Turm der Stadtkirche großteils abgeräumt – Notdach soll Gemäuer schützen

dzStadtkirche Unna

Die Steinmetze sind mit den Abbauarbeiten am Turm der Stadtkirche zu zwei Dritteln fertig. Als letzte Stücke werden die Höllenhunde zu Boden geholt. Ein Notdach soll das Gemäuer vor Regen schützen

Unna

, 15.08.2019, 15:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Eine gute Planung ist ein guter Verlauf“, sagt Architekt Eberhard Tiemann. Der Bauleiter der großen Sanierungsbaustelle am Turm der Evangelischen Stadtkirche bestätigte im Gespräch mit unserer Redaktion am Donnerstag, dass die Abbauarbeiten gut vorangekommen sind. „Zwei Drittel sind fertig“, sagte Tiemann. Ein Großteil der witterungsgeschädigten Sandsteinelemente wurde am Mittwoch wie geplant vom Kirchturm zum Kirchplatz herabgelassen. Die Balustrade von der West-, Süd- und Ostseite ist am Boden, ebenso Teile der Fialen.

Turm der Stadtkirche großteils abgeräumt – Notdach soll Gemäuer schützen

Der 60 Tonnen schwere Autokran hat seine Position auf dem südlichen Kirchplatz verlassen und ist vor das Hauptportal gefahren. Der Ausleger muss jetzt die Nordseite des Kirchturms erreichen. © Raulf

Kran jetzt vor dem Haupteingang

Die Nordseite erreicht der Kran von seiner Position von Mittwoch nicht. Deswegen wurde das 60-Tonnen-Gefährt nun umgesetzt. Es steht seit Donnerstagvormittag vor dem Hauptportal der Stadtkirche. Zunächst muss jetzt vor allem das Baugerüst am Kirchturm umgebaut werden. Gerüstbauer müssen es verstärken, um die drei Wasserspeier am Turm abzusichern. Das umgebaute Gerüst fängt ihr Gewicht auf, damit sie gefahrlos abmontiert und zu Boden gelassen werden können. Nach dem Planungsstand von Donnerstag soll das Gerüst am Montag umgebaut werden. Die nach Nordwesten und Nordosten blickenden Wasserspeier werden dann als erste abgenommen. Für den Höllenhund an der südöstlichen Ecke muss der Autokran noch einmal umgesetzt werden.

Nach 170 Jahren endlich Schutz vor dem Wasser

Ist der Turm komplett leer geräumt, wird er überdacht. Architekt Tiemann kündigt die Errichtung eines Notdachs an. „170 Jahre ist Wasser von oben hineingelaufen. Das wollen wir jetzt stoppen.“ Die Überdachung soll es möglich machen, dass das Mauerwerk zumindest ein bisschen austrocknen kann. Die Konstruktion wird zweckmäßig: Hartfaserplatten, die abgedichtet werden, überspannen an allen vier Seiten die Flächen zwischen der Unterkante des Kupferdachs und dem Hauptgesims an der Mauer. Regenwasser soll dann am Turm heruntertropfen.

Turm der Stadtkirche großteils abgeräumt – Notdach soll Gemäuer schützen

Architekt Eberhard Tiemann hat schon mehrere solcher Bohrkerne entnehmen lassen. Weitere Erkundungsbohrungen sollen Aufschluss über den Aufbau der maroden Mauer geben. © Udo Hennes

Turm wird vermessen und erkundet

Da es keine Bauzeichnungen mehr gibt, besteht die Aufgabe Tiemanns und seiner Kollegen auch darin, genaue Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Kirchturms zu sammeln. Der Architekt misst mit einem Lot, wie schief oder gerade der Turm steht – eine wichtige Information für den Statiker. Außerdem sollen weitere Erkundungslöcher in das Mauerwerk gebohrt werden, um mehr über den Aufbau der Wand zu erfahren. Die zwischen 1,70 und 3 Meter dicke Mauer besteht aus drei Schichten: Zwischen einer vorderen und einer hinteren Wand wurde loses Gestein angefüllt.

Turm der Stadtkirche großteils abgeräumt – Notdach soll Gemäuer schützen

Ein Blick in die Turmwand, etwa in Höhe der Glockenstube. Die Mauer ist hier noch recht jung. Sie wurde nach der Brandkatastrophe von 1860 neu aufgebaut. Gut erkennbar: Zwischen einer inneren und einer äußeren Mauer wurde loses Gestein angefüllt. © Udo Hennes

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