Unnas Lichtkunstklotz anzustrahlen kostet 2500 Euro

dzStadtlichter-Streit

Licht ist die einzige Farbe, mit der man Wände bemalen kann, ohne sie zu beschmutzen. Einen Bildprojektor auf ein Gebäude zu richten, ist daher folgenlos – solange es nicht Unnas Turrell-Bauwerk ist.

Unna

, 13.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Nutzungsgebühr für die Illumination der Camera Obscura am Platz der Kulturen zählte zu den Dingen, die Wolfgang Flammersfelds Entscheidung für einen Abschied aus Unna mit beeinflusst haben. 2.500 Euro musste er zuletzt zahlen, um die Außenwände des Lichtkunstbauwerkes in seine Stadtlichter-Aktion einbeziehen zu können. Die Begründung des Lichtkunstzentrums dafür überrascht.

Lichtkunst-Direktor John Jaspers rechtfertigt die Gebühr: „Herrn Flammersfelds Lichterfest ist eine kommerzielle Angelegenheit“, so Jaspers. „Sobald Anfragen bei uns hineinkommen – es kann dann um Drehaufnahmen für Videoclips gehen, wie zum Beispiel Max Giesinger hier sein letztes Video gedreht hat, oder die Nutzung eines Gebäudes, das uns gehört – dann fragen wir dafür tatsächlich nach einer Vergütung.“ Zur Höhe des Betrages macht Jaspers indes keine Angaben, da dies die Zeitung nichts angehe.

Jaspers: Flammersfeld will schon seit drei Jahren weg

„Auf jeden Fall nicht soviel Geld, dass Herr Flammersfeld deswegen sein Lichterfest lassen würde“, merkt Jaspers lediglich an. Überdies habe Flammersfeld ihm schon vor drei Jahren erzählt, dass er Unna mit seinem Lichterfest verlassen würde. Von unserer Redaktion damit konfrontiert, bestreitet Flammersfeld dies.

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Dass das Lichtkunstzentrum überhaupt berechtigt ist, Geld für die Bestrahlung des Turrell-Gebäudes zu verlangen, bekräftigt John Jaspers indes. Es gehe hier nicht um die Außenwände einer Immobilie, sondern um ein Kunstwerk, das tatsächlich dem Museum gehöre.

Diese Lesart wird auch von der für Kultur zuständigen Beigeordneten im Rathaus, Kerstin Heidler, bestätigt: Das Turrell-Bauwerk sei demnach nicht untrennbar mit dem Boden verbunden und deshalb nicht automatisch Eigentum der Stadt.

Turrell will nicht, dass sein Werk bestrahlt wird

Schließlich, so erklärt Lichtkunst-Direktor Jaspers, wolle Lichtkünstler James Turrell gar nicht, dass sein Werk als Leinwand genutzt wird. Geschehen ist dies allerdings schon mehrfach, nicht nur durch Flammersfelds Stadtlichter-Aktionen. Auch in anderer Hinsicht ist Jaspers Argumentation angreifbar: Anders als die Produktion eines Musikvideos im Museum erfordert eine Lichtprojektion am Turrell-Bauwerk weder Zutritt zum Museum noch eine Beaufsichtigung der Akteure. Und was den kommerziellen Gehalt angeht, liegt das Turrell-Bauwerk in einem öffentlichen Bereich, der für Passanten ohne Eintrittskarte zu sehen ist.

Flammersfeld geht es auch um die Geste

Wolfgang Flammersfeld vergleicht die Zahlung von je 2.500 Euro, die er in zwei Jahren entrichtet hat, daher auch mit einer Spende an das Lichtkunstzentrum. Dabei sei der Betrag eher nebensächlich. „Es geht hier auch um die Geste“, sagt er. Und so gesehen seien Forderungen wie die des Lichtkunstzentrums eben nichts, was er bei seiner Arbeit als unterstützend empfinden würde. „Mich interessiert gar nicht, ob ich vom John Jaspers als Lichtkünstler angesehen werde oder als Lichtdesigner. Ich bin ja eigentlich Musiker. Mich interessiert aber, dass ich mit meinem Team zusammen Dinge mache, die von den Menschen hier in der Stadt angenommen werden“, erklärt Wolfgang Flammersfeld. Dabei wäre ihm Unterstützung ganz recht.

Für die Abschiedsvorstellung in Unna aber verspricht Flammersfeld noch einmal eine Schau ohne Abstriche vom 13. bis zum 29. September.

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