Umweltschutz macht keine Ferien: Wie Grundschüler den bewussten Umgang mit Papier lernen

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Schach, Tennis oder Theater: Das sind üblichen Angebote im Herbstferienprogramm der Stadt. Doch in Zeiten von „Fridays for future“ braucht es neue Ideen. Den Papierführerschein zum Beispiel.

Unna

, 19.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zoe, Lilly, Lana, Mats, Robin und Cäcilia sind schon Experten. „Recycling, das ist, wenn man etwas Altes wieder neu macht“, weiß Zoe. „Man kann zum Beispiel aus altem Papier wieder neues machen. Dann bleiben mehr Bäume stehen und das ist wichtig. Denn wenn die Bäume alle weg sind, kriegen wir keinen Sauerstoff mehr“, ergänzt Lilly. Neun und acht Jahre alt sind die Grundschülerinnen und sie bringen kurz und knapp auf den Punkt, auf was es wirklich ankommt, wenn man das Klima schützen will. Fern ab von Klimapaketen und politischem Aktionismus machen die Unnaer Schüler ihren „Papierführerschein“ - Klimaschutz im Kleinen.

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Das ungewöhnlich klingende Angebot ist neu im Ferienprogramm des Kinder- und Jugendbüros - und unterscheidet sich deutlich von den „üblichen“ Projekten. Kein Hineinschnuppern in einen Sport oder kreatives Basteln, sondern die bewusste Auseinandersetzung mit einer schwindenden Ressource - das ist Ferienprogramm in Zeiten des Klimawandels. „Wir bemühen uns, solche aktuellen Themen aufzugreifen und stellen fest, dass dies auch sehr gut angenommen wird“, sagt Birgit Blume-Jordan vom Kinder- und Jugendbüro.

Im Vergleich

Recyclingpapier und Papier aus frischen Fasern

Für die Herstellung von jeweils einem Kilogramm Papier in Europa werden
  • 50 Liter Frischwasser bei Papier aus Zellstoff, aber nur 15 Liter Frischwasser bei Recyclingpapier aus Altpapier,
  • fünf Kilowattstunden Strom bei Papier aus Zellstoff, aber nur 2 Kilowattstunden bei Recyclingpapier aus Altpapier
  • und 2,2 Kilogramm Holz bei Papier aus Zellstoff und 1,2 Kilogramm Altpapier bei Recyclingpapier aus Altpapier benötigt.

Sieben Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren wollen den Papierführerschein machen. Innerhalb von zwei Stunden lernen sie alles über die Herstellung von Papier, die richtige Mülltrennung und die verschiedenen Papierarten. Dabei sind die Grundschüler schon ganz schon fit, was das Papierwissen angeht. „Dass Papier aus Holz gemacht wird, wisst ihr alle, oder?“, fragt Uta Wippermann-Wegener in die Runde. Fast schon vorwurfsvoll nicken die Grundschüler, natürlich wissen sie das. Die nächste Frage der Beraterin aus der Verbraucherzentrale ist schon kniffliger: „Wo gibt es denn die großen Wälder, aus denen das Papier kommt?“

Auf einer großen Karte sind die Holzreserven der Erde eingezeichnet. „Kanada“, fällt Mats ein. Russland, Schweden und Norwegen sind ebenfalls Holzlieferanten. „Wenn wir immer mehr Bäume fällen, weil wir neues Papier brauchen, was bedeutet das denn?“, fragt Uta Wippermann-Wegener.

Lilly ist schnell: „Dann kriegen wir keinen Sauerstoff mehr!“, ruft die Achtjährige. Cäcilia ergänzt: „In den Bäumen leben ganz viele Vögel. Die haben dann keinen Platz mehr und sterben aus.“ So klingt es, wenn Grundschüler die Folgen eines übermäßigen Konsums beschreiben. Und sie kennen auch die Lösung: „Man muss gar nicht immer Bäume fällen, um Papier herzustellen. Man kann auch alte Zeitungen nehmen und daraus Papier machen“, schlägt Cäcilia vor.

Umweltschutz macht keine Ferien: Wie Grundschüler den bewussten Umgang mit Papier lernen

Die achtjährige Lilly schöpft ihren eigenen Bogen Papier. © Anna Gemünd

Genau das ist Teil des Papierführerscheins: Aus „Papiermatsche“, aufgeweichten und zerkleinerten Zeitungsschnipseln, schöpfen die Kinder ihr eigenes Blatt Papier. Nach einem anfänglichen „Ihh“ findet die achtjährige Lana das sogar richtig gut: „Das sieht schön aus.“ Während ihre Freundin Lilly auf den matschigen Schnipseln noch Buchstaben entdeckt, erklärt Uta Wippermann-Wegener, dass man Papier fünfmal recyceln kann. Lilly schreckt hoch: „Wieso geht das nicht öfter?“ Sie sind eindeutig umweltbewusst, die jungen Papierführerschein-Anwärter. Dass sie alle zusammen nicht so viel wiegen, wie jeder Mensch in Deutschland jedes Jahr an Papier verbraucht, sorgt auch für Stirnrunzeln: „250 Kilogramm? Das ist aber echt viel!“, staunen alle.

Nicht erstaunlich dagegen: das Ferienprogramm der anderen Art scheint sich zu etablieren. Umweltthemen sind eben nicht nur was für Erwachsene und die „Fridays for future“-Jugendlichen.

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Kinder machen den Papierführerschein

Im Herbstferienprogramm des Kinder- Und Jugendbüros konnten Grundschüler erstmalig einen "Papierführerschein" machen.
17.10.2019
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Wo wachsen die Bäume, aus denen Papier hergestellt wird? Mit einer Karte verschafften sich die Kinder einen Überblick.© Anna Gemünd
Zeitungsschnipsel, Holz, Fasern: Die verschiedenen Materialien, die bei der Herstellung von Papier gebraucht werden, nahmen die Kinder unter die Lupe.© Anna Gemünd
Den "Blauen Engel" als Symbol für recyceltes Papier kannten die meisten Kinder schon.© Anna Gemünd
Was gehört in die Papiertonne und was ist Kunststoff oder Restmüll? Auch die richtige Mülltrennung stand auf dem Programm.© Anna Gemünd
Aus Papiermatsche schöpften die Kinder einen eigenen Bogen Papier.© Anna Gemünd
Welche Stoffe braucht man für die Papierherstellung? Diese Frage mussten die Kinder beantworten, um den "Papierführerschein" zu bekommen.© Anna Gemünd
Uta Wippermann-Wegener von der Umweltberatung zeigte den Kindern, wie man Papier schöpft.© Anna Gemünd
Auf einigen Schnipseln entdeckten die Kinder sogar noch Buchstaben aus der Zeitung.© Anna Gemünd

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