Unkraut oder Bienenfreude? In Unna gibt es so viele Blühwiesen wie nie zuvor

dzNatur

Kornblumen, Klatschmohn, Weiderich: Es blüht derzeit an allen Ecken in Unna. Während die Blumenampeln an den Laternen allgemein Zustimmung finden, gilt das für das, was am Straßenrand blüht, nicht unbedingt.

Unna

, 28.07.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Hummel, die in aller Seelenruhe an einer gelb blühenden Goldrute knabbert: Dieses Bild mitten in der Innenstadt Unnas ist dieser Tage gar nicht so selten wie es klingen mag. So viele Blühwiesen wie nie zuvor gibt es in diesem Jahr auf den städtischen Grünflächen. Doch auch abseits der „offiziellen“ Blühparadiese sprießt viel Grün zwischen dem Beton - und nicht jeder findet das gut.

Jetzt lesen

Keine Sicht für Radfahrer

„Überall ist Unkraut und die Büsche wuchern nur so, dass man mit Rollator oder Kinderwagen nicht vorbeikommt.“ - Was eine Leserin von der Parkstraße schildert, ist kein Einzelfall. Am Südring stören einen Leser die hohen Pflanzen, die von der Wiese mittlerweile bis auf den Bürgersteig wachsen; an der Ecke Königsberger Straße/Dürerstraße ist es ein Busch, dessen ausufernde Zweige einer Leserin die Sicht nehmen und hinter dem Neubaugebiet Afferder Weg ist die Fahrt durch eine Kurve zum Blindflug für Radfahrer geworden, so weit ragen Büsche und Pflanzen in den Radweg.

Als Radfahrer aus Königsborn kommend ist man hier im Blindflug unterwegs: So hoch sind die Pflanzen am Radweg hinter dem Baugebiet Afferder Weg mittlerweile gewachsen, dass nicht mehr erkennbar ist, ob sich Gegenverkehr nähert.

Als Radfahrer aus Königsborn kommend ist man hier im Blindflug unterwegs: So hoch sind die Pflanzen am Radweg hinter dem Baugebiet Afferder Weg mittlerweile gewachsen, dass nicht mehr erkennbar ist, ob sich Gegenverkehr nähert. © Anna Gemünd

„Wir haben dieses Jahr insgesamt 6000 Quadratmeter Blühwiese eingesät, das ist ein neuer Höchstwert.“
Ralf Calovini, Leiter der städtischen Grünflächenbereichs bei den Stadtbetrieben Unna

6000 Quadratmeter Blühwiese auf städtischem Grün

Blühparadiese für Hummeln und Bienen oder lästiges Unkraut? Der Blick auf so viel Natur mitten in der Stadt ist zwiespältig. Fakt ist: So viel „Anflugplätze“ haben Insekten in Unnas Innenstadt noch nie gefunden wie in diesem Jahr. „Wir haben dieses Jahr insgesamt 6000 Quadratmeter Blühwiese eingesät, das ist ein neuer Höchstwert“, sagt Ralf Calovini, Leiter der städtischen Grünflächenbereiche bei den Stadtbetrieben Unna.

Was 2019 seinen Anfang am Salinengraben in Königsborn nahm, hat mittlerweile viele weitere städtische Flächen erobert: Im Kurpark, an der Kleistraße, am Zechenplatz, an der Hubert-Biernat-Straße und auf mehreren Flächen entlang des Verkehrsrings blühen Wildblumen auf städtischen Grün. „Die Bereiche werden nicht abgemäht und werden auch im kommenden Jahr wieder als Blühwiesen ausgewiesen. Dort haben wir eine Mischung aus ein- und mehrjährigen Pflanzen gesät“, erklärt Calovini. Gleichzeitig sei die Stadtverwaltung darum bemüht, weitere Flächen als Blühwiesen zu suchen.

In früheren Jahren wurde hier immer alles gemäht, jetzt dürfen auch auf der Grünfläche am Beethovenring Wildblumen sprießen.

In früheren Jahren wurde hier immer alles gemäht, jetzt dürfen auch auf der Grünfläche am Beethovenring Wildblumen sprießen. © Anna Gemünd

Viele Beschwerden bei den Stadtbetrieben

Dass das, was abseits der Blühwiesen sprießt und gedeiht, vielen Menschen ein Dorn im Auge ist, weiß Calovini. „Viele Anrufe, die wir zur Zeit bekommen, sind Reklamationen, die sich auf Unkraut auf Bürgersteigen beziehen.“ Tatsächlich scheint der „Wildwuchs“ dieses Jahr in Unna besonders üppig: Seien es die Verkehrsinseln an der B1, an der Wasserstraße, der Bürgersteig am Beethovenring oder der an der Parkstraße - überall sprießt Grün empor, vor allem an den Laternenpfählen und Bushaltestellen scheinen sich Wildblüher wohl zu fühlen.

„Unkraut“ an der Mozartstraße: Viele Menschen fühlen sich durch den Wildwuchs gestört. Bienen und Hummeln dagegen freut‘s.

„Unkraut“ an der Mozartstraße: Viele Menschen fühlen sich durch den Wildwuchs gestört. Bienen und Hummeln dagegen freut‘s. © Anna Gemünd

Unkraut muss vom Anlieger des Gehwegs entfernt werden

Der Ruf nach Grünpflege durch die Stadt ist aber nicht in allen Fällen gerechtfertigt. Tatsächlich obliegt die Pflege der Gehwege den jeweiligen Anliegern - das kann die Stadt Unna sein, das sind aber gleichermaßen auch die Anwohner jener Grundstücke, die an diesem Gehweg liegen. „Die Entfernung von Laub und Unkraut auf dem Gehweg gehört zur Straßenreinigung dazu; das haben wir vor einiger Zeit nochmal explizit in die Straßenreinigungssatzung mit aufgenommen“, erklärt Ralf Calovini. Das heißt im Klaretext: Wen der wild wuchernde Mohn auf „seinem“ Gehweg stört, der ist also selbst in der Pflicht, ihn zu entfernen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt