Zu den wärmsten Arbeitsplätzen in Unna gehören auch die Unterrichtsräume am Schulzentrum Nord. Bei mehr als 30 Grad innen fordern Schüler, dass endlich die Beschattung repariert wird.

Königsborn

, 25.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Wenn Gunild Buschs Kinder nachmittags nach Hause kommen, sind sie „platt“. Heiß ist es in den Räumen, in denen die Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums lernen müssen. Und die schwierigen Bedingungen gelten nicht erst seit dieser Woche mit ihren Extremtemperaturen. „Seit 13 Jahren habe ich Kinder an dieser Schule“, sagt Busch. Und seitdem kenne sie das Hitzeproblem, berichtet die Vorsitzende des Schulfördervereins.

Die Schulgemeinde hatte am heißen Dienstag zu einem Ortstermin in das Königsborner Schulgebäude eingeladen. Neben Medienvertretern waren auch hochrangige Mitarbeiter der Stadtverwaltung dort. „Wir wollen darauf hinweisen, welche Lernbedingungen unsere Schüler haben und welche Arbeitsbedingungen die Lehrer“, sagt Stephan Oelkers. Er gehört zum Vorstandsteam der Schulpflegschaft und ließ in einigen Unterrichtsräumen ein Digitalthermometer diese Bedingungen anzeigen. Mit über 30 Grad unterschied sich die Raumtemperatur am Vormittag kaum von der, die draußen herrschte. Aber auch wenn keine Hitzewelle herrscht wie in diesen Tagen, seien die Lernbedingungen schwierig, weil die Sonne das Gebäude aufheizt, berichtet Oelkers.

Über 30 Grad im Klassenraum: GSG-Schüler und -Eltern fordern Beschattung

Das Digitalthermometer beweist es: Im Klassenraum herrschten am Dienstagvormittag mehr als 30 Grad. © Raulf

Beschattung seit Jahren kaputt

Das Problem ist einfach nachzuvollziehen: Problematisch am Schulzentrum Nord sind inbesondere Räume an der Südseite. Für die großen Fensterfronten gibt es keine Beschattung. Es gab einmal Sonnenschutzlamellen, die herauf- und heruntergefahren werden konnten. Bis auf ein paar Reste sind diese Anlagen aber weg. Sie seien überwiegend defekt, war gestern beim Ortstermin zu erfahren. Seit wann, das weiß niemand mehr so genau, jedenfalls sind es einige Jahre.

Chemiekurs auf dem Flur

Schüler mit hochroten Köpfen berichten von Konzentrationsschwierigkeiten. Vor allem in den südlich und oben gelegenen Unterrichtsräumen sei die Situation „unzumutbar“, sagt Lehrer Silvan Thelen. „Wir brauchen guten Sonnenschutz.“ Teils wird auch im Tagesablauf improvisiert. So erreichte unsere Redaktion ein Bericht, wonach der Chemie-Leistungskurs am Dienstag auf dem Flur stattfand. Wassereis hätten die Schüler aber auch bekommen. Nachts oder früh morgens gut durchzulüften, ist kaum machbar. Alle Fenster und Türen in dem Gebäudekomplex können aus Brandschutzgründen nicht offen gestellt werden. Und so ist die Wärmebelastung besonders nach Wochenenden extrem.

Über 30 Grad im Klassenraum: GSG-Schüler und -Eltern fordern Beschattung

Stephan Oelkers von der Schulpflegschaft zeigt die selbst genähten Vorhänge, die für ein wenig Schatten sorgen, das Aufheizen der Unterrichtsräume aber nicht verhindern. © Raulf

Die Elternschaft versucht zu improvisieren. Selbst genähte Vorhänge hängen von innen vor einigen Fenstern. Immer wieder wurden sie aus dem angefertigt, was private Haushalte eben hergeben. Und so sieht das Ganze auch aus: mehr nach dem Klischee einer Studentenbude als nach einem modernen Schulgebäude. Die Stoffbahnen werden hin- und hergeschoben, um mal hier ein wenig Schatten in den Raum zu werfen, mal dort. Die Sonne brennt trotzdem auf die Fensterscheiben. „Sinnvoll ist nur eine Beschattung von außen“, sagt Stephan Oelkers.

Andere Maßnahmen gehen vor

„Es ist allen klar, dass wir hier Sonnenschutz brauchen“, sagte Kerstin Heidler, für Schulen zuständige Beigeordnete im Rathaus. Die Beschattung soll es geben, die Frage ist nur, wann. Das Schulzentrum Nord durchläuft seit Jahren einen umfangreichen Sanierungsprozess.

Schulsanierung

Langwierige Großbaustelle

  • Das Schulzentrum Nord in Königsborn, in dem das Geschwister-Scholl-Gymnasium und die Werner-von-Siemens-Gesamtschule untergebracht sind, stammt aus den 1970er-Jahren. Seit dem Jahr 2011 wird es Zug um Zug saniert.
  • Die Stadt hat bisher 6,5 Millionen Euro vor allem in Brandschutz und Schadstoffbeseitigung investiert. 2018 wurde für 420.000 Euro ein neuer Aufzug installiert.
  • Auf dem Plan stehen ein zweiter Aufzug, einer Sanierung des Dachs und der Fenster.

Neue Fenster inklusive schattenspendender Lamellen seien Teil des Sanierungsplans, sagte Jens Toschläger. Als Technischer Beigeordneter im Rathaus ist er verantwortlich für städtische Gebäude, damit auch für Schulen. Toschläger verwies auf Ratsbeschlüsse, mit denen der Plan für die Sanierungen im Schulzentrum Nord festgelegt wurde. Seit dem Jahr 2011 werde Schritt für Schritt nach Prioritäten vorgegangen. So seien Legionellenprobleme in der Sporthalle behoben worden, das Gebäude werde an neue Brandschutzvorgaben angepasst, Schadstoffe würden entfernt. „Die Sanierungen laufen weiter, als nächstes ist das Dach an der Reihe“, sagte Toschläger. Haushaltsmittel für neue Fenster und neuen Sonnenschutz stünden erst im Jahr 2021 zur Verfügung. Die zeitlichen Abläufe zu ändern, sei nicht möglich, auch aufgrund von Verträgen mit Baufirmen, an die die Stadt gebunden ist. Sehr wahrscheinlich sei es auch nicht möglich oder nicht sinnvoll, die Fenster mit kurzfristigen Maßnahmen irgendwie von der Sonneneinstrahlung abzuschirmen.

Sanierungsbedarf nicht nur am Schulzentrum Nord

Toschläger erinnerte daran, dass von Hitzeproblemen auch andere Schulen betroffen seien. „Es geht nicht alles auf einmal“, bestätigte Michael Tietze, Ratsherr der SPD. Er erinnerte daran, dass an mehreren Schulgebäuden Sanierungen nötig seien. „Wir versuchen, das Beste für alle zu erreichen.“ Tietze war wie Charlotte Kunert von den Bündnisgrünen auch beim „Hitzetermin“ vor Ort. Beide haben Beschlüsse zum Ablauf von Schulgebäude-Sanierungen mit gefasst.

Sonnenschutz 2021 zuerst an akuten Räumen

Dem Wunsch der Schulgemeinde, dem dringenden Schattenbedarf möglichst zu begegnen, will die Stadt nachkommen, wie die Verantwortlichen am Dienstag beim Schultermin versprachen. Die Arbeiten an den Fenstern entgegen dem aufgestellten Plan vorzuziehen, erscheint unmöglich. Aber wenn es 2021 damit losgeht, will die Stadt nach Vorgaben der Schule Prioritäten setzen. Es soll dann nach Möglichkeit Sonnenschutz zuerst an den besonders problematischen Unterrichtsräumen angebracht werden.

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