das in diesem Jahr gleich drei Mal innerhalb einer Woche passiert.

Gefährliche Folgen für Fußgänger

Ein Umstand, der nicht gerade ungefährlich ist: Wenn Äste mit einer Länge von bis zu sieben Metern und einem Durchmesser von 20 Zentimetern herunterfallen, kann das Fußgängern schnell zum Verhängnis werden. Vorbeugend Sicherheitsmaßnahmen zu treffen, sei aber nahezu unmöglich: „Man kann die Bäume nicht einfach zurückschneiden, wenn keine Schadsymptome zu erkennen sind“, sagt Calovini. „Man sieht den sommergrünen Ästen ihren Stress schlicht nicht an.“

So geht es Unnas Bäumen: Folgen und städtische Maßnahmen nach zwei trockenen Sommern

Nicht ungefährlich: Gleich drei mal in einer Woche haben Kastanien an der Friedrich-Ebert-Straße diesen Sommer ihre Äste abgeworfen. Dieser Schutzmechanismus des Baumes ist auf die enorme Trockenheit zurückzuführen. © Raulf

Eine regelmäßige Überprüfung durch die Stadt erfolge dennoch: Aktuell etwa untersuchen Kontrolleure die Bäume im gesamten Stadtgebiet auf Schäden wie Totholz. Eine Auswertung stehe zwar noch aus, dennoch sei bereits eine Problemzone bekannt, berichtet Calovini: „Der Altbaumbestand an der Morgenstraße/Ecke Hellweg hat diesen Sommer extrem gelitten.“ Demnach sei es wahrscheinlich, dass einige Bäume dort gefällt werden müssen. Zwar wurden die Kronen zuvor des Öfteren zurück geschnitten, damit die Bäume sich erholen können, jedoch reiche auch diese Maßnahme nicht immer aus.

Wenig Wurzelraum an Straßen

Zudem hätten es Bäume je nach Standort schwieriger, sich mit Wasser zu versorgen: „An den Straßen steht ihnen weniger Wurzelraum zur Verfügung“, sagt Calovini. Dadurch werde die Wasserzufuhr der Bäume noch massiver eingeschränkt, was wiederum den Bruch sommergrüner Äste begünstige. Dieses Jahr habe sich das Phänomen sogar öfter ereignet als im Vorjahr. Und das, obwohl es 2018 noch länger trocken war. „Die Folgen des Wassermangels potenzieren sich mit der Zeit“, sagt Calovini.

Das weiß auch Förster und Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Kreis Unna, Joachim Kallendrusch. Bei einer Bestandsaufnahme auf dem Westfriedhof zum Zustand der Unnaer Bäume erklärte er, wie verschieden sich die Dürre auf die heimischen Bäume auswirkt: Der Bergahorn habe etwa mit der Rußrindenkrankheit, ausgelöst durch einen Pilz, zu kämpfen, die Buche produziere unter anderem taube Bucheckern und die Esche leide unter Triebsterben. All das seien Folgen der Trockenheit.

„Der Altbaumbestand an der Morgenstraße/Ecke Hellweg hat diesen Sommer extrem gelitten.“
Ralf Calovini, Leiter des städtischen Grünflächenbereiches

Schädlinge haben es leicht

Denn wenn der Baum geschwächt ist, haben es Schädlinge besonders leicht. Zwar könne sich ein Baum nach einer Stressphase wieder erholen, allerdings sei die Trockenperiode der vergangenen Jahre zu lang gewesen. „Dadurch ist eine Art Chaos bei den Bäumen ausgebrochen“, so Kallendrusch.

Nicht zuletzt deswegen war in diesem Sommer auch immer wieder die Feuerwehr im Einsatz, um Bäume mit Wasser zu versorgen. Über 1500 Bäume wurden durch Einsatzkräfte im Unnaer Stadtgebiet bewässert; das Unternehmen Gelsenwasser stellte zu diesem Zweck 5000 Kubikmeter Wasser zur Verfügung.

Unterstützung durch hilfsbereite Bürger

Und auch einige Bürger fühlten sich dazu berufen, mitzuhelfen. So auch Brigitte Sprenger. Die Unnaerin, die im Mehrgenerationenhaus an der Sybil-Westendorp-Straße wohnt, wollte die Linden am Spielplatz an der Weberstraße mit Wasser versorgen. Ihre Idee: Über Nacht einen Schlauch legen, der die Bäume mittels Tröpfchenbewässerung über Stunden mit Feuchtigkeit versorgt. „Selbst die Stadt war begeistert von der Idee“, berichtet Spenger. Leider sei das Vorhaben gescheitert, bevor es in die Tat umgesetzt werden konnte: Die anfallenden Kosten hätten nicht aus der gemeinschaftlichen Wasserrechnung der Bewohner separiert werden können. „Ich wäre bereit gewesen, alleinig für die Kosten aufzukommen“, sagt Sprenger. „Die Natur liegt mir sehr nämlich sehr am Herzen“.

Umso mehr hofft sie, dass sich die Bäume im Stadtgebiet wieder erholen. Dafür ist jedoch dauerhafter Regen nötig. Aktuell sei es in den Böden tiefgründig noch zu trocken, weiß Rolf Böttger, Bereichsleiter Umwelt der Stadt Unna. Der Niederschlag der vergangenen Tage sei lediglich „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ gewesen. Aber immerhin ein Schritt in Richtung Erholung für Unnas Bäume.

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