Noch immer gibt es im Kreis Unna täglich zu viele positive Corona-Tests. Er bleibt damit ein Hotspot, ist weit vom 7-Tage-Inzidenz-Ziel 50 entfernt. © dpa
Pandemie

Trotz falscher Inzidenzzahl: Der Kreis Unna bleibt Corona-Hotspot

Die Berechnungen von Inzidenzwerten auf Grundlage der vom Kreis Unna veröffentlichten Fallzahlen sorgen für viele Fragen. Nachfolgend beantworten wir die wichtigsten.

Nachdem bekannt geworden ist, dass der Kreis Unna die 7-Tage-Inzidenzzahlen auf einer äußerst ungenauen Datengrundlage errechnet hat, ergeben sich für viele Menschen Fragen. Wir geben Antworten:

Warum sind die veröffentlichten 7-Tage-Inzidenz-Zahlen des Kreises Unna falsch?

Der Kreis Unna hat seine internen Berechnungen der 7-Tage-Inzidenzzahlen auf Grundlage der Fallzahlen vorgenommen, die er montags bis freitags veröffentlicht. Die Fälle hinter diesen Zahlen sind aber noch unbearbeitet, ihre Zahl kann sich noch deutlich reduzieren oder auch erhöhen, bevor sie an das Landeszentrum Gesundheit (LZG) und in der Folge an das Robert-Koch-Institut (RKI) weitergegeben werden.

Sind die vom Kreis veröffentlichten Corona-Fallzahlen also falsch?

Jein. Sie sind unbearbeitet, Korrekturen also wahrscheinlich. Die öffentliche Erwartungshaltung an die Kreisgesundheitsbehörde ist es, täglich Fallzahlen zu veröffentlichen. Die Pressestelle des Kreises veröffentlicht daher alle Corona-Fälle, die seit der jeweils jüngsten Mitteilung bekannt geworden sind. Die grundsätzliche Entwicklung lässt sich anhand dieser Zahlen nachvollziehen. Im Übrigen gibt es etwa bei den Zahlen zu Todesfällen keine Abweichungen.

Wie gravierend sind den die Abweichungen bei der 7-Tage-Inzidenz?

Sie sind zum Teil gravierend. Das gilt insbesondere dann, wenn die Fallzahl zunimmt. Als der Kreis Unna nach eigenen Berechnungen am 8. Oktober den 7-Tage-Inzidenzwert erstmals mit einem Wert über 50 angab, lag er laut RKI-Angaben noch mehrere Tage nur knapp über 40. Der höchste jemals festgestellte Inzidenzwert beträgt nach den Kreis-Berechnungen 225,3. Das LGZ nennt für den 3. November allerdings 268,9 als Höchstmarke.

Wie bedeutend sind die Inzidenzzahlen überhaupt?

Aktuell sind sie der Wert, auf dessen Grundlage die Politik Entscheidungen trifft – etwa zu Kontaktbeschränkungen. Auch der „Lockdown light“ wurde auf Basis der zu hohen Inzidenzzahlen verhängt und dann verlängert. Der 7-Tage-Inzidenzwert macht durch die Umrechnung auf 100.000 Einwohner und sieben Tage Fallzahlen aus unterschiedlichen Gebieten miteinander vergleichbar.

Wie ist die Situation im Kreis Unna aktuell?

Der Kreis Unna gilt weiter als Corona-Hotspot. Das LZG nennt als aktuellsten Wert für den 5. Dezember eine 7-Tage-Inzidenz von 149,4. Zum Vergleich: In ganz NRW lag er zum selben Zeitpunkt bei 139,6. Das Ziel aller Corona-Schutzmaßnahmen ist es, die Inzidenz unter 50 zu drücken. Davon ist der Kreis Unna aktuell noch weit entfernt. Bis zu einer Inzidenzzahl von 50 hält es die Politik für möglich, Kontakte nachzuverfolgen und Infektionsketten zu unterbrechen.

Kann man den Zahlen des Kreises Unna noch vertrauen?

Ja. Der Kreis hat seinen Fehler erkannt und verzichtet seit dem 3. Dezember von sich aus darauf, Inzidenzzahlen auf Basis seiner veröffentlichten Fallzahlen zu berechnen. In dem Update auf seiner Homepage verweist er auf das LZG. Den dort veröffentlichten Inzidenzwert betrachtet der Kreis Unna als maßgeblich. Im Bezug auf die Corona-Fallzahlen ist zu beachten, dass es sich um vorläufiges Datenmaterial handelt.

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