Die Planung der neuen Fußgängerzone ist ein Verfahren, für das die Stadt Unna Zeit braucht. Viel Neues haben die zurückliegenden Monate nicht gebracht. Nun aber dürfen auch die Bürger über den Sachstand diskutieren.

Unna

, 25.09.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass sich Politiker und andere Betroffene bislang hinter verschlossene Türen zurückgezogen haben, um über die neue Fußgängerzone zu beraten, war bereits Gegenstand der Kritik. Spätestens, als die Planer um ein Haar die Spielgeräte für Kinder vergessen hätten, trugen kritische Stimmen auch aus den Reihen der Ratsmitglieder die Frage vor, warum eine Fußgängerzone unter Ausschluss der Öffentlichkeit geplant wird.

Grundordnung steht, Geschmacksfragen offen

Soll dem Bürger das fertige Konzept nur noch zur Kenntnis gegeben werden? Die Antwort darauf ist ein klares „jein“. Die jetzt vom Rathaus vorgestellte „Entwurfsplanung“ beinhaltet eine Grundordnung, an der wohl nicht mehr viel zu ändern wäre. Offen sind allerdings noch die Details der Ausgestaltung. Konkret heißt das: Der Fußboden der Massener wird weiterhin eine Dreiteilung aus einem Mittel- und zwei Seitenstreifen bekommen. Aber über die Farben darf Unna noch diskutieren. Dass sich Bäume, Bänke, Spielgeräte, Laternen und Mülleimer in einer Flucht befinden werden – und somit eine der bislang zwei Baumreihen entfällt – ist gesetzt. Aber Sorten und Modelle sind noch nicht ausgesucht.

Komfort auch für Geh- und Sehbehinderte

Der Hauptgrund für die Unnaer, über einen Neubau der Fußgängerzone nachzudenken, ist ihr maroder Zustand. Das vielfach geflickte Natursteinpflaster in der Mittelspur der Massener Straße ist nicht nur unschön anzusehen, sondern eine Herausforderung selbst für Menschen, die an sich gut zu Fuß sind. Die Schwächen in der Grundfunktion fürs Gehen zu beseitigen, zählte daher zu den Hauptzielen der Planung. Der künftige Belag dürfte hauptsächlich aus etwas größeren Betonsteinplatten bestehen, die mit minimalen Fugen zu verlegen sind. Massener und Hertingerstraße erhalten eine Tastrinne, die Sehbehinderte mit Stock die Straßen entlang führt. Unregelmäßigkeiten entlang dieser Rinne machen Hauseingänge oder Abzweigungen zu Seitenstraßen deutlich.

Eine Baustelle für die Bürgerbeteiligung

Nach Monaten der nichtöffentlichen Bearbeitung müht sich das Rathaus nun um Bürgerbeteiligung. Auf der Massener Straße soll an diesem Dienstag sogar eine Schaubaustelle eingerichtet werden, die auf die Ausstellung der Pläne in Rathaus und ZIB hinweist. An den beiden Ausstellungsorten finden Bürger auch umfunktionierte Wahlurnen vor, um dort schriftliche Eingaben einwerfen zu können. Pläne für eine Bürgerversammlung und die Kontaktmöglichkeit übers Internet lassen das Rathaus von „Transparenz“ sprechen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Ausstellung zur Unnaer Fußgängerzone

Die Ausstellungsmaterialien zum geplanten Neubau der Fußgängerzone, wie sie bis zum 5. Oktober 2018 in ZIB und Bürgerhalle zu sehen sind.
25.09.2018
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Politik muss sagen, dass sie es will und was sie will

Im Laufe dieses Jahres soll die Politik die nun vorliegende „Entwurfsplanung“ und einen Haushaltsbeschluss verabschieden. Das ist die Voraussetzung dafür, das Projekt weiter verfolgen und Fördermittel beantragen zu können. Die Stadt geht derzeit von Baukosten in Höhe von 1,7 Millionen Euro für die Abschnitte auf der Massener Straße zwischen Lindenplatz und Markt sowie auf der Hertingerstraße zwischen Fässchen und Markt aus. 70 Prozent davon könnte das Land übernehmen, 30 Prozent müsste die Stadt aufbringen. Auf die Anlieger kommt keine Kostenbeteiligung zu.

Feinschliff im Jahr 2019, Neubau vielleicht 2020

Danach beginnt die Phase des Projektes, in der die Fußgängerzone Gestalt annimmt. Bei der Arbeit an einer „Ausbauplanung“ geht es um die konkreten Dinge: Farben und Verlegemuster der Bodenbeläge, Bauart der Laternen und Bänke und der Baum der Zukunft sollen gewählt werden. Die Kaukasische Felsenbirne hat an der Massener Straße die längste Zeit gestanden: Dass die Bäume entgegen früherer Erwartung doch Früchte tragen und abwerfen, wird jährlich zum Ärgernis. Im Frühling 2019 soll der Feinschliff an der Planung beendet werden. Gebaut würde die Fußgängerzone dann im Jahr 2020. Geplant ist ein Beginn im Herbst.

Die Bahnhofstraße liegt noch im Nebel der Zukunft

Dass der Neubau der Fußgängerzone unter einem Finanzierungsvorbehalt steht, ist bekannt. Ob es Geld für den ersten Bauabschnitt an Massener und Hertingerstraße gibt, entscheiden zum einen der Fördergeber beim Land, zum anderen aber die diesjährigen Haushaltsberatungen. Mut macht, dass der Rat zuletzt eine Prioritätenliste verabschiedet hat, die den Neubau der Fußgängerzone auf diesen beiden Straßen berücksichtigt. Doch auch dann muss das Geld zumindest einmal da sein.

Völlig offen ist die Perspektive für einen zweiten Bauabschnitt der Fußgängerzone, mit dem die Bahnhofstraße und ihre Nebenstraßen erneuert werden könnten. „Nach dem Bau des ersten Abschnittes wird es eine Pause geben. Wie lange die geht, vermag ich nicht zu sagen“, bekennt Unnas Planungsdezernent Michael Ott.

Dementsprechend wird der zweite Bauabschnitt dort zurzeit auch planerisch nicht bearbeitet. Sollte es eines Tages sinnvoll erscheinen, ihn anzugreifen, dürfte die planerische Handschrift für die Bahnhofstraße wohl der des erste Bauabschnittes gleichen. Eins zu eins übernehmen ließe sich das Konzept aber nicht, weil die Gegebenheiten andere sind, so Ott.

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