Erbschaft wirft keine Zinsen mehr ab: Nullzinspolitik trifft auch den TVE Lünern/Stockum

dzVereine in Unna

50.000 Euro hat ein Verstorbener vor über 20 Jahren dem TVE Lünern/Stockum hinterlassen. Lange finanzierten die Zinsen die Jugendarbeit mit. Jetzt nicht mehr. Es ist eine Veränderung nötig.

Unna

, 16.12.2019, 16:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was macht man mit Geld, das man nicht ausgeben darf, das aber auch kaum noch Zinsen bringt? Dieser Frage ist jetzt der Förderverein des TV Eintracht Lünern/Stockum auf den Grund gegangen – und hat sich entschieden, das Geld in andere Hände zu geben.

„Wir haben natürlich intensiv darüber nachgedacht, ob wir das machen sollen. Eigentlich hat das ja bislang funktioniert, die Gruppe hat das gut gemacht.“
Werner Overwaul

Die Bürgerstiftung Unna wird das Geld künftig in einem Stiftungsfonds verwalten. Es ist der 29. Fonds dieser Art. „Wir haben natürlich intensiv darüber nachgedacht, ob wir das machen sollen. Eigentlich hat das ja bislang funktioniert, die Gruppe hat das gut gemacht“, berichtet Werner Overwaul, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung.

Tatsächlich war das angesprochene Geld bislang in guten Händen. Es geht um 50.000 Euro, die der TVE 1996 aus einer Erbschaft erhalten hat. Der Wunsch des Verstorbenen war es, das Kapital auf Dauer zu erhalten. Mit den Erträgen aus Zinsen sollte die Jugendarbeit des Turnvereins gefördert werden.

Erbschaft wirft keine Zinsen mehr ab: Nullzinspolitik trifft auch den TVE Lünern/Stockum

Dieses Bild aus dem Jahr 2013 zeigt, wie der TVE Kindern das Boule-Spiel nahe bringt. Der Verein bietet auch außergewöhnliche Sportarten an. © Borys Sarad

Damals wurde ein Förderverein gegründet, der das Geld verwaltet hat. Der Verein um den Vorsitzenden Horst Bresan, seinen Stellvertreter Adolf Küppers sowie Rolf-Ulrich und Annette Hilbrand hat ähnlich wie eine Stiftung gearbeitet – allerdings in einem anderen rechtlichen Rahmen.

TV Eintracht Lünern/Stockum

Verein mit sechs Abteilungen

  • Der TV Eintracht Lünern/Stockum wurde am 24. Juli 1898 gegründet. Damals gab es nur männliche Mitglieder, der Fokus lag allein auf dem Turnsport.
  • Heute gibt es in dem Verein sechs Abteilungen: Turnen, Schwimmen, Leichtahletik, Tanzen, Judo und Boule.
  • Der Verein zählt aktuell etwa 850 Mitglieder. Rund 450 davon sind Kinder und Jugendliche.

Die Arbeit war erfolgreich, in vielen verschiedenen Bereichen wurde die sportliche Jugend eines der größten Unnaer Sportvereine unterstützt. Ob bei Ausflügen, Trikotanschaffungen oder sozialpädagogischer Arbeit: Der Förderverein half, wo immer er konnte.

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Dass es nun zu einer Veränderung kommt, hat nichts mit dem ehrenamtlichen Engagement der Verantwortlichen im Förderverein zu tun, erklärt dessen Vorsitzender Horst Bresan: „Die Zinserträge sind so sehr gesunken, dass man mit 50.000 Euro kaum noch Erträge erzielen kann.“

Erbschaft wirft keine Zinsen mehr ab: Nullzinspolitik trifft auch den TVE Lünern/Stockum

Freuen sich über die Einigung zwischen der Bürgerstiftung Unna und dem Förderverein des TVE Lünern/Stockum (v.l.) Dörte Knauf (Bürgerstiftung), Adolf Küppers, Rolf-Ulrich Wilbrand, Annette Wilbrand (alle Förderverein), Werner Overwaul (Bürgerstiftung) und Horst Bresan. © Dirk Becker

Das kann Werner Overwaul nur bestätigen. Die Bürgerstiftung verwaltet Millionenbeträge – und künftig auch das Vermögen des Fördervereins. „Wir werden das im Sinne des Verstorbenen tun“, verspricht Overwaul.

Stiftungsfonds

TVE ein ungewöhnlicher Partner

Die Bürgerstiftung Unna verwaltet aktuell 29 Stiftungsfonds. Dass ein Verein wie der TV Eintracht Lünern/Stockum über seinen Förderverein Vermögen an die Bürgerstiftung gibt, ist ungewöhnlich. In den meisten Fällen sind es Familiengelder, die die Bürgerstiftung verwaltet.

Mit der Idee, einen Stiftungsfonds in der Bürgerstiftung zu gründen, hat sich der Förderverein des TV Eintracht Lünern/Stockum bereits seit mehreren Jahren befasst. Seither galt es für den Vorstand, die eigenen Mitglieder zu überzeugen. Mit der Bürgerstiftung stand der Förderverein in regem Kontakt.

„Wir entwickeln für jeden Stiftungsfonds einen eigenen Vertrag“, macht Werner Overwaul deutlich, dass auch die Bürgerstiftung Vorlaufzeit braucht, ehe sie Verträge wie den mit dem Förderverein schließen kann.

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