Zu wenig Wasser und zu wenig Platz: Unnas Bürger sorgen sich um die Stadtbäume

dzTrockenheit

Unnas Stadtbäume leiden unter der Trockenheit – doch das Problem reicht noch viel weiter: Die Baumscheiben, also der Platz, den die Bäume zur Verfügung haben, reicht oftmals nicht aus.

Unna

, 03.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu wenig Wasser im Boden, zu lange anhaltende Hitze, kaum Regen: Der aktuelle Sommer ist bereits der zweite in Folge, der Unnas Stadtbäumen schwer zu schaffen macht. Mehrere Bäume werden den Trockensommer wohl nicht überleben. Damit Stadtbäume künftig besser gewappnet sind, brauchen sie vor allem mehr Platz für ihre Wurzeln.

Den haben längst nicht alle Stadtbäume, wie eine spontane Bestandsaufnahme in der Innenstadt zeigt: Oft messen die sogenannten Baumscheiben, also der Bereich, der rund um den Baumstamm frei ist, nur wenige Zentimeter. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass ein Baum im Laufe seines Lebens auch einen breiteren Stamm bekommt: Eine möglicherweise einst großzügig angelegte Baumscheibe kann nach 20, 50 oder mehr Jahren durchaus beengt wirken.

Zu wenig Wasser und zu wenig Platz: Unnas Bürger sorgen sich um die Stadtbäume

Viel Platz zwischen Baumstamm und Pflastersteinen ist hier nicht: Die Baumscheibe dieses Baumes an der Wasserstraße bietet nicht viel Platz. Hinzu kommt: Der Boden ist mittlerweile so hart, dass Wasser direkt abfließt und zwischen den Steinen versickert. © Anna Gemünd

Spenden fürs Klima

Bürger können der Stadt Geld für Bäume spenden

  • Seit 2016 gibt es in Unna die Möglichkeit, der Stadt Geld für neue Stadtbäume zu spenden. Im November 2016 beschloss der Umweltausschuss auf Antrag der Grünen-Fraktion im Stadtrat, ein Spendenkonto für Baumspenden einzurichten.
  • Wer möchte, kann seitdem auf das Konto der Kreisstadt Unna, IBAN: DE 92 443500600000081000 unter dem Stichwort „Baumspende“ einen Betrag spenden, der ausschließlich für die Neuanpflanzung von Stadtbäumen verwendet wird.
  • Diese zweckgebundene Spende gilt als praktikabler als Sachspenden von Bäumen, da die für die Pflanzungen von Bäumen im öffentlichen Raum gewisse Standards erfüllt sein müssen.
  • Wirklich rege genutzt wird die Möglichkeit zur Baumspende allerdings nicht: Im Februar 2017, kurz nach der Einführung der Spendenmöglichkeit, lag der Spendenstand bei 50 Euro. Einen aktuellen Stand kann die Stadtverwaltung erst in der zweiten Septemberwoche nennen, da der zuständige Mitarbeiter derzeit nicht im Haus ist.

Entscheidend für den Baum ist der Platz, den seine Wurzeln zur Verfügung haben. Über sie versorgt er sich mit lebensnotwendigen Mineralstoffen und vor allem auch mit Wasser. Doch gerade das kann den Baum oft nicht erreichen: Wie unlängst von einer Anwohnerin der Mozartstraße geschildert, sind die Böden rings um die Baumstämme durch die anhaltende Trockenheit mittlerweile stellenweise so trocken und hart, dass selbst Wasser, das gezielt an den Baumstamm gegossen wird, einfach über die Bodenpberfläche läuft und in der Kanalisation versickert.

Im Zuge unserer Berichterstattung meldet sich eine weitere Leserin: Sie wohnt an der Gerichtsstraße und sieht mit Sorge auf den dort stehenden alten Baumbestand. Auch hier sei ein Gießen unmöglich, da die Bäume bis zur Rinde zugepflastert seien.

Politisch sind die Baumscheiben und ihr Zustand auch schon öfter Thema gewesen: 2015 forderte die FLU bereits eine Sanierung der Baumscheiben; aktuell befasst sich die SPD-Fraktion mit dem Thema, wie ihr umweltpolitischer Sprecher, Ralph Bürger, sagt: „Sehr viele Baumscheiben erfüllen den Zweck der Bewässerung offensichtlich nicht. Die aktuelle Situation erfordert ein Umdenken bei Anlage und Betrieb von Baumscheiben.“

Seit 2017 bekommen neue Stadtbäume in Unna mehr Platz
Zu wenig Wasser und zu wenig Platz: Unnas Bürger sorgen sich um die Stadtbäume

An der Kamener Straße stehen einige der Jungbäume, die mehr Platz rund um ihren Baumstamm bekommen als ihre Vorgänger. Die Jungbäume werden zudem mit Wassersäcken gezielt bewässert, um sie vor der Trockenheit zu schützen. © Anna Gemünd


Bereits seit zwei Jahren gelten stadtweit neue Maßstäbe für die Anlage von neuen Baumscheiben. „Neue Baumstandorte müssen seit 2017 einen durchwurzelbaren Bereich von acht Kubikmetern haben“, sagt Stadtsprecher Christoph Ueberfeld. In diesem Bereich rund um den Baum wird nur Material mit großer Durchlässigkeit verwendet, um eine optimale Ausbreitung und Versorgungsleistung des Wurzelwerkes zu gewährleisten.

Dies gilt für alle neuen Standorte – sofern in dem Bereich keine Versorgungsleitungen liegen. „Das Ziel sind natürlich eine hohe Standfestigkeit der neuen Bäume und ihre optimale Versorgung“, erklärt Ueberfeld. 30 neue Bäume hätten seit 2017 auf diese Weise mehr Platz bekommen.

Für bestehende Standorte gilt diese Regelung wohlgemerkt nicht. „Derzeit ist nicht geplant, bestehende Baumscheiben zu verändern“, sagt Ueberfeld.

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